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Rennstrecken-Verkauf ADAC will den Nürburgring retten

Exklusiv
Seite 2/2

Gelbe Engel als weiße Ritter

Die größten Investitionsruinen Deutschlands
Flughafen ZweibrückenNach dem insolventen Nürburgring steht ein weiteres Projekt mit Steuergeld in Rheinland-Pfalz vor dem finanziellen Crash: Der Flughafen Zweibrücken in der Pfalz wird nach Ansicht von Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) Insolvenz anmelden müssen. Er rechne damit, dass die EU-Kommission die Rückzahlung von bis zu 56 Millionen Euro staatlicher Beihilfen fordern werde, sagte Lewentz. Der Flughafen Zweibrücken - wie der verschuldete Airport Frankfurt-Hahn ein früheres Militärgelände - hatte 2012 ein Minus von 4,6 Millionen Euro eingefahren, das er im vergangenen Jahr nach Ministeriumsangaben auf knapp 3 Millionen Euro drückte. Der Flughafen befindet sich zur Hälfte in Hand des Landes und zur Hälfte in kommunaler Hand. Er liegt nur rund 30 Kilometer vom Flughafen Saarbrücken entfernt. Die neuen Flugleitlinien der EU-Kommission verbieten Subventionen für zwei Airports, die weniger als 100 Kilometer auseinanderliegen. Quelle: dpa/dpaweb
Eine Maschine der Lufthansa überquert die Landebahn des Flughafens Leipzig/Halle Quelle: Uwe Schoßig
Freizeitpark am Nürburgring Quelle: dpa
Ein Transrapid TR 09 steht auf der Teststrecke im Emsland Quelle: dpa
Menschen verspeisen Kaffee und Kuchen im Reaktorhauptgebaeude des Kernkraftwerkes Kalkar Quelle: AP
Aussenansicht der Halle des Tropical Islands Resorts Quelle: dpa/dpaweb
Passanten vor dem Dortmunder U-Turm Quelle: PR

Die Vorsicht hat gute Gründe. Die SPD-geführte rheinland-pfälzische Landesregierung hat gut ein Jahrzehnt lang am Nürburgring Millionen versenkt. Im Sommer 2012 ging der Nürburgring in die Insolvenz, obwohl über die Jahre insgesamt eine halbe Milliarde Euro aus der Landeshauptstadt Mainz in die Eifel geflossen sind. Die EU-Kommission prüft derzeit, ob es sich dabei um verbotene Beihilfen handelte. In einer Broschüre zum Verkauf wirbt KPMG dagegen mit „nachhaltig positiven Cash-Flows“, die am Nürburgring zu erwirtschaften seien. „Klarheit ist hier nur zu erlangen, wenn das – hoffentlich belastbare – Datenmaterial einer eingehenden Prüfung unterzogen werden kann“, sagt Meyer. „Erst danach kann in seriöser Weise eine Entscheidung getroffen werden.“ Klar sei, dass der ADAC sich keinen „Planverlustbringer“ ans Bein binden werde.

„Wir legen unser Augenmerk darauf, dass die Motorsportstätte auch wirklich nachhaltig betrieben werden kann“, sagt Meyer. Heißt: Sie soll keine Verluste schreiben, die jährlichen Instandhaltungen und die in größeren Abständen nötigen Erneuerungsmaßnahmen aus dem erwirtschafteten Ergebnis selbst tragen können. „Das Ziel ist es nicht, möglichst hohe Profite aus der Rennstrecke herauszuholen“, sagt Meyer.

Für viele in der Region dürfte der ADAC damit wie ein weißer Ritter erscheinen. Dass ein Investor den Ring kauft und knallhart auf maximalen Profit trimmt, ist die größte Sorge vieler Menschen in der Region. Denn rund um den Nürburgring haben sich etliche kleine Unternehmen etabliert. Dienstleister, die Gäste im Taxi über die Strecke kutschieren oder Schulungsfahrten auf der Nordschleife anbieten. Caterer, die bei Veranstaltungen Verpflegung liefern. Regionale Hoteliers und Restaurantbetreiber, die von den Veranstaltungen am Ring leben. Sie alle fürchten, von einem privaten Eigentümer aus dem Geschäft gedrängt zu werden.

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Die Auseinandersetzungen mit den Betreibern nach der ersten Privatisierung des Nürburgrings – von 2010 bis 2012 war das Areal an ein Gemeinschaftsunternehmen der Düsseldorfer Lindner-Hotelgruppe mit dem Projektentwickler Mediinvest verpachtet – sind in der Region noch präsent. Motorsport-Veranstalter und selbst die nicht eben klamme Automobilindustrie, für die der Nürburgring eine beliebte Teststrecke ist, klagten seinerzeit über aus ihrer Sicht inakzeptable Preissteigerungen. Die Verkaufsgegner fürchten sich auch vor drastisch steigenden Preisen für Touristenfahrten auf der Nordschleife.

Die Verkaufspläne der Insolvenzverwalter haben deshalb in der Region viel Unmut hervorgerufen. Etlichen Menschen ist der Verkauf ein Dorn im Auge, Anfang des Jahres demonstrierten sie in Mainz, heute Abend treffen sie sich in Nürburg zu einer Bürgerversammlung.

Der ADAC versucht nun eine Lösung auf die Beine zu stellen, die die Interessen der Region mit einbindet. Wie die WirtschaftsWoche aus Verbandskreisen erfuhr, spielt der ADAC derzeit mehrere Szenarien für das rechtliche Konstrukt durch, das die Rennstrecken künftig tragen könnte. Demnach werde auch über gemeinnützige Lösungen nachgedacht, etwa eine Stiftung oder eine gemeinnützige GmbH (gGmbH), es seien allerdings noch rechtliche Fragen zu klären. Meyer äußerte sich hierzu nicht.

Dafür bestätigte der ADAC-Chef noch eine andere Information, die die Insolvenzverwalter freuen dürfte: Der Verband ist nun bereit, seine auslaufenden Veranstalterverträge mit dem Nürburgring um ein Jahr bis Ende 2014 zu verlängern. Der ADAC ist für den Nürburgring einer der wichtigsten Veranstalter, richtet dort unter anderem das 24-Stunden-Rennen, die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) und den Truck-Grand-Prix sowie diverse Breitensportveranstaltungen aus. Zuletzt hatte der ADAC mit Abzug aller Veranstaltungen gedroht, falls der Ring verkauft und die Preise für die Motorsportler nach oben geschraubt werden. Bedingung für die Verlängerung ist laut Meyer allerdings, dass der Verband ein Sonderkündigungsrecht erhält, wenn der Nürburgring an einen Investor verkauft wird, mit dem der ADAC aus Corporate-Governance- beziehungsweise Compliance-Gründen nicht zusammenarbeiten will.

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