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Rente Heilsames Renten-Minus

Endlich wird bekannt, dass künftige Ruheständler weniger Rente als angenommen erhalten werden. Na Gott sei Dank. Ein Kommentar von Wirtschaftswoche-Reporterin Cornelia Schmergal.

WirtschaftsWoche-Reporterin Cornelia Schmergal

Jetzt bitte ganz ruhig bleiben. Auch wenn es schwer fällt. Immerhin titelt Deutschlands größte Tageszeitung: „Finanzkrise schrumpft Renten.“ Was die Bild-Zeitung da allerdings vermeldet, ist wenig verwunderlich. Rein ökonomisch betrachtet ist es sogar erfreulich – und wenigstens ehrlich. Warum?

Mal ganz von vorn: Die Rentenformel koppelt die gesetzliche Altersversorgung an die Löhne. Schließlich zahlt jede junge Generation über das Umlageverfahren für die ältere. Steigen die Löhne, gilt das im folgenden Jahr auch für die Renten.

Gibt es keine Lohnerhöhungen für die Beitragszahler, klettern auch die Renten nicht. Schließlich muss die Altersversorgung irgendwie finanziert werden.

Die Arbeitnehmer  müssen nun wegen der Wirtschaftskrise mit Lohneinbußen rechnen. Entsprechend schlechter werden sich auch die Renten entwickeln.

Und so wird aus der Rentenformel eine Nachricht: Ein Durchschnitts-Verdiener mit 45 Beitragsjahren erhält 2020 vermutlich über 100 Euro weniger Rente im Monat als bislang angenommen, hat der Mannheimer Rentenexperte Axel Börsch-Supan prophezeit.   

Für alle, die in zehn, 20 oder 30 Jahren in Rente gehen, mag das ärgerlich sein.

Trotzdem ist es vollkommen richtig und wichtig, die Rentenformel wirken zu lassen. Die Renten künstlich hoch zu halten, würde nur die Beitragssätze weiter hoch treiben und viele Jobs unrentabel machen.

Steigende Arbeitslosigkeit aber belastet die Rentenkassen nur noch mehr. In der Zukunft kann niemand mehr üppige Renten aus der gesetzlichen Versicherung erwarten. Umso besser, wenn die jüngere Generation früh genug einsieht, dass sie unbedingt selber für ihr Alter vorsorgen müssen.

Klar im Vorteil sind dagegen die heutigen Ruheständler. Ihre Renten können nicht sinken – auch wenn die Lohnsumme für die Arbeitnehmer schrumpft.

Das hat die große Koalition gerade eben mit der Rentengarantie beschlossen. In der Praxis besteht für die Rentner heute kein Grund zu Panik. Dass die Berechnungen zur Schrumpf-Rente bald Realität werden könnten, ist politisch unwahrscheinlich. 20 Millionen potenzielle Wähler wollen schließlich betüdelt werden.

Spätestens vor der nächsten Wahl werden die Renten wieder steigen.

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