Retten, was zu retten ist? Kritiker gründen Partei gegen den Euro

Kritiker der Euro-Rettung wollen eine Anti-Euro-Partei gründen. Im April soll die "Alternative für Deutschland" offiziell ins Leben gerufen werden - und zur Bundestagswahl im September antreten.

Die größten Euro-Gegner
Hans-Olaf Henkel war Industrie-Chef und sieht Europa durch den Euro bedroht. Die aktuelle Krisenbewältigung schränke die Demokratie in den Eurostaaten erheblich ein. Henkel hofft auf ein Einlenken der Bundeskanzlerin.
Der Ökonom und Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Hans-Werner Sinn hält viele Euro-Mitgliedsländer für nicht wettbewerbsfähig. Er plädiert für einen Ausschluss Griechenlands aus der Währungsunion und warnt eindringlich vor einer Bankenunion und Eurobonds. Im vergangenen Jahr hat er einen Brandbrief von rund 200 deutschen Ökonomen mitunterzeichnet. Innerhalb der Bundesregierung hat er sich damit keine Freunde gemacht. Doch das wird Sinn nicht stören. Einer, der den ifo-Chef gut kennt sagte,
Alexis Tsipras ist Vorsitzender des griechischen Links-Bündnisses
Peter Gauweiler ist CSU-Politiker und profiliert sich vor allem als Euro-Skeptiker. Er stimmt gegen den Eurorettungsschirm und möchte die
Silvio Berlusconi ist Unternehmer und ehemaliger italienischer Ministerpräsident. Bei den Parlamentswahlen in Italien holte er fast 30 Prozent der Stimmen und konnte so eine linke Regierung verhindern. Berlusconi punktete im Wahlkampf mit dem Versprechen, die Sparprogramme seines Vorgängers Mario Monti rückgängig zumachen. Auch für seine populistischen Thesen gegen den Euro erhielt er Applaus. Den Euro zu verlassen, sei keine Blasphemie, sagt Berlusconi. Quelle: REUTERS
Timo Soini ist Mitglied des Europaparlaments und Präsident der Partei
Der Chef der rechtspopulistischen niederländischen Partei für die Freiheit (PVV) Geert Wilders hat sich erfolglos am Euro abgearbeitet. Er geißelte die Sparregeln als

Zur Bundestagswahl im September, spätestens zur Europawahl 2014 will die Anti-Euro-Partei "Alternative für Deutschland" laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) startklar sein. Gründer der Partei, deren Thema die Abschaffung der Gemeinschaftswährung ist, sind der Ökonom Bernd Lucke, der Ex-FAZ-Redakteur Konrad Adam und der Publizist Alexander Gauland. Zu den Unterstützern der Bewegung gehört laut Bericht auch der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel. Henkel machte bereits im Juni zusammen mit den Freien Wählern gegen den Euro mobil.

Nicht nur die Euro-Rettung, auch die gesellschaftspolitischen Vorstöße wie der jüngste zur Gleichstellung der Homo-Ehe irritieren einstige Stammwähler der Merkel-CDU und der Rösler-FDP. Das Unbehagen gegenüber der Abkehr bürgerlicher Parteien von der reinen marktwirtschaftlichen oder kirchlichen Lehre ist jedoch so alt wie ihre von machterhaltendem Pragmatismus geprägte Beteiligung an Regierungen. Das war unter Kohl so und ist bei Merkel nicht anders.

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Darüber entstanden vorübergehend erfolgreiche Phänomene wie jenes der Statt-Partei oder der Republikaner. Sie alle waren Ventil-Organisationen für eine sich unbeachtet fühlende Minderheit und Einthemenparteien; im aktuellen Fall ist es die Gegnerschaft zum Euro. Politisch blieb das immer zu wenig für den dauerhaften Erfolg.

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