Rückgabe von Nazi-Raubkunst Kunstsammler Gurlitt ist tot

Erst im April hatte sich Cornelius Gurlitt mit dem Staat über die Zukunft seiner riesigen Kunstsammlung geeinigt. Nun starb der Sammler im Alter von 81 Jahren.

Diese Bilder waren jahrelang verschollen
Diese Bilder waren Teil der Kunstsammlung (beginnend links oben): "Paar" von Hans Christoph, "Zwei Reiter am Strand" von Max Liebermann, "Mann und Frau am Fenster" von Wilhelm Lachnit und Antonio Canaletto: "Sa. Giustina in Prà della Vale" in Padua, eine Druckgrafik von 1751/1800. Quelle: dpa
Außerdem wurden die folgenden vier Bilder veröffentlicht: "Männliches Bildnis", eine undatierte Druckgrafik von Ludwig Godenschweg, das Aquarell "Mönch" von Christoph Voll sowie Paar in Landschaft von Conrad Felixmueller und Fritz Maskos "Sinnende Frau". Quelle: dpa
Nach dem spektakulären Fund in einer Münchner Wohnung hat die Staatsanwaltschaft Augsburg auf einer Pressekonferenz erste Bilder präsentiert. Bei einer Durchsuchung in der Münchner Wohnung von Cornelius Gurlitt waren 2012 rund 1500 Kunstwerke gefunden worden. Der Fall wurde erst jetzt publik. Quelle: dpa
In Gurlitts Wohnung wurde etwas dieses Kunstwerk des französischen Malers Marc Chagall gefunden. Das Bild mit dem Titel „Allegorische Szene“ war bisher unbekannt. Quelle: dpa
Ein weiteres Kunstwerk auf dem Speicher: das Bild „Musizierendes Paar“ des deutschen Malers Carl Spitzweg. Es ist eine Vorzeichnung zu einem späteren Bild. Quelle: dpa
Auch das Werk „Pferde in Landschaft“ des deutschen Künstlers Franz Marc war unter dem Kunstschatz. Einige Gemälde sollen von Familien stammen, die von den Nazis enteignet wurden. Genaue Angaben gibt es dazu aber noch nicht. Quelle: dpa
Unter den Werken findet sich auch ein Selbstporträt von Otto Dix. Die Kunst des deutschen Malers wurde von den Nationalsozialisten als „entartet“ gebrandmarkt. Quelle: dpa

Der Kunstsammler Cornelius Gurlitt ist tot. Der 81-Jährige starb am Dienstag in seiner Münchner Wohnung, wie sein Sprecher Stephan Holzinger der Nachrichtenagentur dpa bestätigte. Gurlitt war seit Monaten schwer krank. Sein Arzt sei in der Stunde des Todes bei ihm gewesen, sagte der Sprecher. Damit starb Gurlitt nur wenige Wochen nach seiner Vereinbarung mit dem Land Bayern und der Bundesregierung über seine unschätzbar wertvollen Kunstwerke.
Cornelius Gurlitt war der Sohn von Adolf Hitlers Kunsthändler Hildebrand Gurlitt. In seiner Münchner Wohnung war im Februar 2012 eine umfangreiche Kunstsammlung gefunden und beschlagnahmt worden. Dazu zählten Werke von Picasso, Chagall, Matisse, Beckmann und Nolde.


Erst am 7. April hatte Gurlitt der Bundesregierung und dem Freistaat Bayern vertraglich zugesichert, seine millionenschwere Sammlung von Experten untersuchen zu lassen. Unter Nazi-Raubkunstverdacht stehende Werke werde er gegebenenfalls zurückgeben. Daraufhin gab die Staatsanwaltschaft Augsburg die Werke wieder frei. Sie lagerten Experten zufolge weiter an einem geheimen Ort.
Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) würdigte am Dienstag Gurlitts Bekenntnis zur moralischen Verantwortung. Damit habe er ein Zeichen für faire und gerechte Lösungen bei der Rückgabe von NS-Raubkunst gesetzt.
Gurlitts Anwälte erklärten zum Tod ihres Mandanten, der unter gerichtlicher Betreuung stand: „Mit dem Tod von Cornelius Gurlitt enden sowohl das Betreuungs- als auch das Ermittlungsverfahren.“
Die Staatsanwaltschaft hatte die insgesamt 1280 Bilder am 28. Februar 2012 wegen des Verdachts auf ein Steuer- und Vermögensdelikt beschlagnahmt und seitdem unter Verschluss gehalten. Hunderte Werke stehen nach Auffassung der Taskforce „Schwabinger Kunstfund“ im Verdacht, Nazi-Raubkunst zu sein.

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Bis Ende dieses Jahres sollte die Herkunft der Gemälde weitgehend erforscht sein. Gurlitt sollte gemäß der Vereinbarung dann jene Bilder zurückerhalten, die sich nicht als Raubkunst erweisen und den ursprünglichen Besitzern zurückgegeben werden.
„Wegen der weiteren Schritte nach der Freigabe der Bilder sind wir in enger Abstimmung sowohl mit der Taskforce als auch mit der Staatsanwaltschaft“, hatte Gurlitts Anwalt Tido Park seinerzeit gesagt. „Es ist Sache von Herrn Gurlitt und seinen Vertretern, was mit den Bildern geschehen soll, bei denen eine Rückgabe angeordnet wird“, erklärte Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) damals zu der Vereinbarung.

Bis Gurlitt in das Zentrum der wohl spektakulärsten Kunstsensation der vergangenen Jahrzehnte geriet, hatte er ein zurückgezogenes Leben in seiner Schwabinger Wohnung und seinem Haus in Salzburg geführt. „Mehr als meine Bilder habe ich nichts geliebt in meinem Leben“, sagte der Kunstsammler einer „Spiegel“-Reporterin.

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