Rücktritt von Volker Wieland Rettet die Wirtschaftsweisen!

Der Rücktritt des marktwirtschaftlich orientierten Wirtschaftsweisen Volker Wieland treibt den Sachverständigenrat in die schwerste Krise seiner Geschichte. Quelle: Imago

Die Politik hat die Reputation des Sachverständigenrats beschädigt. Doch es wäre falsch, das Gremium jetzt abzuschreiben – oder sogar abzuschaffen. Ein Kommentar.

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Jetzt also auch Volker Wieland. Der Frankfurter Ökonomie-Professor hat gut ein Jahr vor Ende seiner Amtszeit seinen Rückzug aus dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) verkündet.

Damit sind die „Fünf Wirtschaftsweisen“ nur noch zu dritt: Im Februar 2021 musste bereits der damalige Vorsitzende Lars Feld auf Druck der SPD ausscheiden, und die Große Koalition war danach nicht willens oder in der Lage, einen Nachfolger für ihr wichtigstes ökonomisches Beratungsgremium zu benennen.

Der Reputation des SVR hat das politische Geschacher ebenso geschadet wie die gegenseitigen Blockaden seiner verbliebenen Mitglieder, die in zwei Zweiergrüppchen zerfielen und sich intern nicht über den Vorsitz des Gremiums einigen konnten. Der Rücktritt des marktwirtschaftlich orientierten Wieland (der offiziell private und berufliche Gründe für seine Entscheidung anführt) treibt den 1963 gegründeten SVR nun in die schwerste Krise seiner Geschichte.

Doch für Häme oder einen Abgesang besteht kein Grund. Die Wirtschaftsweisen werden noch gebraucht angesichts einer politischen Klasse, in der volkswirtschaftliche Sachkompetenz nicht zur Standardausstattung zählt. Die fast 500 Seiten starken Jahresgutachten des SVR etwa sind weit besser als ihr Ruf: Wer sich an die Lektüre herantraut, findet in dem Kompendium eine Fülle an Daten, Analysen und Prognosen – und im besten Fall auch wirtschaftliche Handlungsempfehlungen für die Politik.

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Daher bleibt zu hoffen, dass die Ampelkoalition die beiden vakanten Stellen im Rat nun zügig nachbesetzt – am besten mit Leuten, die Marktwirtschaft nicht für ein Konzept von gestern halten.

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