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Rüstungsauftrag Heckler & Koch-Gewehre für die Bundeswehr

Exklusiv

Mitten im Drohnendebakel vergibt Verteidigungsminister Thomas de Maizière den nächsten Großauftrag – ausgerechnet an „Deutschlands tödlichstes Unternehmen“, wie Gegner Heckler & Koch nennen. Die Firma kann den Auftrag gut gebrauchen.

Deutschlands größte Waffenschmieden
Platz 6: MTU2010 machte der Konzern 486 Millionen Euro Umsatz mit Rüstungsprodukten. Das entspricht 18 Prozent am Gesamtumsatz. MTU Aero Engines stellt unter anderem Flugzeugtriebwerke für den Kampfjet Eurofighter her. Quelle: dpa
Platz 5: Krauss-Maffei Wegmann (KMW)KMW setzte 2010 gut 900 Millionen Euro mit Rüstungsprodukten um. Als einziger großer deutscher Waffenhersteller setzt KMW zu 100 Prozent auf Rüstung. Der Umsatz speist sich allein aus dieser Produktgruppe. Gemeinsam mit Rheinmetall baut Krauss-Maffei Wegmann unter anderem den Leopard 2-Panzer. Quelle: dpa
Platz 4: ThyssenKruppDer Konzern setzte 2010 1,2 Milliarden Euro mit seiner Rüstungssparte um. Damit macht der Bereich nur drei Prozent am Gesamtumsatz aus. Die ThyssenKrupp Marine Systems stellen die U-Boote U 212 und U214 her. Außerdem baut TKMS Fregatten und Minenräumschiffe.
Platz 3: DiehlDer Nürnberger Rüstungs- und Technikkonzern Diehl machte 2010 mit Rüstungswaren einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro. Damit machte der Verkauf von Raketen und Panzerketten knapp 27 Prozent am Gesamtumsatz aus. Quelle: dpa
Platz 2: RheinmetallIm Jahr 2010 setzte Rheinmetall mehr als zwei Milliarden Euro mit Rüstungsprodukten um. Der Konzern macht gut die Hälfte seines Umsatzes mit Rüstungswaren. Rheinmetall stellt neben dem Spürpanzer Fuchs weitere Panzerfahrzeuge sowie Flugabwehrsysteme, Munition und Elektrik her.
Platz 1: EADSMit einem Umsatz von 12.289 Millionen Euro im Rüstungsbereich im Jahr 2010 sichert sich das Raumfahrt- und Rüstungsunternehmen den ersten Platz. Der Anteil von Rüstungsprodukten am Gesamtumsatz beträgt knapp 27 Prozent. EADS baut den Eurofighter, den Truppentransporter A400M und den Kampfhubschrauber Tiger. Außerdem bietet EADS Überwachungssysteme, Elektronik und Raketen an. Quelle: Reuters

Die Affäre um die Aufklärungsdrohne Euro Hawk kann Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière nicht von einem neuen Großauftrag ablenken. Schließlich will die Bundeswehr schon seit mehreren Jahren die alten Maschinengewehre vom Typ MG3 ersetzen. Technisch gesehen geht das vom Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern hergestellte Gewehr aus Sicht von Experten noch weitgehend auf das MG42 aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs zurück.

Nun hat sich der angeschlagene Minister entschieden – für das Modell HK 121 der baden-württembergischen Waffenschmiede Heckler & Koch (H&K), das in der Truppe dann als MG5 geführt werden wird. Das geht aus einem vertraulichen Schreiben von Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter an den Haushaltsausschuss des Bundestages hervor. Zwar will das Verteidigungsministerium zunächst noch 65 Musterwaffen testen. Aber wenn diese die erwartete Leistung bringen, woran derzeit kein Experte zweifelt, will der Bund von 2014 an bis zum Jahr 2017 mindestens 7114 Gewehre des Typs MG5 im Wert von 118 Millionen Euro kaufen.

Inklusive der 26 Millionen Euro für die Ausbildung der Truppe und die nötigen Ersatzteile hat der Auftrag einen Wert von zunächst 147 Millionen Euro. Später kann die Order laut Rahmenvertrag sogar auf bis zu 12.733 Maschinengewehre in einem Gesamtwert von rund 240 Millionen Euro anwachsen.

Das HK 121 ist technisch gesehen ein mittleres Maschinengewehr und wird so das leichte MG4 ergänzen, dass Heckler & Koch im Rahmen des Programms „Infanterist der Zukunft“ entwickelt hat und bereits seit 2005 produziert. Das HK 121, dessen Prototyp H&K vor drei Jahren vorgestellt hat, gibt es in vier Ausführungen: Der Standardversion, der leichteren I-Fassung für die Infanterie, der EBW genannten Variante für den Einbau in Schützenpanzer wie dem Puma, sowie einer etwas schwereren, aber besonders leistungsfähigen Ausgabe für die Spezialkräfte.

Sie haben eine Länge zwischen 90 Zentimetern und fast 1,20 Metern und wiegen zwischen zehn und knapp zwölf Kilogramm. Alle Fassungen passen zu den bisherigen Vorgängermodellen. Die Bedienung ist ähnlich wie beim MG4 und es passt auf die Lafetten des MG3.

Klamme Kasse

Die Kassenschlager der deutschen Rüstungsindustrie
Eurofighter Das international Typhoon genannten Kampfflugzeug ist ein Gemeinschaftsprodukt der deutsch-französischen EADS, der britischen BAE Systems und Alenia aus Italien von EADS. Zu Zeiten des Kalten Kriegs als Jäger 90 erdacht, wollen es die Hauptbestellländer Deutschland, Großbritannien und Italien trotz mehrfacher Erneuerung heute eigentlich nicht mehr abnehmen. Quelle: REUTERS
NH90 Bei der EADS haben den „NATO-Helicopter 90“, wie das Fluggerät mit vollem Namen heißt, 14 Nationen weltweit bestellt. Das Fluggerät ist der der erste Hubschrauber mit einem elektronischen Flugsteuerungssystem wie es in Verkehrsflugzeugen lange üblich ist. Wegen technischen Problemen gibt es jedoch besonders bei den Exemplaren für die Bundeswehr deutliche Verspätungen. Quelle: Pressebild
A400M Der Militärtransporter von Airbus ist mit einem Wert von mehr als 20 Milliarden Euro das bislang größte europäische Gemeinschaftsprojekt der Waffenbranche. Es sollte eigentlich bereits ab Oktober 2009 in den europäischen Luftwaffen die alten Militärfrachter ersetzen. Doch weil sich Airbus bei der Technik überschätzt hat und die Bestellländer nur schwer erfüllbare Vorgaben machten, werden die ersten Exemplare wohl erst 2014 fliegen. Quelle: AP
U 212 und 214 Die U-Boote sind die Vorzeigeprodukte der ThyssenKrupp-Tochter HDW. Dank des Elektroantriebs, der den Strom von einer Brennstoffzelle erhält, sind die Tauchungetüme so leise und damit vom Feind so schlecht auszumachen wie kaum ein anderes U-Boot. Quelle: dpa
G-36 Das Sturmgewehr von Heckler & Koch ist die Standardwaffe der Bundeswehr als Nachfolger des Gewehres G3, das auch Heckler gebaut hat. Das G36 besteht zu einem Teil aus kohlefaserverstärktem Kunststoff mit Einlagen aus rostfreiem Stahl und ist deshalb relativ leicht. Es wird in mehreren Ländern wie Saudi-Arabien in Lizenz produziert. Auch darum taucht es trotz des strengen Exportverbots immer wieder in Krisengebieten wie dem Kaukasus oder in Libyen auf. Quelle: dpa/dpaweb
Leopard 2 – neueste Ausführung A7+. Den Kampfpanzer hat Krauss-Maffei Wegman entwickelt und gebaut mit Zulieferungen unter anderem von Rheinmetall. Das Fahrzeug hat KMW für die neuen Aufgaben der Bundeswehr entwickelt. Aber von dem Panzer möchte auch Saudi-Arabien angeblich bis zu 800 Stück bestellen. Der Leopard ist besonders gut geschützt, hat Schnittstelle zum Anbringen von Anbaugeräten, z.B. eines  Minenpflugs oder Räumschildes, ist für die Wüste klimatisiert und eine besonders gute Optronik für eine gute Sicht bei Nacht und in die Ferne. Die gut 3000 Leos, wie ihn die Branche nennt, sind bei 16 Ländern im Einsatz, darunter neben europäischen Staaten auch Chile, Kanada und Singapur. Quelle: dpa
Dingo 2Der wahrscheinlich sicherste Geländewagen der Welt schützt nicht nur weitgehend vor Bomben, Granaten sowie biologische und chemische Kampfstoffe. Die gut 800 bisher produzierten Dingos können nicht nur als Truppentransporter dienen, sondern auch zum Gefechtsstand, Krankenwagen oder als Aufklärungsfahrzeug umgebaut werden. Quelle: dpa

Doch das MG5 kann deutlich mehr. Es ist auch bei besonders weiten Schüssen von bis zu 1500 Metern treffsicher. Dazu kommt eine besonders hohe Durchschlagskraft. Jedes Geschoss hat mit 3100 Joule rein rechnerisch genug Energie um einen gut 300 Kilogramm schweren Klotz einen Meter in die Höhe zu heben.

Den Auftrag für das MG5 kann Heckler & Koch gut gebrauchen. Zum einen ist die Order ein Ritterschlag. Denn die in Oberndorf am Neckar ansässige Traditionsfirma gerät immer wieder in die Schlagzeilen. Auch wenn das von Rüstungsgegnern als „Deutschlands tödlichstes Unternehmen“ bezeichnetes Unternehmen beschwört, keine Waffen in Krisengebiete zu liefern, tauchen seine Gewehre immer wieder in Bürgerkriegen wie in Georgien im Jahr 2008, den Unruheprovinzen in Mexiko im Jahr 2010 oder in Libyen auf.

Die Pannen der Bundeswehr
Ein Tornado-Jet der Bundeswehr stürzt in der Eifel ab, die Piloten retten sich mit dem Schleudersitz. Ein Expertenteam sei mittlerweile vor Ort, sagte ein Sprecher der Bundeswehr. Die angrenzende Autobahn 48 wurde wegen Trümmerteilen auf der Straße gesperrt. Wie es zu dem Unglück kam, war laut Polizei und Luftwaffe zunächst unklar. Weitere Menschen, Gebäude oder Autos waren von dem Unglück aber offenbar nicht betroffen. Wie hoch der Schaden ist, ist noch nicht bekannt. Anders sieht es mit den Kosten aus, die für Auslandseinsätze der Truppe anfallen... Quelle: dpa
Die Auslandseinsätze der Bundeswehr haben den deutschen Steuerzahler seit 1992 knapp 17 Milliarden Euro gekostet. Das geht nach Angaben des Magazins „Spiegel“ aus einer internen Berechnung des Verteidigungsministeriums hervor, die ein Beamter des Hauses kürzlich Vertretern der Industrie präsentiert habe. Demnach war der Zeitraum 2010 bis 2012 mit 1,4 Milliarden Euro pro Jahr besonders teuer. Nur 2002, als die Bundeswehr ihren Afghanistan- Einsatz aufbaute, sei mit 1,5 Milliarden Euro mehr ausgegeben worden. Die Summen beziffern dem Bericht zufolge die zusätzlichen, spezifischen Einsatzkosten. Der Sold der eingesetzten Soldaten werde getrennt berechnet. Darüberhinaus leistete sich die Bundeswehr eine ganze Reihe kostspieliger Investitionsflops. Quelle: dapd
Drohne Euro-HawkMit Projektkosten von etwa 600 Millionen Euro ist die Drohne nicht gerade günstig. Jetzt steht das Projekt vor dem Aus. Der Grund: Die Euro-Hawk hat keine Zulassung für den Luftverkehr - Die Kosten für die Nachrüstung würden sich auf 500 bis 800 Millionen Euro belaufen. Quelle: Steuerzahlerbund Quelle: dpa
IT-Projekt HerkulesDer Name verspricht mehr, als er hält: Es war das ehrgeizigste IT-Projekt in der Geschichte der Bundeswehr - und es wurde zu einem Fiasko. In dem Gemeinschaftsprojekt von Siemens und IBM wollte der Bund die völlig veraltete Informations- und Kommunikationstechnik der Streitkräfte modernisieren. Die Kosten sprengten allerdings den geplanten Rahmen: Die Ursprungskalkulation mit 6,8 Milliarden Euro war bereits 2013 überholt. Quelle: dpa
Transportflugzeug A400M Der Airbus A400M soll die alte Transall der Bundeswehr ablösen. Die neue Maschine kann schneller Truppen und große Mengen von Material transportieren - auch gepanzerte Fahrzeuge oder Hubschrauber. Rund 200 Bestellungen aus Deutschland, Frankreich und weiteren Nationen liegen vor ... Quelle: dpa
... und sie warten noch immer: Der Auslieferungstermin wurde bereits mehrfach verschoben, dass Projekt liegt deutlich hinter seinem Zeitplan. Eine Erstauslieferung an Deutschland wird nach Angaben des Steuerzahlerbundes im Herbst 2014 erwartet - wenn sich nichts verschiebt. Quelle: Presse
Dabei ist der Ausliefertermin nicht das einzige Problem, mit dem der Airbus zu kämpfen hat: Ein permanenter Kostenanstieg hat die Ursprungsplanung von 20 Milliarden Euro längst gesprengt. Derzeit wird mit Kosten von rund 27 Milliarden Euro geplant. Im Jahr 2011 haben die interessierten Länder deshalb mehrere Milliarden Euro nachfinanziert, damit das Projekt nicht eingestellt wird. Quelle: dpa

Gleichzeitig stärkt die Order die klamme Kasse der Waffenschmiede aus dem Landkreis Rottweil. Obwohl Heckler & Koch seit Jahrzehnten der Bundeswehr Waffen wie die Sturmgewehre G3 und G36 liefert und traditionell auch in großem Umfang legal exportiert sowie in Ländern wie Saudi-Arabien eine Lizenzproduktion hat, ist die Finanzlage angespannt. Die Waffenschmiede ist bei rund 240 Millionen Euro Jahresumsatz mit mehreren Hundert Millionen Euro verschuldet. Grund dafür ist nicht zuletzt die Refinanzierung von einigen größeren Krediten an den Haupteigentümer, den Finanzinvestor Andreas Heeschen.

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Der gebürtige Deutsche (Wahlspruch: „Es hat mir immer Spaß gemacht, hart am Wind mit der Mannschaft ums Überleben zu kämpfen“) ist umstritten wegen einiger weniger erfolgreicher Engagements seiner Beteiligungsgesellschaft Pall Mall Capital, etwa beim insolventen Gartengerätehersteller Wolf Garten oder dem Wuppertaler Aldi-Waschmittellieferanten Luhns. Seit dem Jahr 2002 ist Heeschen Mehrheitsgesellschafter von Heckler & Koch. 2011 scheiterte sein Versuch, das Unternehmen an die Börse zu bringen.

Mit dem Auftrag haben sich Heckler und Heeschen gegen den belgischen Konkurrenten FN Herstal durchgesetzt. Das in Lüttich ansässige Unternehmen konzentriert im Rahmen des Mutterkonzerns Herstal Group auf Pistolen, Gewehre und Maschinengewehre für Polizei und Militär. Die Konzernschwester Browning hingegen baut vor allem Waffen für Sportschützen oder Jäger und hält unter anderem die Rechte an der legendären Gewehrmarke Winchester. Zur Begründung schreibt Staatssekretär Kampeter, dass das Angebot der Belgier „in wesentlichen Teilen sowohl wirtschaftlich als auch technisch unvollständig“ gewesen sei.

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