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RWI-Studie Finanzkrise kostete Deutschland 187 Milliarden Euro

Ökonomen haben die Kosten der Finanzkrise ausgerechnet. Demnach hat die Krise ein tiefes Loch in die deutschen Haushaltskassen gerissen. Wichtiger Kostenfaktor war die Rettung der angeschlagenen Banken.

Berlusconi schürt antideutsche Kampagne
Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi und seine Partei Forza Italia (FI) wollen im Europa-Wahlkampf mit kritischen Parolen über Deutschland punkten. Berlusconi griff den sozialdemokratischen EU-Spitzenkandidaten Martin Schulz scharf an und verunglimpfte dabei auch dessen Landsleute mit der Aussage, die Deutschen hätten die Existenz von Konzentrationslagern nie anerkannt. Die FI plakatiert indes den Slogan „Più Italia, meno Germania“ („Mehr Italien, weniger Deutschland“). Die SPD protestierte umgehend, auch in der CDU gibt es Kritik. Forza Italia macht die deutsche Sparpolitik für die Rezession der italienischen Wirtschaft verantwortlich. Berlusconis Partei fordert, sich dem Kurs zu widersetzen. Schulz sagte dazu dem „Spiegel“: „Es ist empörend, dass eine Schwesterpartei der CDU in Italien mit antideutschen Parolen Wahlkampf macht.“ Aus Berlusconis Umgebung wurde die Kritik als „politische Instrumentalisierung“ abgetan. Berlusconi attackierte Schulz und die Deutschen mit Rückgriffen auf die grausame deutsche Geschichte: Er habe im Jahr 2003 für Schulz unfreiwillig Werbung gemacht, als der dem damaligen EU-Parlamentarier vorwarf, dieser sei die ideale Besetzung für die Rolle eines KZ-Aufsehers, sagte der ehemalige italienische Ministerpräsident bei einer Parteiveranstaltung am Samstag in Mailand. „Ich wollte ihn nicht beleidigen, aber, um Gottes Willen, für die Deutschen haben die Konzentrationslager nie existiert“, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa den erneuten Ausfall Berlusconis. „Die Katyn-Lager, ja doch, die deutschen nicht“, fügte der rechtskräftig verurteilte Steuerbetrüger demnach hinzu. In Katyn hatten sowjetische Truppen im Frühjahr 1940 Tausende polnische Soldaten ermordet. Konzentrationslager gab es dort nicht. Quelle: dpa
In Griechenland geht die Angst vor neuen Sparauflagen um. Nachdem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Mittwoch verlauten ließ, Griechenland werde nach 2015 ein drittes Hilfspaket benötigen, kochten die Emotionen in den griechischen Medien hoch. Die Athener " Zeitung der Redakteure" (im Bild) ahnte sogleich "neue, unerträgliche Sparauflagen für das griechische Volk" voraus. Schäuble, so hieß es, arbeite bereits an einem neuen Kreditvertrag für Griechenland. Die Zeitung "Real" titelte gar: "Herr Schäuble, bringen Sie das gestohlene Geld zurück". Das Blatt "Ta Nea" sieht einen Zusammenhang zwischen dem Besuch des EZB-Direktors Asmussen in Athen und Schäubles Äußerungen - Asmussen habe bereits Einzelheiten eines neuen Hilfskonzepts im Gepäck, wurde gemutmaßt. Der EZB-Direktor wies diese Spekulationen im Anschluss an sein Treffen mit dem griechischen Finanzminister Stournaras zurück. Quelle: Screenshot
Noch relativ freundlich geht das britische Wirtschaftsmagazin "The Economist" mit den Deutschen ins Gericht. Als zögerlichen Herrscher bezeichnete das Magazin Deutschland im Juni 2013. Deutlich schärfer blies der Wind dagegen in den letzten Monaten aus Südeuropa...
Angela Merkel auf dem Cover der griechischen Zeitschrift Crash Quelle: Handelsblatt Online.
Europäische Politiker in einer Titelgeschichte der griechischen Zeitschrift Crash Quelle: Handelsblatt Online.
Cover der griechischen Magazins crash Quelle: dpa
Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel ist auch IWF-Chefin Christine Lagarde zum Hassobjekt in Griechenland geworden. Hier werden die beiden Politikerinnen als Krähen dargestellt, die Griechenland bestehlen wollen. Soldaten versuchen, die beiden Frauen mit den Hitler-Bärten abzuwehren.

Krisen kosten viel Geld. Wie viel es ist, das haben zwei Forscher vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen jetzt ausgerechnet. Genau genommen haben sie die Auswirkungen der 2008 beginnenden Finanzkrise auf den Staatshaushalt quantifiziert. Demnach riss die Krise 2009 ein Minus von 70 Milliarden Euro in die deutschen Staatsfinanzen, 2010 waren es sogar 117 Milliarden.

Dafür vergleichen die Ökonomen die tatsächliche, krisenbedingt schlechte Finanzlage mit der Entwicklung, die sich ohne eine Krise ergeben hätte. Als Gradmesser hierfür dienen die jeweiligen Konjunkturprognosen für 2008 und 2009, welche Ende 2007 beziehungsweise Anfang 2008 veröffentlicht wurde. Die Bundesregierung hatte für 2008 einen Anstieg der realen Wirtschaftsleistung um zwei Prozent erwartet, für 2009 waren es immerhin noch 1,5 Prozent. Kritisch ist, dass auch diese Prognosen bereits von ersten Ausläufern der Krise geprägt waren, so musste beispielsweise bereits im Sommer 2007 die Industriekreditbank (IKB) gerettet werden. Auch die wirtschaftliche Schieflage einiger Landesbanken war zu dem Zeitpunkt bereits absehbar. Da allerdings zu Beginn 2007, als von Krise noch keine Rede war, noch keine Konjunkturprognose für 2009 vorlag, mussten die Forscher hier auf spätere Daten zurückgreifen.

Die hohen Belastungen des Staats haben verschiedene Ursachen. Zum einen nennen die Forscher die automatischen Stabilisatoren, die die Bundesregierung in der Krise ausnutzen. Darunter verstehen Volkswirte Eingriffe des Staates, die entgegen dem Konjunkturverlauf wirken und somit die Wirtschaft in der Krise stabilisieren sollen. Beispielsweise gibt der Staat in der Krise mehr für Arbeitslose aus. Die RWI-Forscher schätzen die Mehrbelastung durch diese stabilisierenden Ausgaben auf 53 Milliarden Euro 2009 und 29 Milliarden Euro 2010.

Ein weiterer großer Kostenberg ist durch die beiden Konjunkturpakete der Bundesregierung entstanden. Abwrackprämie, niedrigere Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung oder Investitionen in die Infrastruktur haben viel Geld gekostet, insgesamt rund 80 Milliarden Euro. Allerdings verfehlten die Pakete ihre angestrebte Wirkung nicht und kurbelten die Wirtschaft auch ordentlich an. Abzüglich der Einnahmen, die durch die Maßnahmen generiert wurden, ergibt sich immer noch eine Belastung des Bundeshaushalts von 20 Milliarden Euro 2009 und 27 Milliarden Euro 2010.

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