Saarlandwahl Stolperstart für CDU-Chef Friedrich Merz – SPD gewinnt an der Saar

Für Friedrich Merz ist das schlechte Ergebnis seiner CDU bitter, auch wenn der neue CDU-Chef schon in den vergangenen Tagen versucht hat, die absehbare Niederlage an der Saar kleinzureden. Quelle: dpa

Im ersten Stimmungstest nach der verlorenen Bundestagswahl muss die CDU auch im Saarland die Macht abgeben. Kein guter Anfang für den neuen Parteichef Friedrich Merz, auch wenn die Niederlage an der Saar hausgemacht war. Eine Analyse.

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Es war nicht nur das verunglückte Selfie-Video an der Tankstelle, mit dem Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) sich in den sozialen Medien dem allgemeinen Spott preisgab. Es lief schon länger nicht mehr rund in der Saar-CDU. Seit dem Wechsel der alten Landeschefin Annegret Kramp-Karrenbauer nach Berlin fehlte sowohl Strahlkraft als auch die notwendige Autorität. Der junge und alerte Tobias Hans wurde als Nachfolger nicht wirklich akzeptiert. Auch seine Hoffnung, im Wettbieten um den neuen Produktionsstandort von Tesla in Deutschland zu obsiegen, erfüllte sich nicht; der Strukturwandel im früher montangeprägten Saarland geht nur in kleinen Schritten voran.

Am Sonntag legte die SPD um gut 13 Prozentpunkte auf 43,5 Prozent zu, während die CDU gut zwölf Zähler verlor. Eine große Rolle für den überragenden Sieg der SPD und ihrer Spitzenkandidatin Anke Rehlinger spielte aber auch der Niedergang der Linkspartei und der polternde Rückzug von Oskar Lafontaine. Dadurch konnten die Sozialdemokraten wieder viele Abtrünnige in ihren Reihen begrüßen, auch wenn die niedrige Wahlbeteiligung darauf hinweist, dass viele einfach nicht mehr wussten, wo sie ihr Kreuz machen sollten. Und weil Grüne, FDP und AfD an der Saar ebenfalls in Zwietracht und Organisationschaos versinken und entsprechend abgestraft wurden, konnten die Genossen viele Wähler von ihren Wettbewerbern einsammeln.



Für Friedrich Merz ist das schlechte Ergebnis seiner CDU bitter, auch wenn der neue CDU-Chef schon in den vergangenen Tagen versucht hat, die absehbare Niederlage an der Saar kleinzureden. Und in der Tat sollte man die Bedeutung dieser Wahl im kleinsten Flächenland Deutschlands nicht überschätzen. Das Gleiche gilt allerdings auch für den furiosen Wahlsieg der SPD. Es ist nicht die Strahlkraft von Bundeskanzler Olaf Scholz, die Genossin Rehlinger in die Saarbrücker Staatskanzlei führt, sondern es sind die sehr saarspezifischen Sonderfaktoren. Nimmt man die Ergebnisse der bundesweiten Umfragen in den vergangenen Wochen, dann verliert die SPD eher an Zustimmung, während die Union an Zuspruch gewinnt.

Entscheidend für die Frage, ob der CDU ein Weg zurück an die Macht schon nach einer Legislaturperiode gelingen kann, dürfte der Ausgang der Wahlen in Schleswig-Holstein am 8. Mai und eine Woche später in Nordrhein-Westfalen am 15. Mai sein. Vor allem im bevölkerungsreichsten Bundesland entscheidet sich das Schicksal von Merz. Gelingt es dem Kieler Landeschef Daniel Günther und dem Amtsnachfolger von Armin Laschet in Düsseldorf, Hendrik Wüst, ihre Posten in den Staatskanzleien zu verteidigen, kann Merz selbstbewusst nach vorne blicken. Im anderen Fall dürfte die Hoffnung der Union, rasch wieder die Führung in Deutschland zu erringen, deutlich schwinden. Es bleibt spannend – der klare Sieg der SPD an der Saar sollte die Sozialdemokraten nicht in Sicherheit wiegen.   

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