Schattenwirtschaft Deutschland arbeitet schwarz

Trotz Rekordbeschäftigung hat die Schattenwirtschaft in Deutschland weiter Konjunktur. Mit einem Volumen von 350 Milliarden Euro ist sie nominal die größte in der EU.

Glaubt man den Zahlen einer aktuellen Studie von Visa Europe ist die Schwarzarbeit ein Massenphänomen in Deutschland. Quelle: dpa

Die Schattenwirtschaft hat in Deutschland weiter Konjunktur, das zeigt eine aktuelle Studie von Visa Europe. Demnach ist die deutsche Schattenwirtschaft mit einem Volumen von 350 Milliarden Euro die nominal größte in der Europäischen Union. Im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) befindet sich die deutsche Schattenwirtschaft mit einem BIP-Äquivalent von 13 Prozent allerdings im unteren Drittel in Europa. Glaubt man der Studie ist die Schwarzarbeit ein Massenphänomen in Deutschland. Etwa acht Millionen Menschen sollen nebenbei unversteuert arbeitet. Schwarzarbeit macht hierzulande etwa zwei Drittel der Schattenwirtschaft aus, ein Drittel entsteht durch Underreporting von Einkommen. Darunter versteht man Einzel- oder Großhandelsgeschäfte, die nicht komplett ausgewiesen sind. Den größten Anteil an der Schattenwirtschaft in Deutschland weisen die Sektoren Produktion, Groß- und Einzelhandel sowie das Baugewerbe auf.

Wo in Europa die Schattenwirtschaft boomt
Rang 10: BelgienDas Königreich und Tschechien teilen sich den zehnten Rang. In den beiden Ländern beträgt der Wert der Waren und Dienstleistungen, die schwarz verkauft werden, 16,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes. So das Ergebnis einer Studie von Visa Europe. Während in Belgien der Trend seit 2009 rückläufig ist (ehemals 17,8 Prozent), hat die Schattenwirtschaft in Tschechien im Vergleich zur Wirtschaftsleistung des Landes zugelegt. Der Umfang der Schwarzarbeit in dem osteuropäischen Land etwa beträgt 4,4 Milliarden Euro. Übrigens: Auch in Deutschland hat die Schattenwirtschaft weiter Konjunktur, auch wenn das Land  im Europa-Vergleich nur auf Rang 19 (BIP-Äquivalent: 13 Prozent) landet. Nominal betrachtet ist die deutsche Schattenwirtschaft mit einem Volumen von 350 Milliarden Euro die größte in der Europäischen Union. Den größten Anteil an der Schattenwirtschaft in Deutschland weisen die Sektoren Produktion, Groß- und Einzelhandel sowie das Baugewerbe auf. Quelle: REUTERS
Rang 9: SpanienGemeinsam mit seinem Nachbarn Portugal liegt Spanien auf Rang 9. In den beiden Ländern ist die Schattenwirtschaft fast ein Fünftel so groß (19 Prozent) wie die gesamte Volkswirtschaft. Immerhin: In beiden Ländern ist der Trend leicht positiv. Dennoch sind die Nachteile große: Die Pleiteländer müssen mit geringeren Steuereinnahmen und Sozialversicherungsbeiträge leben. Zudem wird die Realwirtschaft geschwächt, da sie nicht so billig sein kann wie die Schattenwirtschaft. Quelle: dapd
Rang 8: ItalienMit dem Stiefelstaat liegt direkt das nächste Euro-Krisenland in der Statistik weit vorne. Die Schattenwirtschaft in Italien ist mit einem Umfang von 332,6 Milliarden Euro die zweitgrößte in Europa (nominal betrachtet) und mit einem Anteil von 21 Prozent am BIP die achtgrößte. Sie bewegt sich damit auch 2013 - so jedenfalls die Prognose - auf dem Niveau der Vorjahre. Quelle: dpa
Rang 7: UngarnDer EU-Problemstaat verschenkt sein Talent. Eine moderne Infrastruktur und gut ausgebildete Menschen macht Ungarn für Investoren interessant. Doch mit seiner scharfen Rhetorik macht Ministerpräsident Viktor Orbán sein Land zum Pariastaat Europas. Offenbar verlieren auch immer mehr Menschen vor Ort das Vertrauen in den Staat und wenden sich von ihm ab. Die Schattenwirtschaft boomt und "erwirtschaftet" inzwischen einen Betrag von 22,7 Milliarden Euro. Das sind gut 22 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Quelle: dpa
Rang 6: SlowenienEinst Euro-Musterschüler, inzwischen Euro-Sorgenkind: Slowenien steckt tief in der Rezession. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 23 Prozent. Wer einmal ohne Job dasteht, kommt aufgrund des starren Arbeitsmarktes kaum wieder in Arbeit. Viele Bürger flüchten in die Schwarzarbeit. Deren Anteil am BIP liegt inzwischen bei 23,1 Prozent. Quelle: AP
Rang 5: GriechenlandÄhnlich wie in Slowenien sind die Probleme in Griechenland. Hohe Arbeitslosigkeit, geringe Perspektiven. Steuerhinterziehung wird zudem als Kavaliersdelikt angesehen und wurde von den Behörden viele Jahre kaum ernsthaft verfolg. Im Gleichschritt mit der Wirtschaftsleistung des Landes seit dem Ausbruch der Krise brach auch die Schattenwirtschaft. Während ehemals Waren und Dienstleistungen im Wert von 50 Milliarden Euro erwirtschaftet wurden, sind es 2013 wohl nur noch 43 Milliarden Euro. Der Anteil am BIP liegt konstant bei über 23,5 Prozent. Mit diesem Anteil liegt Griechenland gleichauf mit Polen. Quelle: REUTERS
Rang 4: LettlandZum 1. Januar 2014 möchte Lettland der Währungsunion beitreten. Die Wirtschaftsdaten sind gut: Das BIP wächst, die Staatsschulden liegen unter den Maastricht-Grenzwerten. Bei der Bekämpfung der Schattenwirtschaft gibt es allerdings noch große Probleme. Deren Anteil am BIP beträgt immense 25,5 Prozent (sechs Milliarden Euro). Quelle: dpa Picture-Alliance
Rang 3: TürkeiNoch größer als in Lettland ist der Anteil der Schwarzarbeit in der Türkei – einem der internationalen Wachstumsmärkte. 176,87 Milliarden Euro an Waren und Dienstleistungen werden 2013 wohl am Fiskus vorbeigeschleust. Das sind 26,5 Prozent des BIP. Davon profitieren auch deutsche Urlauber, die sicher ohne Rechnung das eine oder andere Schnäppchen aus dem Türkei-Urlaub mitbringen. Quelle: dpa
Rang 2: KroatienZum 1. Juli tritt Kroatien als 28. Nation der Europäischen Union bei. Viele Kritiker halten das Land nicht bereit für den Beitritt. Die Studie von Visa Europe bestätigt diesen Eindruck. Kaum in einem anderen Land in Europa ist der Anteil der Schwarzarbeit an der Wirtschaftsleistung des Landes (28,4 Prozent) derart hoch, wie in Kroatien. Andererseits: Den gleichen Prozentsatz weisen Rumänien, Litauen und Estland auf. Länder, die ebenfalls in der EU sind. Quelle: dpa/Montage
Rang 1: BulgarienUnangefochten an der Spitze liegt einmal mehr Bulgarien. Das Armenhaus Europas lag schon in der neulich veröffentlichten Studie zur Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften auf dem  negativen Spitzenplatz (Platz 57 von 60). Auch in Sachen Schwarzarbeit sieht es in Bulgarien düster aus. Auf 12,8 Milliarden Euro summierten sich die Waren und Dienstleistungen, die 2013 am Fiskus vorbeigeschleust werden. Das sind 31,2 Prozent des BIP. Quelle: dpa

Die Nachteile sind klar definiert: Dem Fiskus entgehen Steuern und Sozialversicherungsbeiträge in Milliardenhöhe. Die Beschäftigten, die schwarzarbeiten, haben keinerlei Sicherheiten. Und: Der Wettbewerb wird konterkariert, da die Realwirtschaft aufgrund der Abgabenlast nie so billig sein kann wie die Schattenwirtschaft.

Die Autoren der Studie, A.T. Kearney und Professor Schneider von der Universität Linz halten vor allem hohe Steuern und Sozialabgaben für den Treiber der Schattenwirtschaft. "Im Niedriglohnsektor machen hohe Abgaben Arbeit teilweise unrentabel, und die Einführung von Mindestlöhnen in bestimmten Branchen übt zusätzlich Druck auf legale Beschäftigungsverhältnisse aus", heißt es.

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Darüber hinaus wurde ein Maßnahmenkatalog entwickelt, um zu helfen, die Schattenwirtschaft zu reduzieren: Aufklärungskampagnen und gezielte Anreize sollen Verbraucher, Händler und weitere Anspruchsgruppen zur verstärkten Nutzung von Kartenzahlungen anregen.

Denn so das Ergebnis, das Visa Europe sicher nicht ganz ungelegen kommt: Der Treibstoff für die illegale Ausübung von Tätigkeiten und Underreporting sei das Bargeld. In Deutschland begünstigte die traditionell hohe Bargeldaffinität und -abhängigkeit die Ausübung von Schwarzarbeit: Besonders im Mittelstand und in einigen Bereichen des Einzelhandels, etwa in Bäckereien und Kioskläden, sind Kartenzahlungen bislang wenig verbreitet. Diese geringe Kartenakzeptanz verhindere eine häufigere Nutzung von elektronischen Bezahlverfahren und erschwere somit die Adressierung von Schwarzarbeit und Underreporting.

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