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Schlecker-Rettung FDP: halbtot aber mit Punktsieg

Erst setzt die FDP Joachim Gauck als Bundespräsidenten durch – jetzt stoppt sie den blinden Aktionismus von Union und SPD infolge der Schlecker-Pleite. Die Totgesagten landen ihren zweiten Punktsieg.

FDP-Fahnen Quelle: dpa

Wieder einmal bricht eine Welle der Empörung über das kleine liberale Häuflein herein, doch Ihr Fähnchen tragen die noch Verbliebenen tapfer aufrecht. Das Scheitern der Transfergesellschaft für die Schlecker-Beschäftigten ist ein Sieg der politischen und ökonomischen Vernunft. Mit sozialer Kälte hat dies nichts zu tun. Das Schicksal der Schlecker-Frauen ist zu bedauern. Aber wer - wie die rot-schwarz-grüne Megakoalition der Gutmeinenden - so tut, als müsse der Staat im Fall Schlecker gegen eine soziale Großkatastrophe einschreiten, liegt gründlich daneben.

Den Schlecker-Frauen geht es wie vielen anderen Arbeitnehmern auch. Rund 200.000 Menschen melden sich in Deutschland jeden Monat arbeitslos. Und fast genau ebenso viele finden jeden Monat einen neuen Job. Die Transfergesellschaft, die diesen gewaltigen Umschlag bewältigt, die gibt es bereits. Sie heißt Bundesagentur für Arbeit. Ihre Filialen finden sich in jeder Stadt. Auch die Schlecker-Mitarbeiterinnen, denen jetzt gekündigt wird, sind bei dieser Agentur gut aufgehoben. Sie bekommen zur Überbrückung Arbeitslosengeld. Sie treffen auf Berater, die sich im örtlichen Einzelhandel und mit dem Vermitteln von Arbeitskräften gut auskennen. Ihre Hoffnung auf einen neuen Arbeitsplatz ist vor dem Hintergrund des Aufschwungs im Einzelhandel gut begründet.

Die Chronik der Schlecker-Pleite
20. Januar 2012: Die Pleite des Drogeriemarkt-Riese Schlecker wird öffentlich. Familie Schlecker - Meike, Lars und deren Vater und Firmengründer Anton Schlecker, haben den europaweit größten Drogeriekonzern kaputt gewirtschaftet. Zu diesem Zeitpunkt hat Schlecker 6000 Filialen in Deutschland und rund 30.000 Angestellte. Quelle: dapd
29. Februar 2012Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz verkündet das Sanierungskonzept. Die Einschnitte sind hart: 2400 Filialen werden geschlossen, 11.750 Stellen gestrichen. Nur 13.500 Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben. Quelle: dapd
Am 8. März, dem internationalen Frauentag, demonstrieren die Schlecker-Frauen auf dem Stuttgarter Schloßplatz für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Gesamtbetriebsratsvorsitzende Christel Hoffmann kritisiert die Zurückhaltung der Politiker im Fall Schlecker: „Wenn man sich Fälle wie Opel anschaut, da war das ganz anders. Da bin ich jetzt mal ganz ketzerisch und sage: da ging es ja auch um Männer-Arbeitsplätze.“ Quelle: dpa
Zu diesem Zeitpunkt ist bereits die Einrichtung einer Transfergesellschaft im Gespräch. Im baden-württembergischen Wirtschaftsminister Nils Schmid finden die Schlecker-Frauen einen prominenten Unterstützer. Das Problem: Die Schlecker-Filialen sind deutschlandweit verteilt. Für eine Auffanggesellschaft mit einer so dezentralen Struktur gibt es bislang kein Vorbild. Quelle: dpa
Schlecker-Schließung Frau knibbelt Schriftzug ab Quelle: dpa
Schlecker-Filiale Reduzierungen Quelle: dpa
geschlossene Schlecker-Filiale Quelle: dapd

Keine schlechte Leistung

Dagegen ist es fraglich, ob die Schlecker-Frauen vom Eintritt in einer Transfergesellschaft überhaupt profitiert hätten. Immerhin hätten sie bei einem Wechsel auf ihr Kündigungsschutzrecht verzichten müssen! Dass unter anderem ausgerechnet auch die Gewerkschaften eine solche Entrechtung gut gefunden hätten, ist schon beachtlich. Nun aber behalten die Gekündigten dieses Recht. Sie können sich gegen ihre Entlassung zur Wehr setzen – und womöglich sogar auf einen finanziellen Ausgleich hoffen.

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Profitiert hätten von der Transfergesellschaft ohnehin vor allem die Gewerkschaften. Deren Bildungswerke werden nämlich in der Regel als Träger solcher Einrichtungen beauftragt. Das fast schon sicher geglaubte Geschäft entgeht ihnen jetzt. Das schmerzt. Auf das Konto von Schwarz-Rot-Grün hätte die Aktion ebenfalls eingezahlt. Die sozialdemokratisierte Parteienallianz hätte sich mal wieder als Retter in der Not präsentieren können. Die wahren Retter in diesem ordnungspolitischen Notstandsgebiet war aber diesmal die FDP. Sie hat mit ihrer Präsenz in den Landesregierungen diesen populistischen Unsinn verhindert. Für eine Partei, die in den Augen vieler derzeit mehr tot als lebendig ist, keine schlechte Leistung.

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