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Schreibmaschinen für NSA-Ausschuss USA lachen über deutsche Elektronikwende

Deutschland empört sich gern über Amerika. Doch die US-Geheimdienste haben gute Gründe, unseren Behörden und Politikern auf die Finger zu schauen. Glücklicherweise wird sie der Einsatz von Schreibmaschinen davon kaum abhalten.

Die Tastatur einer alten Schreibmaschine. Der deutsche NSA-Ausschuss erwägt den Einsatz von Schreibmaschinen, um Spionage vorzubeugen. Quelle: dpa

Die Nachricht vom angedachten Schreibmaschinen-Einsatz im NSA-Untersuchungsausschuss ist so frisch, dass die US-Nachrichtenseiten sie noch kaum aufgegriffen haben. Vielleicht haben wir Glück, vielleicht rutscht die Meldung mangels Relevanz irgendwie durch. Vielleicht wird die Schlagzeile „Deutschland will sich mit Schreibmaschinen vor US-Geheimdiensten schützen“ aber auch der Witz der Woche in den US-Late-Night-Shows.

Während die USA und ihr Silicon Valley die Standards in der Informationstechnik definieren, propagiert ein deutscher Politiker ernsthaft den Computerausstieg, um den spitzelnden US-Geheimdiensten Paroli zu bieten. Deutschland macht die Elektronikwende – und Amerika lacht sich kaputt.

Was ist über die NSA-Spionage in Deutschland bekannt?

Da ist es wieder, das aus amerikanischer Sicht recht merkwürdige Deutschland, das manchmal nicht verstehen will, wie die Welt tickt und wer Freund und Feind ist. Dieses Deutschland wirft den Chef der US-Geheimdienste aus dem Land. Die Bundesregierung stellt ihr Land damit in eine Reihe mit Diktaturen, denen die USA auf die Füße trat und die sich dann nicht anders zu helfen wussten, als einen US-Spion zu enttarnen oder amerikanische Repräsentanten des Landes zu verweisen.

Deutschland macht sich verdächtig

Dabei gibt es ein seit Jahrzehnten etabliertes und bewährtes Verfahren, wie befreundete Demokratien, die sich praktisch alle untereinander geheimdienstlich überwachen, mit enttarnten Spionen umgehen: Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wird verhaftet, verhandelt und dann ausgetauscht. So macht man das unter Freunden. Aber Deutschland ist sich scheinbar gar nicht mehr sicher, ob man auf die amerikanische Freundschaft noch all zu großen Wert legen soll. Mit weltmeisterlicher Selbstsicherheit erheben sich die Demokratieschüler über die Demokratieerfinder, hofieren Russland und brüskieren Amerika.

Den USA sind viele Demokratie- und Menschenrechtsdefizite, auch Kriegsverbrechen vorzuwerfen. Doch statt sich daran zu ergötzen und sich selbst dumpf über das Land zu erheben, das bei uns die Demokratie erzwingen musste, sie finanzierte, entwickelte und schließlich in die Freiheit entließ, sollten die Deutschen in den Spiegel schauen und demütig erkennen, welch ein trauriges Bild sie manchmal abgeben – und wie verdächtig sie sich damit in den Augen der USA machen.

Es ist Deutschland selbst, das sich in erschreckender Weise immer wieder in die Nähe von Terror und Unrecht rückt. So konnte Mohammed Atta, der führende Attentäter der Anschläge vom 11. September 2001, in den Jahren vor dem Anschlag völlig unbehelligt von den deutschen Sicherheitsbehörden seine Terrorzelle in Hamburg errichten. Noch heute fragen sich Amerikaner, welchen Kurs die Geschichte genommen hätte, wenn die deutschen Geheimdienste rechtzeitig eingeschritten wären.

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