Schule schwänzen für den Urlaub Ist das nicht wirtschaftliche Notwehr?

In den letzten Schultagen vor den Ferien ist die Luft raus. Da fliegen viele Familien lieber schon ein paar Tage eher in den Urlaub: Das ist günstiger und macht bei dem ständigen Unterrichtsausfall auch nichts mehr aus.

Eltern dürfen Ferien nicht eigenmächtig verlängern: Wenn Familien wegen eines günstigen Urlaubsfluges ihre Kinder einen Tag länger aus der Schule nehmen, droht ihnen im schlimmsten Fall ein Bußgeld. Quelle: dpa

Die Polizei in Düsseldorf jagt Eltern, die mit ihren Kindern kurz vor dem offiziellem Schulferienbeginn in den Urlaub fliegen. Eltern, die inflagranti auf dem Airport erwischt werden, müssen bis zu 1000 Euro Strafe berappen. Nur wofür? An den letzten Tagen im Schuljahr wird in den Schulen ohnehin nur noch die Zeit totgeschlagen, weil die Noten längst feststehen. Handeln Eltern nicht eher in wirtschaftlicher Notwehr?

Ein Familienurlaub ist immer kostspieliger, als eine Reise für ein kinderloses Paar. Und in den Schulferien sind Flüge und Hotels extra teuer. Die "Dinks" - Double income, no kids" - können außerhalb der Schulferien verreisen, wenn nicht nur die Urlaubsangebote günstiger sind, sondern die Hotels und Strände auch weniger überbevölkert sind. Ist das Schule Schwänzen für den günstigeren Urlaub hier nicht eher eine verzeihliche kleine Sünde, die von der Polizei in Nordrhein-Westfalen richtiggehend kriminalisiert wird?

Das sagt das Arbeitsrecht zum Thema Urlaubsanspruch

Auf der anderen Seite schreitet schließlich auch keine Ordnungsbehörde ein und verlangt saftige Strafen, wenn an Schulen andauernd der Unterricht ausfällt. So rechnete eine Düsseldorfer Mutter Ende Mai dem Gerresheimer Gymnasium vor, dass ihre Tochter in sechs Monaten - September 2015 bis September 2016 - allein 110 Stunden Unterrichtsausfall hatte. Im Kern geht es doch um dasselbe: Kinder kommen nicht in den Genuss des Schulunterrichts. Und diese vielen Stunden fallen keineswegs kurz vor Ferienbeginn in einer Saure-Gurken-Zeit aus, sondern mittendrin, wenn´s zählt.

Wenn Lehrer Burnout haben, Lehrerinnen schwanger werden oder was auch immer die Gründe für Unterrichtsausfall sind, ist das auf alle Fälle von den Eltern immer zu akzeptieren. Wie wär es, wenn Eltern Schadenersatzzahlungen für Nachhilfestunden verlangen könnten? Oder Betreuungsgeld für Kinder, die vorzeitig nach Hause geschickt werden? Am besten sollten die Airport-Eltern diese Kosten mit denen gegen sie verhängten Strafen aufrechnen. Die meisten würden vermutlich noch etwas rausbekommen.

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