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Schulen und Universitäten Merkel startet Bildungskampagne

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Was tun, Frau Merkel? Im Kanzleramt suchen die Experten nach Lösungen, wie sich Bildung von Berlin aus mit gestalten und finanzieren lässt, ohne dass die Bundesländer beleidigt sind. Wie dies funktionieren könnte, darum geht es am kommenden Dienstag im Kanzleramt, wenn Merkel Bildungsforscher und -praktiker zum ersten internen Bildungs-Round-Table lädt. Ein Thema dort könnte etwa der Hochschulpakt II sein. Der Pakt verspricht Ländern, die neue Studienplätze schaffen, Geld vom Bund – und da könnte die Kanzlerin etwas drauflegen. Bloß leidet das Vorhaben schon jetzt nicht an Unterfinanzierung, sondern am mangelnden Willen der Länder, ihr Soll zu erfüllen. Bis 2010 sollten so 91.000 neue Plätze entstehen – doch 2007 brachten es die Länder gerade mal auf 2500.

Eine willkommene Bundeshilfe wäre auch ein „Ganztagsschulprogramm II“, wie es Jörg Tauss, SPD-Mitglied im Bildungsausschuss des Bundestags, sich wünscht. Nummer eins wurde noch von der früheren SPD-Bildungsministerin Edelgard Bulmahn ins Leben gerufen. Vier Milliarden Euro flossen so seit 2003 aus dem Bundeshaushalt über die Länder in den Schulausbau. Allerdings: „Die Länder hielten sich nicht an Zusagen, die Bundesinvestitionen mit eigenen Investitionen in Pädagogik zu ergänzen“, klagt Tauss. Deshalb dürfe es ein „Ganztagsschulprogramm II“ nicht ohne verbindliche Gegenleistungen geben, mahnt der SPD-Politiker.

Die Probleme der Kommunen bei der Kindergarten-Finanzierung hat der Bund bereits erkannt – und engagiert sich: Bis 2013 will das Familienministerium 2,1 Milliarden Euro als Investitionshilfe in den Ausbau der Kinderbetreuung fließen lassen. Hinzu kommen 1,85 Milliarden Euro Zuschüsse zum laufenden Krippenbetrieb.

Nur mehr Geld ins System zu pumpen, würde wenig bringen

Doch ob all das zusätzliche Geld reicht, die Misere zu beheben, darüber streiten sich die Experten. Die SPD-Bundestagsfraktion ruft nach zusätzlichen Investitionen in Höhe von 43 Milliarden Euro. Ein Teil davon, bis zu 25 Milliarden, fallen Bund und Ländern bis 2015 nahezu automatisch zu: Aufgrund sinkender Kinderzahl werden zweistellige Milliardenbeträge frei. Bundesbildungsministerin Schavan sprach sich schon dafür aus, dieses Geld „im System“ zu lassen.

So umstritten die Summen auch sind, einig sind sich die Forscher darin: Nur mehr Geld ins System zu pumpen, würde wenig bringen. Vielmehr müssten die zusätzlichen Mittel so eingesetzt werden, dass wirksame Anreize für gute Bildung entstehen.

Dazu gehören auch höhere Gehälter für Erzieher und Erzieherinnen. Eine Angestellte in einem städtischen Kindergarten verdient auch nach mehreren Berufsjahren oft unter 2000 Euro brutto. Daher ergreifen kaum Frauen mit Abitur den Beruf – und Männer sowieso nicht. Wer echte Frühförderung im Kleinkindalter erwartet, braucht aber qualifizierte Pädagogen mit Fachhochschulabschluss – derzeit sind es bundesweit nur drei Prozent. Auch mehr Lehrerstellen könnten dabei helfen, Kinder mit Lernschwierigkeiten individuell in kleinen Förderklassen besser zu betreuen. Doch Vorsicht – Föderalismusfalle! Gehälter und Stellenpläne gehen Berlin nichts an.

Die Kanzlerin wird sich, wie es ihre Art ist, sehr genau in die Details der deutschen Bildungspolitik einarbeiten. Sie beginnt mit dem praktischen Teil: Auf dem Reiseprogramm steht an diesem Donnerstag der Besuch eines Kindergartens im Frankfurter Gallusviertel. Dann folgt die Theorie an der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt. Der Studiengang Bildung und Erziehung in der Kindheit interessiert Angela Merkel besonders. Er befasst sich mit der „umfassenden Komplexität von Bildungs- und Erziehungsprozessen“.

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