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Schulen und Universitäten Merkel startet Bildungskampagne

Bildung ist unsere Zukunft – heißt es in den Sonntagsreden der Politiker. In der kommenden Woche startet Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Bildungskampagne. Doch im Alltag fühlt sich kaum jemand für unsere Schüler und Studenten verantwortlich.

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Schüler in einem Quelle: AP

Tobias Hipp hat gerade Mittagspause. Er sitzt an der Überlinger Uferpromenade in der Sonne und blickt auf den Bodensee. Er ist zufrieden. Seit Kurzem hat der frischgebackene Ingenieur eine Stelle bei der Rüstungsfirma Diehl. „45.000 Euro im Jahr Einstiegsgehalt – da kann man nicht meckern“, sagt der 27-Jährige. Dafür nahm er den Umzug aus der Partymetropole Berlin in die beschauliche baden-württembergische Provinz in Kauf. Denn Tobias Hipp weiß auch: „In Berlin hätte ich in dem Bereich nie und nimmer einen Job gefunden.“

Schade nur für das Land Berlin, in dem der Ingenieur zuvor elf Semester lang Luft- und Raumfahrttechnik studiert hat. Rund 7000 Euro pro Jahr hat den Stadtstaat dieser Studienplatz gekostet – insgesamt also rund 38.500 Euro. Aus Berliner Sicht war das eine Fehlinvestition. Denn von Hipps Karriere in Baden-Württemberg profitiert das Land nun so gut wie gar nicht. Von den rund 10.000 Euro, die der Ingenieur inzwischen jährlich an Steuern zahlt, sieht der hoch verschuldete Stadtstaat an der Spree schlappe 266 Euro. So viel steht ihm via Länderfinanzausgleich zu, immerhin. Im properen Ländle im Südwesten dagegen lachen sich die Finanzler ins Fäustchen: gut 4400 Euro Mehreinnahmen aus der Einkommensteuer des Ingenieurs fließen pro Jahr in die Landeskasse, der Rest geht an den Bund. Ein beachtliches „Return on Investment“, wenn man bedenkt, dass das Investment bei null lag.

Kein Wunder also, dass Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) mehr Gerechtigkeit einfordert. Sein Vorschlag: Die Heimatländer sollen künftig für das Studium ihrer Landeskinder aufkommen. Kein Wunder auch, dass man in Stuttgart von solchen Ideen gar nichts hält. „Äußerst problematisch“, verlautet es aus dem dortigen Wissenschaftsministerium. Ebenso wenig halten die Baden-Württemberger von den Vorschlägen einiger Ökonomen, eine Art Akademikersteuer einzuführen. Absolventen sollen diese nach dem Verlassen ihrer Hochschule an das Bundesland entrichten, in dem sie studiert haben.

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"Willkommen in der „Bildungsrepublik Deutschland“, die Bundeskanzlerin Angela Merkel höchstpersönlich ausrief – und die in Wirklichkeit vor allem eines ist: ein riesiger Verschiebebahnhof, ein föderalistischer Wirrwarr, in dem die Trittbrettfahrer-Mentalität ebenso vorherrscht wie das St.-Florians- und das Beggar-my-Neighbour-Prinzip. Nur eines lässt sich in unserem deutschen Bildungssystem nicht finden: sinnvolle ökonomische Anreize.

So könnte aus Merkels groß angekündigter Bildungsreise, die sie ab diesem Donnerstag in Kinder-Tagesstätten, Schulen und Fachhochschulen im ganzen Land führen wird, zu einer Reise in ein vermintes Land werden. Noch heikler könnte es dann auf dem Bildungsgipfel zugehen, zu dem die Bundesregierung die zuständigen Landespolitiker am 22. Oktober in Dresden einlädt.

In Schulen dürfte eine Reihe von Missständen ins Auge stechen

Denn falls sich die Kanzlerin in den kommenden Wochen auch in „ganz normale“ Schulen begibt („und nicht nur in solche, die ihr die Kultusminister auf dem Silbertablett servieren“, wie der Präsident des Lehrerverbands, Josef Kraus, befürchtet), dürften ihr eine Reihe von Missständen ins Auge stechen: Viele Gebäude sind marode, Tische sind zerkratzt, Wände verschmiert, Toiletten chronisch verstopft. Das Deutsche Institut für Urbanistik beziffert den Investitionsbedarf für unsere Schulen bis 2020 auf 78,5 Milliarden Euro.

In vielen Klassenzimmern sitzen Schüler und malen Mandalas aus, anstatt sich den Grundrechenarten zu widmen. Der Mathelehrer ist krank oder auf Fortbildung. Ersatz gibt es entweder gar nicht, oder der Lehrer aus der Nachbarklasse schaut ab und zu rüber. In Hessen üben auch schon mal sogenannte Ersatzlehrer die Aufsicht aus, Pensionäre, Handwerker oder Fußballtrainer.

Allein in Sachsen fielen laut Kultusministerium im ersten Schulhalbjahr 2007/08 rund 280 000 Unterrichtsstunden aus – bundesweit sind es nach Erhebungen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) rund acht bis zehn Prozent pro Jahr. Immer häufiger werden Schüler von ihrem Klassenlehrer verlassen, weil der lieber in ein anderes Bundesland umzieht. Rheinland-Pfalz etwa lockt hessischeLehrer mit dem Versprechen über den Main, von Anfang an verbeamtet zu werden. Sich gegenseitig die Lehrer abspenstig zu machen ist inzwischen ein beliebter Volkssport unter den Ländern.

So wird zwar landauf, landab über die Bildungsmisere geklagt. Doch Lösungen scheitern immer wieder daran, dass es an den entscheidenden Stellen keine wirksamen Anreize gibt, in gute Bildung zu investieren.

Das fängt schon bei der Bundeskanzlerin an. Ihr Ansinnen, sich ausgerechnet dieses Themas anzunehmen, wird von den Ländern höchst misstrauisch beäugt. „Wir haben eine klare Kompetenzordnung in Deutschland“, mahnt Merkels Parteifreund, Thüringens Landesvater Dieter Althaus (CDU). „Bildung ist in erster Linie Ländersache“, ließ auch Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) die Vorsitzende der Schwesterpartei wissen.

Ex-Student Tobias Hipp hat in Berlin seinen Ingenieur gemacht, doch für den Stadtstaat hat sich die Investition nicht gelohnt. Hipp arbeiteet jetzt in Baden-Württemberg Quelle: Martin Wagenhahn für WirtschaftsWoche

Denn auch Bayern gehört zu den Ländern, die vom Status quo in der Hochschulfinanzierung profitieren. Schließlich ist der Anreiz, in SPD-regierten Ländern wie Berlin oder Bremen zu studieren und anschließend in den wohlhabenden Süden umzuziehen, noch einmal gestiegen, seit sieben unionsregierte Länder Studiengebühren eingeführt haben. Hinter vorgehaltener Hand glauben zwar auch CSU-Politiker, dass sich daran etwas ändern muss. Doch offiziell verweist man im Wissenschaftsministerium in München auf den allgemeinen Länderfinanzausgleich. Der sei ausreichend.

Fehlende Anreize – das ist auch ein Grund, weshalb es Ländern egal sein kann, dass im bundesweiten Schnitt acht Prozent aller Jugendlichen die Schule ohne Abschluss verlassen. Denn für diese ist danach erst einmal der Bund zuständig. Der steckt gescheiterte Hauptschulkarrieren in milliardenschwere Maßnahmen, die auf einen Beruf vorbereiten sollen – auch wenn es soweit nie kommen wird. Schwierige, problembelastete Schüler mit viel Aufwand doch noch zu einem Abschluss zu bringen - das lohnt sich für die Länder also kaum. Eine Erfahrung, die in krassem Widerspruch zu dem steht, was jeden einzelnen Bürger betrifft. Denn da lautet die Formel ganz simpel: Je mehr man sich bildet, je höher der Abschluss, desto größer ist später der Verdienst.

Genauso wenig werden Lehrer zur Rechenschaft gezogen, wenn Schüler nach zehn Jahren immer noch nicht richtig lesen und rechnen können – und das ist immerhin bei fast jedem vierten Schüler der Fall. Noch immer werden Lehrer hierzulande nach dem Senioritätsprinzip bezahlt: Je älter und je länger im Dienst, desto höher das Gehalt. Das gilt für den faulen Englischlehrer, der seine Klassen vor Tom & Jerry-Videos setzt, ebenso wie für die engagierte Musiklehrerin, die ihre freien Tage mit Chorfahrten und Extraproben verbringt.

Prämienmodell für Lehrer

Es ist ja nicht so, dass an staatlichen deutschen Schulen bundesweit nur Dumpfheit herrscht: Es gibt auch Leuchttürme – zum Beispiel die Ganztagsschule Syke, eine Hauptschule mit Realschulzweig. Ein flaches Backsteingebäude am Rand des Zentrums der 25.000-Einwohner-Stadt südlich von Bremen. Ihr Rektor, Rainer Goltermann, hat sich einiges einfallen lassen, um seinen Schülern den Weg ins Arbeitsleben zu erleichtern.

Einmal im Jahr lädt er sämtliche Unternehmer aus der Gegend zum Abendessen in die Schule ein. In der zehnten Klasse absolvieren alle Schüler über drei Monate an zwei Tagen in der Woche ein Langzeitpraktikum, in dem nicht nur die Jugendlichen Erfahrungen sammeln, sondern auch die Betriebe sich ein Bild über deren Fähigkeiten machen können. Eine Sozialarbeiterin hilft bei der Stellensuche. „Die Zahl der Hauptschüler, die direkt eine Lehrstelle erreicht haben, lag 1998 bei sieben Prozent“, berichtet Goltermann. Nach der Umstellung auf die Gesamtschule erreichte diese Quote „zwischen 69 und 86 Prozent“.

Es sind Lehrer wie Rainer Goltermann, die Helmut Klein belohnen möchte: „Wir brauchen ein Prämienmodell“, fordert der Bildungsexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW). Deutschland sei eines der wenigen Länder im OECD-Vergleich, in dem sich besonderes Engagement an der Schule nicht auf dem Gehaltskonto niederschlägt. „Länder wie Finnland, Frankreich, die Niederlande, Neuseeland und Norwegen kennen bis zu 16 unterschiedliche Prämienformen.

So werden beispielsweise in 15 Industrieländern Boni für besondere Aktivitäten wie das Leiten von Arbeitsgruppen gezahlt. „Wir brauchen die Möglichkeit, positiv und negativ zu sanktionieren“, fordert Klein. Daneben müssten Lernziele für die einzelnen Klassen und Ziele für die Schulentwicklung vereinbart und am Schuljahresende überprüft werden. Auch für die Finanzierung dieser Leistungsanreize hat das IW einen Plan. Die Abschaffung des Senioritätsprinzips würde deutschlandweit mehr als zehn Milliarden Euro einbringen.

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Die Lehrer selbst dagegen fordern vor allem „mehr gesellschaftliche Anerkennung“, klagt Josef Kraus, Präsident des deutschen Lehrerverbands. Vorbild könnte wieder einmal das Pisa-Musterland Finnland sein: Dort genießt das Lehramtsstudium bereits ein ähnlich hohes Renommee wie die Medizinerkarriere. Uni-Anwärter werden in einem mehrstufigen Test ausgewählt, nur die Besten haben eine Chance. Anders als hierzulande stehen in Finnland allen Lehrern von Anfang an Schulpsychologen und Sozialarbeiter zur Seite.

Wirkliche Anreize fehlen auch den Kommunen, Geld in die Betreuung der Kinder im Vorschulalter zu stecken. Pro Jahr und Kind kostet ein Kindergartenplatz immerhin rund 5000 Euro. Doch selbst wenn dadurch einer Mutter oder einem Vater die Rückkehr in den Beruf ermöglicht wird, hat die Kommune kaum etwas davon. An dem Einkommen der Arbeitnehmer partizipieren vor allem Bund und Länder – und die Sozialkassen.

Kein Wunder also, dass sich viele Kommunen nur halbherzig an den Ausbau der städtischen Kinderbetreuung machen. Das ist zwar haushaltspolitisch nachvollziehbar – aus bildungspolitischer Sicht jedoch kontraproduktiv. Kinder von Arbeitslosen, Hartz-IV-Empfängern, Einwanderern mit geringen Deutschkenntnissen – sie alle bleiben wegen mangelnder Kindergartenplätze oft länger zu Hause, als ihnen gut tut. Auch Kinder aus Familien, in denen nicht Deutsch gesprochen wird, bräuchten Hilfe in den ersten Jahren, um die Sprache zu lernen – immerhin jede vierte Familie in Deutschland hat inzwischen einen Migrationshintergrund. Gerade sie sind es, die von frühkindlicher Förderung besonders stark profitieren würden.

Lieber früh in Bildung investieren

Denn die Forscher sind sich einig: „Die Rendite von Investitionen in Bildung ist in den ersten Jahren besonders hoch“, sagt Ludger Wößmann vom ifo Institut für Wirtschaftsforschung in München. „Lieber früh investieren als spät reparieren“, fordert Dieter Dohmen, Direktor des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) in Berlin. Er schlägt auch vor, den Kindergarten-Besuch kostenlos zu machen – und zwar gerade für Einkommensschwache. Doch derzeit gibt es nur vereinzelt ein kostenloses Vorschuljahr – etwa in Berlin. Zwar gehen laut Bildungsbericht in Westdeutschland fast 80 Prozent aller Dreijährigen mindestens halbtags in einen Kindergarten – im Osten sind es über 90 Prozent. „Aber die fehlenden 10 bis 20 Prozent – das ist die Problemklientel, die wir erreichen müssen“, sagt Dohmen.

Meistens rekrutieren sich gerade aus dieser Problemgruppe diejenigen, die Jahre später nicht einmal einen Hauptschulabschluss schaffen. Glaubt man dem Zentralverband des Deutschen Handwerks, ist jeder vierte Jugendliche nicht ausbildungsfähig. „Ich hatte neulich einen Zehntklässler, der wusste nicht, wie man 80 durch fünf teilt“, sagt eine Sozialarbeiterin, die in der Nähe von Lüneburg Hauptschülern bei der Berufswahl hilft. Der Bildungsbericht stützt solche Aussagen mit einem erschreckenden Ergebnis: Auch zweieinhalb Jahre nach Schulende haben 40 Prozent aller Hauptschüler noch keinen Ausbildungsplatz gefunden.

Doch nicht nur am unteren Ende der Bildungsskala hakt es. Ausgerechnet der High-Tech-Standort Deutschland liegt weit hinter anderen europäischen Ländern, was die Zahl der Studienanfänger pro Jahrgang betrifft. Derzeit beginnen nur knapp 36 Prozent eines Jahrgangs ein Hochschulstudium, einen Abschluss schaffen tatsächlich dann nur 22 Prozent – der Wissenschaftsrat fordert mindestens 35 Prozent.

Immerhin sagen Wirtschaftsverbände jetzt schon voraus, dass 2020 ein massiver Mangel an hoch qualifizierten Fachkräften herrschen wird. Allein 240.000 Ingenieuren sollen bis dahin fehlen – bereits heute gibt es schätzungsweise 95.000 zu wenig. Zwischen 18,5 und 23 Milliarden Euro, haben das IW in Köln und der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) errechnet, kostet es die Wirtschaft, wenn es der Politik nicht gelingt, das Fachkräftepotenzial in Deutschland zu erschließen.

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Was tun, Frau Merkel? Im Kanzleramt suchen die Experten nach Lösungen, wie sich Bildung von Berlin aus mit gestalten und finanzieren lässt, ohne dass die Bundesländer beleidigt sind. Wie dies funktionieren könnte, darum geht es am kommenden Dienstag im Kanzleramt, wenn Merkel Bildungsforscher und -praktiker zum ersten internen Bildungs-Round-Table lädt. Ein Thema dort könnte etwa der Hochschulpakt II sein. Der Pakt verspricht Ländern, die neue Studienplätze schaffen, Geld vom Bund – und da könnte die Kanzlerin etwas drauflegen. Bloß leidet das Vorhaben schon jetzt nicht an Unterfinanzierung, sondern am mangelnden Willen der Länder, ihr Soll zu erfüllen. Bis 2010 sollten so 91.000 neue Plätze entstehen – doch 2007 brachten es die Länder gerade mal auf 2500.

Eine willkommene Bundeshilfe wäre auch ein „Ganztagsschulprogramm II“, wie es Jörg Tauss, SPD-Mitglied im Bildungsausschuss des Bundestags, sich wünscht. Nummer eins wurde noch von der früheren SPD-Bildungsministerin Edelgard Bulmahn ins Leben gerufen. Vier Milliarden Euro flossen so seit 2003 aus dem Bundeshaushalt über die Länder in den Schulausbau. Allerdings: „Die Länder hielten sich nicht an Zusagen, die Bundesinvestitionen mit eigenen Investitionen in Pädagogik zu ergänzen“, klagt Tauss. Deshalb dürfe es ein „Ganztagsschulprogramm II“ nicht ohne verbindliche Gegenleistungen geben, mahnt der SPD-Politiker.

Die Probleme der Kommunen bei der Kindergarten-Finanzierung hat der Bund bereits erkannt – und engagiert sich: Bis 2013 will das Familienministerium 2,1 Milliarden Euro als Investitionshilfe in den Ausbau der Kinderbetreuung fließen lassen. Hinzu kommen 1,85 Milliarden Euro Zuschüsse zum laufenden Krippenbetrieb.

Nur mehr Geld ins System zu pumpen, würde wenig bringen

Doch ob all das zusätzliche Geld reicht, die Misere zu beheben, darüber streiten sich die Experten. Die SPD-Bundestagsfraktion ruft nach zusätzlichen Investitionen in Höhe von 43 Milliarden Euro. Ein Teil davon, bis zu 25 Milliarden, fallen Bund und Ländern bis 2015 nahezu automatisch zu: Aufgrund sinkender Kinderzahl werden zweistellige Milliardenbeträge frei. Bundesbildungsministerin Schavan sprach sich schon dafür aus, dieses Geld „im System“ zu lassen.

So umstritten die Summen auch sind, einig sind sich die Forscher darin: Nur mehr Geld ins System zu pumpen, würde wenig bringen. Vielmehr müssten die zusätzlichen Mittel so eingesetzt werden, dass wirksame Anreize für gute Bildung entstehen.

Dazu gehören auch höhere Gehälter für Erzieher und Erzieherinnen. Eine Angestellte in einem städtischen Kindergarten verdient auch nach mehreren Berufsjahren oft unter 2000 Euro brutto. Daher ergreifen kaum Frauen mit Abitur den Beruf – und Männer sowieso nicht. Wer echte Frühförderung im Kleinkindalter erwartet, braucht aber qualifizierte Pädagogen mit Fachhochschulabschluss – derzeit sind es bundesweit nur drei Prozent. Auch mehr Lehrerstellen könnten dabei helfen, Kinder mit Lernschwierigkeiten individuell in kleinen Förderklassen besser zu betreuen. Doch Vorsicht – Föderalismusfalle! Gehälter und Stellenpläne gehen Berlin nichts an.

Die Kanzlerin wird sich, wie es ihre Art ist, sehr genau in die Details der deutschen Bildungspolitik einarbeiten. Sie beginnt mit dem praktischen Teil: Auf dem Reiseprogramm steht an diesem Donnerstag der Besuch eines Kindergartens im Frankfurter Gallusviertel. Dann folgt die Theorie an der Evangelischen Fachhochschule Darmstadt. Der Studiengang Bildung und Erziehung in der Kindheit interessiert Angela Merkel besonders. Er befasst sich mit der „umfassenden Komplexität von Bildungs- und Erziehungsprozessen“.

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