Sebastianstraße 14/15, „X-Mitte“ Alte Grenze, neues Leben

Der Immobilienboom der Hauptstadt füllt die Lücken, die die Mauer riss. Es sind goldene Zeiten für Beton.

X-Mitte: Susanne Wiggert Quelle: Privat

„Das ist etwas ganz Besonderes“, sagt Susanne Wiggert. „Sein eigenes Haus direkt auf der Mauer zu bauen - ist doch toll, oder?“ Sie guckt begeistert. Sie ist es. Bei diesem Bau nicht andauernd mit Geschichte konfrontiert zu werden, der ganz großen und der ganz persönlichen, war unmöglich.

2012 verkaufte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben dieses ehemalige Mauergrundstück ganz in der Nähe des Grenzübergangs Heinrich-Heine-Allee. Die erfahrene Projektentwicklerin Susanne Wiggert bekam den Zuschlag, um mit einer Baugemeinschaft ein Wohnhaus zu errichten. Eine siebenstellige Summe kostete der Grund, mehr will sie dazu nicht sagen. Geschäftsgeheimnis. Dann fing sie an zu planen, zu entwerfen, Interessenten zu suchen. Mittlerweile erhebt sich der Rohbau hoch in die Luft. Im Dezember soll das Richtfest gefeiert werden. Wenn alles glatt geht, könnten die ersten Eigentümer ihre Wohnungen im August beziehen. Wo einst der Todesstreifen Ost und West-Berlin trennte, entsteht nun ein ganzes Stadtquartier neu. Das Leben kehrt zurück.

„X-Mitte“ hat Wiggert das Projekt getauft, das X steht für Kreuzberg. Ein schöner Marketingname ist da natürlich, aber auch eine Tatsachenbeschreibung. Das Haus selbst steht in Mitte, die Bezirksgrenze, die hier identisch ist mit der ehemaligen Mauergrenze, verläuft direkt vor der Tür. Wer mit dem Auto durch die ruhige Sebastianstraße fährt, befindet sich noch in Kreuzberg.

27 Wohnungen werden hier entstehen, ab zwei Zimmern aufwärts. Nach drei Monaten auf dem Markt hatte Wiggert alle Mitglieder der Baugemeinschaft zusammen, X-Mitte war ausverkauft. Unter den künftigen Eigentümern sind junge Singles, Familien oder Paare, deren Kinder schon wieder aus dem Haus sind. „Der Run“, sagt die Projektsteuerin, „war extrem.“

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Wiggert ist geborene Berlinerin, nie wollte sie weg. Sie wuchs im Westen der Stadt auf, Onkel, Tanten, Cousinen und Cousins im Osten. Die Mauer ging mitten durch die Familie. Nun hilft sie mit, hier auf der Grenze die letzten Reste dieser Mauer wegzureißen. Wiggert liebt das Bauen, erzählt sie, den Gedanken, dass da etwas Neues entsteht und etwas bleibt. Und außerdem: Nie war es in der Hauptstadt so lukrativ, etwas Bleibendes zu schaffen.

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