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Sexismus-Affäre Rainer Brüderle bricht sein Schweigen

Ex-FDP Spitzenkandidat Brüderle wehrt sich zum ersten Mal gegen die Vorwürfe einer Journalsitin, er habe sich ihr gegenüber anzüglich geäußert. „Ich habe ein reines Gewissen.“ Brüderle glaubt an eine Kampagne gegen ihn.

Rainer Brüderle über Laura Himmelreich:„Sie ist mit mir im Auto mitgefahren. Das macht doch niemand, der sich belästigt fühlt. Sie hat sich ein Jahr lang nicht bei mir beschwert.“ Quelle: dpa

Der frühere FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle bricht überraschend sein Schweigen über eine Begegnung mit einer „Stern“-Reporterin, die eine breite Debatte über Sexismus in Deutschland ausgelöst hatte. „Der Stern wollte die FDP und mich beschädigen. Es war eine rein politisch motivierte Attacke“, sagte Brüderle im Interview mit dem Handelsblatt (Montagsausgabe). Der frühere Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion betonte: „Ich hatte und habe ein reines Gewissen.“

Brüderle reagiert damit erstmals auf eine am 24. Januar 2013 im „Stern“ erschienenen Geschichte mit dem Titel „Der Herrenwitz“. Die Reporterin Laura Himmelreich schildert darin, wie der Politiker sich ihr gegenüber ein Jahr zuvor in einer Stuttgarter Hotelbar anzüglich geäußert haben soll. Dabei sollen die Sätze: „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen“ und „Ich möchte, dass Sie meine Tanzkarte annehmen“ gefallen sein.
„Was ich gesagt habe, war nicht böse gemeint. Es standen viele Journalisten um uns herum, und keiner hat sich darüber aufgeregt, auch die Dame nicht“, sagte Brüderle dazu. Einen Grund zur Entschuldigung sieht er nicht. Die „Stern“-Reporterin habe ihn danach auf mehreren Terminen begleitet. „Sie ist mit mir im Auto mitgefahren. Das macht doch niemand, der sich belästigt fühlt. Sie hat sich ein Jahr lang nicht bei mir beschwert.“

Für Brüderle war der Artikel „von langer Hand“ geplant. „Schauen Sie sich mal den Zeitablauf an: Am Montag werde ich zum Spitzenkandidaten gewählt. Am Mittwoch liegt der gedruckte „Stern“ auf meinem Schreibtisch“, sagte Brüderle. Der „Stern“ habe die FDP und ihn nachhaltig beschädigen wollen. Das sei ihm auch gelungen. Auf die Frage warum er bisher zu den Vorwürfen geschwiegen habe, antwortete der frühere Bundeswirtschaftsminister: „Ich bin heute noch überzeugt, dass ich die politische Debatte anders nicht überstanden hätte. Da kommen Sie mit der Wahrheit nicht weiter, wenn Frauenrechtlerinnen wie Alice Schwarzer im Kampfmodus sind“.


Brüderle strebt keine politischen Ämter mehr an

Brüderle glaubt, dass es sich um eine eine Medienkampagne nach der Bundestagswahl gegen seine Partei und ihn „als Person“ handelt. „Es gab doch in Redaktionen regelrechte Freudenfeste, als die FDP aus dem Bundestag geflogen ist“, sagte Brüderle im Interview mit dem Handelsblatt (Montagsausgabe). In den darauffolgenden Wochen sei mit einer Häme über die Liberalen hergezogen worden, die er in vierzig Jahren Politik noch nie erlebt habe. Schon während des Wahlkampfs habe er den Eindruck gehabt, „die Medien wollten erst Ruhe geben, wenn die FDP und ihr Spitzenkandidat erledigt sind“.
Der 68-Jährige strebt nach eigener Aussage keine politischen Ämter mehr an, will aber ein „politisch denkender Mensch“ bleiben und sich „mit klaren Worten“ in Debatten weiter einmischen. Für den früheren Bundeswirtschaftsminister regieren mit Union und SPD „zwei sozialdemokratische Parteien, die eine Schwarz, die andere Rot“. Brüderle kündigte an, künftig als Berater tätig werden zu wollen. „Ich habe schon einen Schritt getan und vergangene Woche ein kleines Unternehmen in Mainz angemeldet. Die Firma heißt „Rainer Brüderle Consult“, sagte er. Damit wolle er in das Beratungs- und Projektentwicklungsgeschäft einsteigen.

Für den Absturz seiner Partei bei der Bundestagswahl gibt es laut Brüderle viele Gründe. „Wir haben viele Erwartungen unserer Wähler in der Steuerpolitik nicht erfüllt. Unser Start war in der Koalition mit der Union misslungen und es gab zu viel parteiinternen Streit um das Personal“, sagte Brüderle. Es habe nicht den einen Grund gegeben. „Da ist vieles schief gelaufen“. Die Verantwortung für das Wahldesaster sieht Brüderle nicht allein bei den früheren Parteivorsitzenden Philipp Rösler und Guido Westerwelle. „Wir haben damals alle Beschlüsse – und da nehme ich mich nicht aus – mitgetragen“. Insofern würden alle die Verantwortung für das, was passiert sei, tragen.

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