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Sigmar Gabriel "Wir müssen auch einige Steuern anheben"

Der SPD-Parteichef Sigmar Gabriel verteidigt mögliche Steuererhöhungen, fordert einen Neuanfang bei der Energiewende und zeigt Optimismus vor der Wahl.

Sigmar Gabriel Quelle: Nils Hendrik Müller für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Gabriel, die SPD ist stolz auf ihre 150 Jahre lange Tradition – aber wie viel Arbeiterpartei steckt heute in der SPD?

Gabriel: Eine ganze Menge. Aufstieg für jeden Menschen muss möglich sein, egal, aus welchem Stadtviertel er kommt oder wie viel seine Eltern verdient haben – dieser Anspruch ist zeitlos. Jeder soll aus seinem Leben etwas machen können, das ist der Urgedanke der SPD.

War Ihre Partei nicht immer dann besonders stark, wenn sie sich auch um die qualifizierten Arbeitnehmer, die motivierte Mittelschicht bemüht hat?

Über die habe ich gerade geredet. Die SPD ist immer die Partei der fleißigen Leute gewesen. Aber genau die bekommen auch nach guter Ausbildung oder Studium immer häufiger nur noch befristete Jobs. 50 Prozent aller neuen Arbeitsplätze sind inzwischen befristet. Frauen verdienen bei gleicher Arbeit in Deutschland fast 25 Prozent weniger als Männer. Wenn es etwas gibt, was wir in Deutschland bewahren müssen, dann, dass Arbeit und Anstrengung sich lohnen. Das ist das eigentliche Geheimnis der sozialen Marktwirtschaft. Und das droht unter die Räder zu geraten.

Die Geschichte der SPD

Heute gibt es aber 1,3 Millionen mehr unbefristete Vollzeitarbeitsplätze als 2008. Das ist – entgegen Ihrer Darstellung – noch immer die Regel.

Aber schon 25 Prozent aller Arbeitsplätze sind inzwischen prekär! Das gab es noch nie in unserem Land. Und selbst Menschen ohne materielle Not plagen andere Fragen: Wie versorge ich meine Eltern, wenn sie gepflegt werden müssen? Was ist mit der Bildung meiner Kinder? Kann ich im Alter meine Miete noch zahlen? Seien Sie mir nicht böse, aber Journalisten und Politiker vergessen oft, wo der Durchschnittsverdienst in Deutschland liegt: bei 2700 Euro pro Haushalt im Monat. Und die durchschnittliche Rente liegt in Westdeutschland bei 700 Euro im Monat. Ich kenne eine ganze Menge Leute in Politik, Wirtschaft und Medien, die sich nie im Leben vorstellen können, mit diesen Löhnen eine Familie zu ernähren oder im Alter klarzukommen. Etwas mehr Demut gegenüber dem Fleiß der vielen in Deutschland, die hart arbeiten und nicht wirklich viel verdienen, täte uns allen gut. Denn das sind die wahren Leistungsträger unseres Landes.

War es dann nicht ein Fehler, im Bundesrat die Abschaffung der kalten Progression zu verhindern?

Wir machen etwas Besseres: Wir schaffen die Kita-Gebühren ab. Das entlastet Familien mit Kindern um ein Vielfaches.

Von Lohnerhöhungen profitiert dennoch der Staat überproportional.

Wir haben der CDU und der FDP doch angeboten, dass wir der Abschaffung der kalten Progression zustimmen, wenn die Bundesregierung bereit ist, die dadurch entstehenden Steuerausfälle bei Ländern und Gemeinden zu erstatten. Denn es hilft doch nichts, die Steuern zu senken und dann – wegen der Steuerausfälle bei der Stadt – die Gebühren für Kitas und öffentlichen Nahverkehr zu erhöhen.

Sie wollen eine Vermögensteuer einführen, dabei aber alle Betriebsvermögen ausklammern...

Erst einmal sollten wir klären, warum wir in Zeiten sprudelnder Steuereinnahmen überhaupt über neue Steuern reden.

Gefahren der Energiewende

Diese Unternehmen produzieren ihren Strom selbst
VolkswagenVolkswagen betreibt inzwischen eigene Kraftwerke unterschiedlicher Art an fast allen Standorten. Im Werk Emden läuft zum Beispiel eine Biomasseanlage. Dabei sind die Anlagen nicht alle umweltfreundlich. Viele werden von Dieselmotoren der Konzerntochter MAN angetrieben. Aber der Wille von Konzernchef Martin Winterkorn zur dezentralen Eigenversorgung mithilfe erneuerbarer Energien ist da. So will VW 600 Millionen Euro bis zum Jahr 2020 für den Ausbau erneuerbarer Energien an den Unternehmensstandorten ausgeben Quelle: dpa
Aldi SüdStromerzeuger in besonders großem Stil ist der Discountgigant Aldi Süd geworden. Auf rund 300 Dächern seiner Filialen hat der Billigriese aus Mülheim an der Ruhr Solaranlagen schrauben lassen. Hinzu kommen riesige Panelflächen auf den Dächern von 30 Logistikzentren. Damit ist Aldi in der Lage, Strom mit einer Gesamtleistung von über 70 Megawatt zu produzieren, immerhin ein Zehntel eines kleinen Kernkraftwerks. Die prognostizierte Stromproduktion aller Anlagen pro Jahr liegt bei 71 Millionen Kilowattstunden. Das entspricht laut Aldi-Angaben dem Stromverbrauch von rund 24.000 Vier-Personen-Haushalten. Gerechnet auf zwölf Monate werde Aldi Süd fast die Hälfte der produzierten Menge für den Eigenverbrauch nutzen, heißt es aus dem Discount-Imperium Quelle: dpa
Metro-GroupDer Düsseldorf Handelskonzern Metro hat Anfang des Sommers 2013 für seine Großverbrauchermärkte am Konzernsitz sowie in Berlin-Marienfelde eigene Blockheizkraftwerke in Betrieb genommen. Künftig können die beiden Standorte sich selbst mit Strom und Wärme aus Erdgas versorgen. Die beiden Kraftwerke wurden in Kooperation mit dem ebenfalls in Düsseldorf beheimateten E.On-Konzern errichtet, der für den Gaseinkauf verantwortlich ist. „Dank der Blockheizkraftwerke können wir die Energieversorgung für die beiden Standorte langfristig sichern und zugleich die Kosten beträchtlich senken“, sagt Olaf Schulze, Geschäftsführer der Metro Properties Energy Management. „Mit einer Eigenproduktion können alle Kosten, die mit dem Netzbezug verbunden sind, wie zum Beispiel EEG-Umlage und Nutzungsentgelte, vermieden werden.“ Quelle: dpa
ReweDer Kölner Lebensmittel-Filialist Rewe schickte vor wenigen Wochen für ihr Logistikzentrum in Eitting bei München ein Biogas-Blockheizkraftwerk an den Start. Die Anlage versorgt den mehr als 60.000 Quadratmeter großen Büro- und Lagerkomplex dezentral und bedarfsgerecht mit umweltfreundlicher Energie. In den Sommermonaten wird mit der Heizenergie Kälte produziert, was die Großkälteanlagen für das Tiefkühl- und Kühllager des Logistikzentrums entlastet. Die rund 4,5 Millionen Kilowattstunden Strom, die pro Jahr produziert werden, werden in das Stromnetz eingespeist. Quelle: dpa
Molkerei GropperNeben Joghurts, Kaffeespezialitäten und Säften produziert die bayrische Molkerei Gropper seit Beginn des Jahres auch Energie. Die durch das gasbetriebene Blockheizkraftwerk gewonnene Energie kommt dabei in erster Linie der Stromversorgung zugute, die zu 65 Prozent den Eigenbedarf deckt. Auch Gropper erzeugt aus einem Teil der Abwärme Kälte, um damit seine Produkte zu kühlen. Mit dem anderen Teil wird Wasserdampf erzeugt, der der Herstellung von Joghurt, Pudding oder haltbarer Sahne dient. „Die steigenden Kosten der vergangenen Jahre, auch im Energiebereich, haben diesen Schritt für uns notwendig und auch sinnvoll gemacht“, sagt Gropper-Inhaber Heinrich Gropper. Er geht davon aus, dass er sein Blockheizkraftwerk bald ausbauen wird, um den Energiebedarf langfristig nur noch aus Eigenproduktion zu decken. Quelle: dpa
StuteAls Vorreiter der Eigenversorgung in der Lebensmittelindustrie gilt der Handelsmarkenproduzent Stute in Paderborn, der Säfte und Konfitüre für Handelsunternehmen wie Aldi herstellt. Das Familienunternehmen hat in den vergangenen Jahren fast 15 Millionen Euro investiert: 9,5 Millionen Euro flossen in mehrere Fotovoltaik-Anlagen, die sich am Firmensitz auf Dächern und Freiflächen mittlerweile auf 95.000 Quadratmetern erstrecken. 4,5 Millionen Euro steckte Stute in drei Windräder, die pro Jahr 7,2 Millionen Kilowattstunden liefern. Den Energiemix komplettiert eine Biogasanlage, die mit Abfällen aus der Fruchtverarbeitung arbeitet. Die Investitionen in die Autarkie zeigen Wirkung. Stute liegt bei der Eigenversorgung mit Strom schon bei rund 50-Prozent. Und das zu günstigen Tarifen. Weil keine Abgaben für den selbst produzierten und verbrauchten Strom anfallen, rechnet Stute mit Stromkosten von weniger als fünf Cent pro Kilowattstunde – fast so wenig, als würde sich das Unternehmen jeden Tag preiswert auf dem Spotmarkt an der Leipziger Strombörse bedienen. Quelle: dpa
BMWVier knapp 180 Meter hohe Windmühlen stehen am Westrand des BMW-Werksgeländes in Leipzig. Im Herbst dieses Jahres startet dort die Serienproduktion des Elektrofahrzeugs BMW i3, im Frühjahr 2014 soll die Sportwagenvariante BMW i8 folgen. Die vier Mühlen schaffen eine Leistung von zehn Megawatt und sollen mehr als 25 Millionen Kilowattstunden pro Jahr liefern, so viel, wie 8000 Haushalte verbrauchen. Weht kein Wind, muss BMW seinen i3 mit ganz ordinärem Strom aus dem öffentlich zugänglichen Netz produzieren. Der Strom der Windräder allerdings ist komplett dem Verbrauch im Werk vorbehalten und geht nicht ins Netz. Realisiert hat das Projekt der Entwickler wpd aus Bremen. Er betreibt den Miniwindpark und verkauft den Strom an BMW. Quelle: dpa

Danke, jetzt sind wir gespannt.

Weil wir gleichzeitig die höchste Staatsverschuldung haben. Frau Merkel und Herr Schäuble haben in Zeiten niedrigster Zinsen, hoher Beschäftigung und sprudelnder Steuereinnahmen das Kunststück fertiggebracht, 110 Milliarden Euro neue Schulden aufzunehmen – und da sind die Kosten für die Euro-Rettung noch gar nicht dabei. Frau Merkel macht drei Versprechen, die nicht zueinander passen: Schulden abbauen, mehr Geld für Bildung und Infrastruktur ausgeben und Steuern senken. Nach meiner Kenntnis der Grundrechenarten passt das nicht zusammen.

Wie lautet Ihre Alternative?

Wir müssen dringend Schulden abbauen, und wir müssen mehr in Bildung und Infrastruktur investieren. Deshalb müssen wir an vielen Stellen im Haushalt einsparen und auch einige Steuern für die anheben, die sehr, sehr hohe Vermögens- und Kapitaleinkünfte haben. Die Vermögensteuer ist übrigens keine Erfindung von Karl Marx oder der SPD, sondern sie ist die erste von drei Steuerarten unserer Verfassung und wurde vom CDU-Kanzler Konrad Adenauer eingeführt.

Und wie soll es nun konkret gehen?

Ist doch klar: Wir werden nicht das Eigenkapital besteuern, denn das wäre ja Irrsinn. Kein Gewinn – keine Vermögensteuer.

Kommen wir zur Energiewende...

...wenn die so weiterläuft, wird sie viel gefährlicher als jede Vermögensteuer!

Strom wird immer teurer. Wann ist bei Ihnen die Schmerzgrenze erreicht?

Die ist doch längst überschritten! Vor allem bei sehr vielen energieintensiven Unternehmen. Noch schlimmer als der Preisanstieg ist die totale Planungsunsicherheit. Seit zweieinhalb Jahren herrschen in der Energiewirtschaft Chaos und Anarchie. Wenn die Energiewende nicht komplett neu gestartet und endlich professionell gesteuert wird, stehen wir vor dem größten Deindustrialisierungsprogramm unserer Geschichte. Ich besuche jede Woche Unternehmen. Es gibt keines, das nicht vor dieser Entwicklung warnt.

Das absurde Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), durch das die Verbraucherpreise steigen, wenn der Börsenpreis sinkt, war keine Erfindung von Schwarz-Gelb.

Das EEG war ein kluges Gesetz, als grüne Energien eine Nische waren. Jetzt entwickelt es sich zum Hindernis für deren Zukunft. Das Verrückte ist doch, dass im Bericht der Atomausstiegskommission von Klaus Töpfer alles aufgezählt ist, was zu tun wäre. Und ich gebe zu, ich bin einigermaßen fassungslos, dass es ausgerechnet eine konservative Regierung ist, die angeblich etwas von Wirtschaft versteht, die davon nichts, aber auch gar nichts angepackt hat. Kein Grüner und erst recht kein Sozialdemokrat würde so viel Chaos hinterlassen in der Energiepolitik, wie das CDU/CSU und FDP getan haben. Eine grundlegende Reform des EEG ist seit Jahren überfällig.

Und wie soll die aussehen?

Das EEG trägt die Überschrift „invest and forget“. Das geht nicht mehr, wenn der grüne Strom einen Großteil des Strombedarfs decken soll. Die Produzenten von Ökostrom müssen mit in die Netzverantwortung hinein und ran an den Markt. Die Ausbaudynamik muss kontrolliert werden. Je mehr, desto besser – das ist falsch. Der Ausbau muss außerdem mit dem Bau konventioneller Kraftwerke und dem Netzausbau abgestimmt werden. Kleine ineffiziente Biogasanlagen sind doch kein Beitrag zur Energiewende, sondern eine neue Form der Landwirtschaftssubvention. Zu prüfen ist auch, ob die sehr teure Offshore-Wind-Produktion ganz raus aus der EEG-Förderung und über Steuermittel gefördert werden muss. Die Ausbauziele dort sind sehr unrealistisch. Parallel dazu müssen wir endlich den konventionellen Kraftwerksbau wieder anfahren. Dazu brauchen wir ein neues Strommarktdesign, denn das heutige passt nicht zu den erneuerbaren Energien. Statt neue Gaskraftwerke zu bauen, die wir dringend brauchen, werden hochmoderne Gaskraftwerke derzeit stillgelegt. Und zur Wahrheit gehört auch: Man kann nicht gleichzeitig aus der Atomenergie und der Kohle aussteigen. Auch Kohlekraftwerke werden noch auf mehrere Jahrzehnte ihre Berechtigung haben. Dass die Bundesregierung den CO2-Handel in Europa torpediert hat, ist deshalb ein echter Skandal der früheren Klimakanzlerin.

Rot-Grün aus inhaltlichen Gründen

Die Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl
ANGELA MERKEL - Kampf um dritte KanzlerschaftDie CDU-Chefin kämpft bei der Wahl am 22. September um ihre dritte Kanzlerschaft. Ins Amt kam Angela Merkel 2005 an der Spitze einer großen Koalition aus Union und SPD. Seit 2009 führt sie ein Bündnis mit der FDP, das sie erklärtermaßen fortsetzen will. An die Spitze ihrer Partei gelangte die vorherige Generalsekretärin im Jahr 2000 im Zuge des CDU-Spendenskandals - nachdem sie sich scharf von Altkanzler und Ex-Parteichef Helmut Kohl distanziert hatte. Als Parteivorsitzende hat die heute 59-Jährige der CDU eine programmatische Modernisierung verordnet. Grundsatzpositionen wie die Wehrpflicht und das Ja zur Atomkraft wurden aufgegeben, auch in der Familien- und Bildungspolitik änderte sich der Kurs - zum Leid des konservativen Flügels. In die Politik kam die ostdeutsche Physikerin in der Wendezeit. Sie wurde Vizesprecherin der ersten demokratisch gewählten DDR-Regierung und später unter Kohl zunächst Frauen-, dann Umweltministerin. Mitglied des Bundestags ist sie bereits seit 1990. Quelle: dpa
PEER STEINBRÜCK - Klartext-Mann auf schwieriger MissionMit 66 Jahren will er es noch einmal wissen. Das Problem: Der frühere Finanzminister hatte nach dem Ende der großen Koalition eine Kandidatur nicht einkalkuliert - und so fielen Peer Steinbrück seine lukrativen Vorträge gleich auf die Füße, als er schlecht vorbereitet und zunächst ohne eigenen Mitarbeiterstab in das äußerst schwierige Unterfangen startete. Hinzu kamen unglückliche Äußerungen. So trauen ihm bisher nicht viele Bürger zu, es besser zu können als Merkel. Manche fragen auch, ob er der richtige Mann ist für ein eher linkes SPD-Programm. Früher sah er etwa Mindestlöhne kritisch. Aber der Mann feiner Ironie und scharfer Worte kämpft. Die Karriere des Volkswirts begann 1974 im Bundesbauministerium, unter Helmut Schmidt war er Referent im Kanzleramt. Nach Ministerposten in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen wurde der gebürtige Hamburger in Düsseldorf Ministerpräsident (2002-2005), dann war er Minister unter Merkel. Für die Zukunft hat er letzteres aber ausgeschlossen. Quelle: dpa
RAINER BRÜDERLE - Haudegen mit HandicapFür den Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion läuft der Wahlkampf bisher alles andere als rund. Vor sechs Wochen stürzte er nach einem privaten Abend mit Freunden schwer, zog sich Brüche an Arm und Oberschenkel zu. Seitdem kämpft der 68-Jährige in der Reha, um zum Wahlkampfendspurt mit vielen Großveranstaltungen wieder fit zu sein. In der Zwischenzeit gibt Brüderle im Akkord Interviews, fordert mehr Datenschutz in Europa, geißelt die Steuererhöhungspläne von Rot-Grün und sucht beim Solidarzuschlag die Konfrontation mit der Kanzlerin. Wann mit dem stufenweisen Soli-Ausstieg begonnen werden soll, darüber sind sich Brüderle und FDP-Chef Philipp Rösler aber selbst nicht so ganz einig. Brüderle, als Fraktionschef lange ein Rösler-Rivale, findet die Doppelspitze mit dem 40-jährigen Vizekanzler gut. Die Mischung aus Jung und Alt sei richtig. „Das läuft alles sehr offen und fair“, sagte Brüderle der „Welt am Sonntag“ über sein Teamspiel mit Rösler. Quelle: dpa
KATRIN GÖRING-ECKARDT Die Frau aus dem Osten ist eine Vertreterin des Realoflügels und eine abwägende Rednerin. Die 47-jährige Göring-Eckardt soll stärker in so genannte bürgerliche Schichten ausstrahlen. Doch bisher fiel es der Thüringerin manchmal schwer, neben dem oft dominant wirkenden Bremer durchzudringen. Göring-Eckardt engagierte sich in der kirchlichen Opposition der DDR und sitzt heute im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie war 1989 Gründungsmitglied der Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“ und von „Bündnis 90“. Unter Rot-Grün war sie Fraktionsvorsitzende. Quelle: dpa
JÜRGEN TRITTIN - Der zweiten Gemischtes Grünen-DoppelDer Mann aus dem Westen gilt als pragmatischer Parteilinker und scharfer Rhetoriker: Zwei sehr unterschiedliche Politiker haben die Grünen per Urwahl an der Spitze ihres Wahlkampfs gestellt. Der 59-jährige Jürgen Trittin steht für klaren Rot-Grün-Kurs. Trittin ist mit Renate Künast seit 2009 Fraktionschef im Bundestag. Im Kabinett von Gerhard Schröder (SPD) leitete er von 1998 bis 2005 das Umweltressort. Vielen gilt er als etwas arrogant, doch im Wahlkampf betont er seine charmante Seite. Quelle: dpa
GREGOR GYSIDie Linke konnte sich nicht auf einen oder zwei Spitzenkandidaten einigen und hat sich deswegen für gleich acht entschieden. Der prominenteste ist Fraktionschef Gregor Gysi. Der 65-jährige Gysi gilt nach dem Abgang Oskar Lafontaines als mächtigster Mann der Linken, hat aber während des erbitterten Machtkampfs um die Parteispitze im vergangenen Jahr Autorität eingebüßt. Der Berliner Rechtsanwalt hat ein zweistelliges Wahlergebnis als Ziel ausgegeben, in den Umfragen liegt die Partei zwischen sechs und neun Prozent. Quelle: dpa
SARAH WAGENKNECHT - Nr. 2 der LinkenWagenknecht war früher Wortführerin der Kommunistischen Plattform lässt ihre Mitgliedschaft in der radikalen Parteigruppierung seit ihrer Wahl zur stellvertretenden Parteivorsitzenden aber ruhen. Neben Gysi gilt die 44-jährige Lebensgefährtin Lafontaines als die Linke mit der stärksten Ausstrahlung. Gysi hat ihren Aufstieg in der Partei mehrfach gebremst. Nach der Wahl könnte sich aber die Frage neu stellen, ob sie an seiner Seite Fraktionschefin wird. Quelle: dpa

Wie würden Sie 16 Länder und ihre Einzelinteressen unter einen Hut bringen?

Ich hätte jedenfalls nicht zweieinhalb Jahre tatenlos zugesehen. Die Bundesregierung ist doch im Blindflug unterwegs. Alle fliegen mit, aber keiner weiß, wohin. Wir brauchen einen echten und ernst gemeinten Neustart der Energiewende direkt nach der Bundestagswahl. Und Parteizugehörigkeit oder Landesinteressen müssen hinten angestellt werden. Wir hatten eine riesige Chance mit der Energiewende für neues und nachhaltiges Wachstum und wirtschaftlichen Erfolg. Aber wenn wir nicht gemeinsam Verantwortung übernehmen, wandelt sich diese Chance zu einem ungeheuren Risiko.

Den Umfragen nach wird es aber für Ihre Wunschkoalition Rot-Grün nicht reichen.

Na warten wir es mal ab. Bis zu 70 Prozent der Wähler sagen, sie seien noch nicht festgelegt, ob und wen sie wählen. Je mehr Menschen zur Wahlkabine gehen, desto höher ist unsere Siegchance.

Eine große Koalition ist doch sehr wahrscheinlich, oder?

Wir wollen keine große Koalition, weil sie nur die Koalition des kleinsten gemeinsamen Nenners wäre.

Beim Bürger ist sie sehr beliebt.

(lacht) Weil die Wähler noch keine machen mussten. Mit der Union kriegen sie nichts Vernünftiges hin. Wir wollen Rot-Grün aus inhaltlichen Gründen. Auch wenn die Gemeinsamkeiten in der Energiepolitik – sagen wir mal – ausbaufähig sind.

In Arbeit
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Im Frühjahr wollten Sie beim Wahlergebnis eine drei vorne sehen...

Eine vier wäre mir noch lieber. Aber das wird dieses Mal wohl nicht zu schaffen sein...

1998 gelang die Ablösung von Schwarz-Gelb durch Rot-Grün. Heute ist von Wechselstimmung nichts zu spüren.

Aber mehr als die Hälfte der Bürger wollen Schwarz-Gelb nicht wählen. Wir haben eine Mehrheit links von der Mitte. Das Problem ist, dass die rechnerische Mehrheit keine politische werden wird.

Hannelore Kraft hat es mal probiert.

Aber Sie können NRW nicht mit der Bundesrepublik vergleichen. Was glauben Sie, was da in Europa los wäre, wenn wir hier eine unsichere Minderheitsregierung hätten? Das geht nun wirklich nicht.

Wie oft haben Sie eigentlich schon nachts davon geträumt, dass Sie sich doch selbst zum Kanzlerkandidaten gekürt haben?

Gott sei Dank hatte ich solche Albträume bisher nicht.

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