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Silicon Saxony Das Geheimnis des Freistaats Sachsen

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„Diese Investition ist der Motor, der der Region so lange gefehlt hat“

Subventionieren können also auch andere, aber Sachsen überzeugt darüber hinaus: mit hemdsärmeliger Industriepolitik, klug ausgespielter Standortstärke und Traditionspflege. Die Mischung kommt an. US-Konzern Globalfoundries steckt 1,5 Milliarden Euro in den Ausbau seiner Dresdner Fabrik. Seitdem die EU die Mikroelektronik als strategisch wichtige Branche für Europa ausgerufen hat, dürfen auch Bund und Länder mehr Geld zuschießen, als das EU-Beihilferecht üblicherweise erlaubt. Eine Milliarde Euro stellt allein der Bund in Aussicht.

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Standort erkennen

    Aus dem Topf wird sich Globalfoundries gerne bedienen. Aber Sachsen erntet vor allem die Früchte seiner Branchenspezialisierung. Schon zu DDR-Zeiten war die Region stark in der Computerindustrie. Nach der Wende wollte die Politik unbedingt ein Silicon Saxony – und ließ sich auch durch Rückschläge wie die Insolvenz von Qimonda 2009 nicht beirren. Die TU Dresden glänzt dazu bei den ingenieur- und naturwissenschaftlichen Fächern und sorgt für den nötigen Hightechnachwuchs.

    Philip Morris investiert deshalb nun 290 Millionen Euro in einen Neubau in Dresden. Ab 2019 sollen rund 500 Beschäftigte Tabaksticks für E-Zigaretten produzieren. Fördergelder waren „kein ausschlaggebender Punkt“, sagt Deutschlandchefin Stacey Kennedy. Aber man schließe dies „aus wirtschaftlichen Gründen im weiteren Projektverlauf natürlich nicht aus“.

    In Rothenburg bei Görlitz an der deutsch-polnischen Grenze herrscht seit Mai gar eine Art Ausnahmezustand. Seit der chinesische Automobilzulieferer Beijing WKW verkündete, dort eine Fabrik für Elektroautos zu errichten, gibt es in dem 5000-Seelen-Städtchen kein anderes Gesprächsthema. „Diese Investition ist der Motor, der der Region so lange gefehlt hat“, sagt Bürgermeisterin Heike Böhm. 1,4 Milliarden Euro stecken die Chinesen in das Projekt. 1000 Arbeitsplätze sollen entstehen.

    Eingefädelt hat diesen Deal Peter Nothnagel, mehrfach war er in China. „Wir laufen jedem Investor hinterher“, sagt der Chef der sächsischen Wirtschaftsförderung. Erfolge erreiche man durch Hartnäckigkeit. Und durch Tempo: „Wenn uns ein Investor anfragt, antworten wir sofort.“ 50 Mitarbeiter in Deutschland und weitere Kräfte im Ausland beschäftigt die Agentur.

    Tatsächlich loben Unternehmen die Art und Weise, wie das System Sachsen funktioniert. Jens Drews, Lobbyist des Halbleiterproduzenten Globalfoundries, spricht von „kurzen Wegen“ in die Staatskanzlei und „vertrauensvollen Gesprächen“. Hinzu kommt die politische Konstanz, vergleichbar nur mit dem heimlichen Vorbild Bayern: Seit 1990 stellt die Union den Ministerpräsidenten. Die Politik hatte schon immer das Ziel, „noch schneller und zielgerichteter als die Bayern zu sein“, so Drews. Wirtschaftsförderung sei in Sachsen Chefsache. Eine sichtbare Folge: Molkemilliardär Theo Müller holt seinen Feinkosthersteller Homann wohl bald nach Leppersdorf – in Tillichs Wahlkreis.

    Als Strippenzieher im Hintergrund gilt der Chef der Staatskanzlei, Fritz Jaeckel. Der Karrierebeamte beschreibt das Werben um Investoren so: „Wir erzeugen ein Grundrauschen.“ Möglichst weltweit solle der Freistaat als Standort für innovative Unternehmen mit guten Fachkräften geläufig sein.

    Jaeckel will der Igel sein, nicht der Hase. Er und seine Mitstreiter versuchen, schon bei potenziellen Investoren vorzusprechen, bevor andere auftauchen. Seine Regierungsleute gehen lieber auf einen Empfang mehr, reisen früher zu Firmen und lesen sich ein, um über Leichtbauweise oder Gelenkteile eines Zulieferers parlieren zu können. „Unternehmen kriegen schnell heraus, wie kundig wir unterwegs sind“, glaubt Jaeckel. Bisher gibt der Erfolg ihm recht.

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