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Sitzung des CSU-Vorstandes Seehofers Ära droht ein jähes Ende

Kann an nur einem Wochenende ein jahrelanger Zwist von zwei Alphatieren gelöst werden? Die CSU versucht es. Ins neue Jahr möchte man schließlich mit neuer Geschlossenheit gehen – und womöglich ohne Parteichef Seehofer.

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München Glühwein, Plätzchen, Lebkuchen - zumindest vom Geruch her steht der erste Dezembersonntag auch in der CSU-Zentrale im Münchner Norden ganz im Zeichen des Advents. Im für die Presse nicht zugänglichen Foyer brennt gar eine Kerze am weiß-blauen Adventskranz. Doch das war es dann beinahe auch schon mit der festlichen Stimmung unter den vielen Besuchern, selbst wenn Parteichef Horst Seehofer den Journalisten einen schönen ersten Advent wünscht.

Denn hinter den Kulissen geht es in der sogenannten Großen Lage der CSU um nicht weniger als die personelle Neuaufstellung der tief in der Krise steckenden Partei. Ist der seit Wochen innerparteilich teils heftig kritisierte Seehofer bereit, eines seiner Ämter aufzugeben – oder gar beide? Und wer wird dann an welcher Stelle sein Nachfolger?

„Einmal müssen Sie noch schlafen, einmal“, sagt der gelassen wirkende Seehofer, der den in der Kälte wartenden Journalisten sogar ein warmes Essen am Abend verspricht. Doch außer den freundlichen Floskeln will er nichts sagen, immer wieder wiegelt er Fragen ab, einzige Neuigkeit: Am Samstag habe er bereits mit seiner Familie beim Abendessen über die Situation beraten.

Seehofers Zurückhaltung dürfte auch hinter den geschlossenen Türen weitergegangen sein - zuhören wolle er, sich Stimmungsbilder aus den Bezirken machen, sagt einer seiner Vertrauten zum voraussichtlichen Ablauf der Gremiensitzungen. Und von denen gibt es viele, ein regelrechter Marathon: um 14 Uhr mit den mächtigen Bezirksvorsitzenden, um 16 Uhr mit den Chefs der Ausschüsse wie Junger Union und Frauenunion, um 18 Uhr mit seinen Stellvertretern, den Generalsekretären und den Fraktionsvorsitzenden. Geheimtreffen, wie es sie zuvor zum Verdruss vieler gegeben hatte, sollte es am Sonntag keine mehr geben.

Anschließend, so die Hoffnung, werde sich eine Entscheidung herauskristallisieren, mit der Seehofer am Montag in der Früh in die Landtagsfraktion und anschließend in die CSU-Vorstandssitzung gehen kann. „Wir kommen nicht als Plaudertanten zusammen, sondern wir wollen entscheiden“, betont Seehofer.

In der CSU gibt es nach Wochen des Dauerstreites und angesichts stetig sinkender Umfragewerte die Hoffnung, mit einer neuen Geschlossenheit ins neue Jahr gehen zu können. 2018 geht es für die CSU nach eigener Aussage um alles – bei der Landtagswahl muss die absolute Mehrheit verteidigt werden, aktuell liegen zwischen dem Ergebnis von 2013 mit 47,7 Prozent und heutigen Umfragewerten mehr als 10 Prozentpunkte. Zudem muss die Regionalpartei aufpassen, in der unklaren Lage in Berlin nicht an Bedeutung zu verlieren. Nur wenn beides gelingt, wird sie ihren seit sechs Jahrzehnten behaupteten Ansprüchen gerecht werden können.

Für viele in der Partei dürfte dies nur mit einer Doppelspitze aus Seehofer und seinem größten Konkurrenten Markus Söder gelingen. Seehofer solle als Parteichef mit seinem bundespolitischen Gewicht in Berlin agieren, Söder als Ministerpräsident in Bayern die AfD klein halten - so denken nicht wenige in der Partei. Um das zu erreichen, müssten die beiden Alphatiere ihren seit gefühlten Ewigkeiten andauernden Streit beenden. Es wäre ein Adventswunder.

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