WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

So lief der Wahlabend Seehofer triumphiert - und träumt von der Pkw-Maut

Bayern bleibt fest in konservativer Hand. Die CSU erreicht die absolute Mehrheit und strotzt vor Selbstbewusstsein. FDP und Grüne kassieren Niederlagen. Lesen Sie die Ereignisse der Wahl in unserem Ticker nach.

+++ 02:19 Uhr +++

Das vorläufige Endergebnis: Die CSU erreichte demnach 47,7 Prozent der Stimmen, nachdem sie 2008 mit 43,4 Prozent das schlechteste Ergebnis seit 50 Jahren eingefahren hatte. Ihr Koalitionspartner FDP fiel auf 3,3 Prozent nach 8,0 Prozent vor fünf Jahren. Die SPD verbesserte sich auf 20,6 Prozent nach 18,6 Prozent 2008. Die Freien Wähler sackten auf 9,0 Prozent nach 10,2 Prozent vor fünf Jahren ab. Fast gleichstark mit 8,6 Prozent schnitten die Grünen ab, die damit auch unter ihrem Ergebnis von 9,4 Prozent von vor fünf Jahren blieben. Lesen Sie hier nach, wie der Wahlabend verlief - und welche Reaktionen es aus Bayern und Berlin auf das Wahlergebnis gibt.

+++ 22:23 Uhr +++ Die CSU hat die Landtagswahlen in Bayern gewonnen. Die Regierungspartei erreicht die absolute Mehrheit. Der bisherige Koalitionspartner, die FDP, fliegt hingegen aus dem Landtag (3,0 Prozent). Auch die Grünen verlieren, die SPD legt auf schwachem Niveau zu. Linke und Piraten schaffen deutlich nicht den Sprung in den Landtag.


+++ 21:12 Uhr +++

CSU-Chef Horst Seehofer beharrt nach seinem Wahlerfolg in Bayern auf seiner Forderung nach einer bundesweiten Pkw-Maut für Ausländer. „Die Maut bleibt auf der Tagesordnung und wir werden sie in einer neuen Bundesregierung auch durchsetzen“, sagte Seehofer am Sonntagabend im Bayerischen Fernsehen. Seehofer hatte die Einführung einer Pkw-Maut für Ausländer mehrfach zur Bedingung für eine CSU-Regierungsbeteiligung in Berlin erklärt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte aber deutlich gemacht, dass es mit ihr keine Pkw-Maut geben werde. "Ich habe mit der Kanzlerin heute telefoniert und ihr zugesagt, dass wir ab morgen früh alles tun werden von Bayern aus, dass Angela Merkel Kanzlerin bleibt und dass wir Bayern auch nächsten Sonntag einen guten Stimmenanteil liefern", sagte Seehofer. Er sei optimistisch, mit Merkel eine Lösung zu finden. Bislang habe man gut zusammengearbeitet. "Und das wird bei der Pkw-Maut genauso sein."

+++ 20:47 Uhr +++

Wir haben die ersten Stimmen aus der Wirtschaft gesammelt. "Für Bayern ist das ein gutes Ergebnis, nicht zuletzt deshalb, weil es zeigt, dass Politik auch ohne Populismus beim Wähler erfolgreich sein kann. Überrascht hat mich vor allem das schwache Abschneiden der FDP", sagt Hans Rudolf Wöhrl, fränkischer Multiunternehmer, 65, und Gatte der CSU-Bundestagsabgeordneten Dagmar Wöhrl. "Ich bin allerdings nicht sicher, dass dies schon ein klares Vorzeichen für die Bundestagswahl am nächsten Wochenende ist. Im Gegenteil. Ich glaube, dass die Entscheidung nach wie´vor knapp ist. Darum muss die CDU/CSU auf Bundesebene vorsichtig sein, dass der Elan nicht nachlässt. Sonst greift am Ende die Zweitstimmenkampagne der FDP und es fehlen die entscheidenden Stimmen."

+++ 20:22 Uhr +++

"Das Wahlergebnis heute Abend erfüllt mich mit großer Befriedigung, weil es eine Klatsche und eine klare Botschaft an alle Politiker ist: Verrat und Prinzipienlosigkeit lohnen sich nicht. Und das ist gut so!", sagt Claudia Langer, Marketingexpertin und Gründerin der Internet-Plattform Utopia.de gegenüber der WirtschaftsWoche. "Sowohl die Grünen, als auch die FDP sind für ihre Prinzipienlosigkeit und die Abkehr von ihrem "Markenkern" bestraft worden. Das tut weh und das soll es auch. Bei der FDP jubelt mein Herz und betet, dass eine Partei, die in der letzten Legislaturperiode eine derart unsachliche, unüberlegte und nur dem Machterhalt dienende Klientelpolitik betrieben hat, auch im Bund krachend bestraft wird. Man sollte Rösler, Brüderle und der gesamten Partei jetzt mal vier Jahre Ruhe gönnen, damit sie sich sortieren und dann in Zukunft wieder Politik machen, die das Attribut progressiv verdient. Bei den Grünen bin ich gespalten. Da ich Wettbewerb und Debatte in der Demokratie sehr wichtig finde, brauchen wir Gegenkräfte zur immer feudaler agierenden Kanzlerin. Die Grünen könnten da wichtig sein, und Trittin als Vizekanzler würde eine Menge Wind in den Laden bringen. Aber: Tief drinnen finde ich, dass auch die Grünen sich einen satten Dämpfer verdient haben. Die schamlose Abkehr von grünen Kernthemen, wie dem Klimawandel, und die Hinwendung zu sozialen Wohlfühlthemen, freundlich überbracht von einer Spitzenkandidatin, die niemandem wehtut und wehtun will und darin Angela Merkels erstaunlich ähnelt, muss bestraft werden."

Die besten Zitate zur Landtagswahl
Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer"Nach der Wahl ist vor der Wahl. Ich habe mit der Kanzlerin heute telefoniert und ihr zugesagt, dass wir jetzt ab morgen früh alles tun werden von Bayern aus, dass Angela Merkel Kanzlerin bleibt." Quelle: dpa
Hermann Gröhe, CDU-Generalsekretär:"Die Zweitstimme, das ist die entscheidende Stimme im Hinblick auf die Mehrheitsverhältnisse im Land. Die ist gleichsam Merkel-Stimme. Und deswegen werben wir für beide Stimmen für die Union." Quelle: AP
Peer Steinbrück, SPD-Kanzlerkandidat:"Es ist die 13. Landtagswahl hintereinander, wo die schwarz-gelbe Liebesheirat aufgekündigt worden ist." Quelle: dpa
SPD-Parteichef Sigmar Gabriel:"Der Einzug der FDP in den Bundestag ist seit heute Abend nicht sicher." Der SPD-Vorsitzende sieht bei einem Scheitern der FDP an der Fünf-Prozent-Hürde größere Chancen dafür, doch noch einen rot-grünen Erfolg bei der Bundestagswahl zu schaffen. „Wäre die FDP nicht im Bundestag, steigen die Chancen deutlich für Peer Steinbrück, Kanzler zu werden“, sagte Gabriel. Quelle: dpa
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Bundesjustizministerin (FDP):"In jeden Fall gibt es eine Zweistimmenkampagne. Es war aber schon immer angelegt und immer geplant. Dazu ist ja auch das Wahlrecht im Bund da." Quelle: dpa
FDP-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Rainer Brüderle:"In Bayern ticken die Uhren anders." Quelle: dpa
Grünen-Chefin Claudia Roth:"Wir sind enttäuscht, wir haben uns wirklich mehr erhofft." Quelle: dpa

+++ 20:05 Uhr +++

Die Grünen geben sich trotzig und wollen vorerst keine Konsequenzen aus der Schlappe bei den bayerischen Landtagswahlen ziehen und bei ihren Themen bleiben. „Die Konsequenz ist, sich nicht einschüchtern zu lassen“, sagte Spitzenkandidat Jürgen Trittin. Es sei klar gewesen, dass es schwer werden würde, das Rekordergebnis von 2008 (9,4 Prozent) zu übertreffen. „Wir hatten schon die Hoffnung, dass wir noch etwas zulegen könnten“, meinte er aber. „Ich halte trotzdem noch meine Wette, dass es nicht für Schwarz-Gelb reicht.“

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%