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Solar-Lobby Licht und Schatten bei Solarenergie

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Solarzellenproduktion in Quelle: dpa

Die Freunde der Sonne nutzen die ganze Bandbreite der Einflussnahme – gerade im Vorfeld der Anhörung im Bundestag am 5. Mai. Dabei will der Gesetzgeber – anders als die Lobby suggeriert – der Solarbranche keinen Strick drehen. Es geht nur um ein paar Prozentpunkte weniger Förderung. So sieht die EEG-Novelle vor, die Vergütungssätze im Jahr 2009 um neun Prozent, 2010 um sieben und ab 2011 um acht Prozent im Jahr zu senken. Derzeit liegt die Degression bei jährlich fünf Prozent. Die Novelle beinhaltet außerdem eine einmalige Absenkung der Grundvergütung für 2009 von einem Cent pro Kilowattstunde Solarstrom. Auch um diesen einen Förder-Cent streiten die Solar-Fundis – und lassen sich durch ökonomische Logik nicht beirren.

Dabei sind die geplanten Einschnitte der EEG-Novelle weder drastisch noch überraschend: Ziel ist, die fetten Margen der Solarkonzerne zu kappen und dafür die Stromkunden zu entlasten. Denn die Wachstumszahlen der Branche sind seit Jahren sonnig, der Solarverband rechnet bei anhaltend attraktivem Investitionsklima mit einer Verdopplung des Umsatzes auf zehn Milliarden Euro bis 2010. In den nächsten sieben bis acht Jahren soll das Umsatz- und Exportvolumen der Luft- und Raumfahrtindustrie überflügelt werden. Margen von bis zu sagenhaften 40 Prozent sind keine Seltenheit.

Deutschland, ein Sonnenparadies? Wohl kaum. Trotzdem werden in keinem Land der Welt so viele Solaranlagen gekauft. 2007 schraubten sich die Bundesbürger Module mit einer Leistung von 1300 Megawatt auf die Dächer – fast die Hälfte der globalen Nachfrage. 2010 dürften Solaranlagen mit einer Leistung von rund 6500 Megawatt neu installiert werden, prognostizieren die Berater von Photon Consulting. Die meisten Solaranlagen gibt es in Bayern und Baden-Württemberg, dort gehören blaue Panels auf dem Dach schon zum guten Ton.

Deutschland ist Zubau-Weltmeister. Die Nieselregen-und-Graupelschauer-Republik liegt weit vor sonnenreichen Regionen in Kalifornien, Spanien, Japan und Italien. China, wo bereits ein Großteil der weltweit produzierten Solarmodule hergestellt wird, bleibt mit einem Zubau von jährlich 200 Megawatt ein unbedeutender Markt. Entwicklungsländer in Afrika und Lateinamerika, die mit Siliziummodulen Krankenstationen im Busch mit Strom versorgen könnten, stehen ebenfalls im Solar-Schatten.

Grund für den deutschen Solarboom ist die großzügige Einspeisevergütung des EEG. Bisher garantiert das Gesetz jedem Stromerzeuger – also auch dem Privatmann mit seiner Mini-Solaranlage auf dem Dach – pro Kilowattstunde Sonnenenergie, die ins Netz eingespeist wird, eine Vergütung von etwa 47 Cent. Zum Vergleich: Der Strompreis an der Leipziger Energiebörse liegt bei nur fünf Cent. Für die deutsche Solarbranche bedeutet dies eine Subvention von derzeit 1,5 bis 3,5 Milliarden Euro im Jahr, rechnet das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen vor.

Für die deutschen Haushalte wird der Solarboom immer teurer. Denn eine heute errichtete Solaranlage verursacht durch garantierte Einspeisevergütung auch in 20 Jahren noch Kosten. Diese „Solarschulden“ belaufen sich einer RWI-Studie zufolge auf 23,3 Milliarden Euro – und zwar allein für die bis Ende 2007 installierten Module. „Das ist nichts anderes als ein kreditfinanziertes Beschäftigungsprogramm, wie es die SPD in den Siebzigerjahren gern aufgelegt hat“, sagt Manuel Frondel, RWI-Energieexperte. Das Problem: Nur in Deutschland ist die Förderung faktisch nicht gedeckelt, nur die Bundesrepublik leistet sich unbegrenzten Megawatt-Zufluss aus Solaranlagen. Bleibt die aktuelle Gesetzeslage bestehen, dürften sich die Solarschulden bis 2015 auf 120 Milliarden Euro summieren, schätzt Frondel.

Die hohe Einspeisevergütung heizt die Nachfrage künstlich an – allerdings profitieren davon längst nicht nur deutsche Hersteller. „Dank der unbegrenzten Förderung nimmt der deutsche Markt alle Solarmodule auf, die nicht anderswo zu höheren Preisen absetzbar sind“, sagt Anne Kreutzmann, Chefredakteurin der Branchenzeitung „Photon“. Die größten Player sitzen in Asien – und überschwemmen den lukrativen deutschen Markt mit ihren Produkten. Längst hat China Deutschland bei der Solarproduktion überholt und liegt nun erstmals auf Platz eins, wie eine Studie von „Photon“ zeigt. Demnach wurden in der Bundesrepublik im vergangenen Jahr Solarzellen mit einer Leistung von 875 Megawatt produziert. Im Reich der Mitte waren es dagegen 1200 Megawatt.

Sieben der zehn größten Hersteller von Solarzellen kommen mittlerweile aus Asien. Ähnlich sieht es beim Endprodukt aus, dem Solarmodul. Nur noch zwei deutsche Firmen schaffen es unter die Top Ten: Solarworld auf Platz sieben und Solon auf Platz zehn. Das Musterunter-nehmen Q-Cells aus Sachsen-Anhalt hat sogar Marktanteile verloren. Der Durchstarter des Jahres ist das chinesische Unternehmen Suntech – nach einem Produktionswachstum von 110 Prozent ist es nun der weltgrößte Modulhersteller.

Das EEG subventioniert aber nicht nur Arbeitsplätze im Ausland – es verdirbt auch im Inland die Anlagenpreise. So profitierte die Solarindustrie zwar von den Skaleneffekten einer explodierenden Produktion – sie verzeichnete eine Kostenreduktion von zehn Prozent –, doch die Preise für Solaranlagen stagnierten oder sanken nur leicht. Preise und Kosten sind entkoppelt – das ist natürlich nicht im Sinne der EEG-Erfinder. Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS), ein grundsätzlich branchenfreundlicher Verbraucherschutzverband, ermahnt deshalb die Solarindustrie, sie müsse Effizienzgewinne an den deutschen Stromkunden weiterreichen.

Subventionskürzungen sind also überfällig, aber vielen Experten gehen sie noch nicht weit genug. „Wer an technischen Innovationen interessiert ist, muss höhere Degressionen fordern“, sagt Josef Auer, Analyst bei der Deutsche Bank Research. Die hohe Vergütung fördere eine schnelle und massenhafte Verbreitung von Solaranlagen, die Hersteller blieben auf dem aktuellen Stand der Technik stehen.

So mancher Solar-Handwerker sieht das genauso. Bruno Seyb aus der Gegend um Heilbronn will den Musterbrief des Solarverbandes nicht mittragen. Er schickte das Schreiben zwar an seinen Abgeordneten, allerdings mit viel Kritik und einem eindeutigen Kommentar versehen: „Früher musste der Bauer in den Stall“, schreibt Seyb. „Heute legt er sich Solarzellen aufs Dach, legt die Beine hoch – zahlen tun es die anderen.“

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