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Solarförderung Von der Sonne geblendet

Dieses Jahr wurden auf den deutschen Dächern viel mehr Solaranlagen installiert als erwartet. Es ist ein Argument mehr für eine schnellere Absenkung der Solarförderung. Denn so paradox es auch klingt – eine hohe Förderung bremst den technologischen Fortschritt und schadet dem Klima.

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Blick auf das größte Quelle: dpa/dpaweb

Solarenergie ist der Renner in Deutschland. Auch in den Krisenjahren 2008 und 2009 haben die Bundesbürger kräftig in eigene Solaranlagen auf dem Dach investiert. Die Bundesnetzagentur meldet, dass allein von Januar bis September diesen Jahres knapp 1500 Megawatt (MW) neu ans Netz gebracht wurden. Die Solarzeitschrift Photon geht sogar von 3000 bis 4000 MW bis Ende des Jahres aus.

Das könnte sehr teuer werden. Falls 2009 tatsächlich 3000 MW Leistung hinzukommen, müssten die Stromkunden allein für diese Anlagen bis 2029 circa 17 Milliarden Euro an Solarförderung hinblättern, schätzt Manuel Frondel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung. Zusätzlich zu den 35 Milliarden, die sie für die Anlagen zahlen müssten, die zwischen 2000 und 2008 installiert wurden. Und jedes Jahr kommen neue Milliarden hinzu.

Offensichtlich lagen sowohl die Regierung als auch die Solarwirtschaft mit ihren Zubauprognosen komplett daneben. Das Bundesumweltministerium war für 2009 ursprünglich von 1300 MW ausgegangen. Auch 2008 lag die Regierung daneben – statt den erwarten 1250 MW wurden es mit 1933 MW satte 55 Prozent mehr. Ein frappierender Unterschied. Noch interessanter sind die Prognosen der Solarindustrie selbst – der Solarverband BSW beteuerte kurz vor der Novellierung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) im Mai 2008, dass bis 2014 jährlich Solarmodule mit einer Leistung von rund 700 Megawatt installiert würden.

Deutsche Solarunternehmen müssen Kosten senken

Zugegeben, es gibt im wirtschaftlichen Geschehen Unvorhersehbares. Doch manche vermuten hinter den niedrigen Angaben der Unternehmen und der Regierung eine Taktik, um den Gegnern der hohen Einspeisevergütung den Wind aus den Segeln zu nehmen. Denn für jedes Kilowatt Solarstrom, das eine in diesem Jahr gebaute Anlage ins Netz bringt, bekommt ihr Besitzer für die nächsten 20 Jahre 43 Cent vom Netzbetreiber. Das ist fast neunmal so viel wie der Strom derzeit an der Strombörse kostet.

Die Kosten wälzen die Netzbetreiber natürlich auf alle Stromkunden ab. Und das ist der springende Punkt, der das EEG zu einem hoch politischen Thema macht. Denn je mehr Solaranlagen gebaut werden, umso teurer wird es für die Bürger. So kann die Einspeisevergütung dem Ausbau der Solarenergie letztlich schaden, anstatt ihn zu forcieren.

Zum einen könnten die hohen Kosten die gesellschaftliche Akzeptanz von Solarstrom gefährden, befürchtet Anne Kreutzmann, Chefredakteurin von Photon. Und das wäre fatal, da der jährliche Zubau in ihren Augen eher bei 10 000 MW liegen müsste, um einen nennenswerten Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten.

Und zum anderen verhindert die üppige Förderung, dass die Hersteller von Solarzellen und die Installateure die um gut 40 Prozent gesunkenen Modulpreise an die Endkunden weitergeben. Dann würden die Betreiber von Solaranlagen trotz einer niedrigeren Einspeisevergütung immer noch gut verdienen.

Dazu würde auch die Nachfrage steigen. Und die deutschen Produzenten wären noch stärker gezwungen, auf Kosteneffizienz und technologischen Fortschritt zu setzen. Die Chinesen überholen die Deutschen nämlich nicht nur mit billiger Massenware, sondern auch mit günstigen Qualitätsmodulen  - natürlich weil sie niedrigere Löhne zahlen, aber auch weil sie mit einem moderneren Equipment arbeiten. Das müssen sich die deutschen Hersteller erstmal zulegen.

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