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Solarstrom Feuchte Träume

Forscher wollen mit einer neuartiger Wasserstofferzeugung direkt durch Sonnenstrom die Energiewende beflügeln. Klappt das?

Forscher versetzten Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) vor gut einer Woche in die Ekstase. Quelle: dpa

Es herrscht Wahlkampf, und der wirft seine Schatten auch auf eine Entwicklung des Helmholtz-Zentrums Berlin und der Universität im niederländischen Delft. Deren Forscher versetzten Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) vor gut einer Woche in die Ekstase, ein zentrales Problem der Energiewende sei bald gelöst: die Speicherung von Solarstrom, damit der nicht zur falschen Zeit die Netze überflutet. Bislang ist das wirtschaftlich nicht möglich.

Was Verbraucher zahlen
Stromverbraucher finden bei der Zusammensetzung des Strompreises einen Posten namens EEG-Umlage. Sie ist seit dem Jahr 2000 im Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) verankert, um Ökoenergien zu fördern. Quelle: dpa
Derzeit sind 3,59 Cent je Kilowattstunde zu zahlen. Bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr sind das für eine Familie Ökoförderkosten von 125 Euro pro Jahr. Gezahlt wird die Differenz zwischen dem Marktpreis, etwa für eine Kilowattstunde Solarstrom, und dem festen Fördersatz. Ein Beispiel: Quelle: dpa
Derzeit bekommt ein Hausbesitzer mit einer Solaranlage auf dem Dach 19,5 Cent pro Kilowattstunde. Wird der Strom an der Strombörse für 7 Cent verkauft, müssen die Verbraucher 12,5 Cent über die EEG-Umlage bezahlen. Quelle: dpa
Die Verwalter des Umlage-Kontos, die Übertragungsnetzbetreiber, berechnen angesichts der Anlagenzahl und Erfahrungswerten beim Wetter die möglichen Förderzahlungen und geben immer zum 15. Oktober eine Umlage für das kommende Jahr an. Verrechnen sie sich, wird das mit der nächsten Umlage korrigiert. Für 2013 werden Steigerungen bei der Umlage vorausgesagt. Quelle: dpa
Diese wären aber nicht primär dem rasant steigenden Anteil erneuerbarer Energien am Strommix (derzeit 20 Prozent) anzulasten. Industrieunternehmen wurden teilweise von Ökoförderkosten befreit, um sie in Deutschland zu halten. Gleiches gilt für Netznutzungskosten. Lasten werden also auf weniger Schultern verteilt. Quelle: dpa
Hinzu kommt eine teure Marktprämie für Besitzer von Wind- und Solarparks, die Strom selbst vermarkten. Und die mögliche Steigerung liegt in der Umlageberechnung begründet. Da immer mehr Solarstrom mittags den Börsenstrompreis senkt, wächst die Differenz zum Fördersatz und damit die Kosten für die Bürger. Der Solarstrom wird so also Opfer des eigenen Erfolges. Quelle: dpa

Genau das verspricht jetzt ein deutsch-niederländisches Team unter der Leitung des Materialwissenschaftlers Roel van de Krol: durch die direkte Umwandlung von Sonnenlicht in Wasserstoff. Doch mehr als Wahlkampfgetöse ist die Ankündigung nicht.

Chronik der Energiewende

Vereinfacht gesagt, hängt van de Krol eine speziell beschichte Solarzelle und eine Spirale aus Platin in Wasser. Fällt Sonne auf die Apparatur, entsteht eine elektrische Spannung, die das Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff spaltet. Der Wasserstoff kann gelagert und später in Brennstoffzellen oder Gaskraftwerken zu Strom und Wärme werden. Auf einer Fläche von 100 Quadratmetern könnte die Technik laut Krol in einer sonnenreichen Stunde künftig fast sechs Kilowattstunden Energie liefern.

In Arbeit
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Bis das in der Praxis so weit ist, werden allerdings viele Jahre vergehen. Ein erster Prototyp der Anlage ist erst wenige Quadratzentimeter groß. Und die Befreiung des Solarstroms von seinem Manko, nur bei viel Sonnenschein zu fließen, liegt in mindestens ebenso weiter Ferne.

Um bei einer Vollversorgung mit Solarstrom eine schattigen Tag zu überbrücken, wären für ganz Deutschland im Durchschnitt knapp 2.000 Gigawattstunden Strom aus Wasserstoff nötig. Dazu bräuchte es viele Hundert Quadratkilometer der neuen Technik.

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