Soziale Marktwirtschaft Warum viele Frauen mit dem Kapitalismus hadern

Viele Frauen sehen das Versprechen der sozialen Marktwirtschaft nicht erfüllt. Quelle: Imago

Viele junge Frauen zweifeln an der sozialen Marktwirtschaft. Das hat mit der Art und Weise zu tun, wie sie diese Marktwirtschaft selbst erleben. Ein Kommentar.

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Mehr als zwei Drittel junger Frauen sehen die Versprechen der sozialen Marktwirtschaft nicht erfüllt. Fast die Hälfte empfindet den Kapitalismus nicht als bestmögliches Wirtschaftssystem für Deutschland. Beides zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey unter 16- bis 29-Jährigen.

Das ist besorgniserregend – denn offenbar bietet das System aus Sicht der Frauen eben nicht Chancen für alle. Die befragten Männer zweifeln auch, aber deutlich seltener. Zwar nennt die Erhebung keine Gründe, doch die Unterschiede verwundern nicht angesichts der Eindrücke, die auf (nicht nur junge) Frauen wirken. Eine Auswahl: In Unternehmen versucht man(n), die Frauenquote zu umgehen – jüngstes Beispiel: der Maschinenbauer Deutz. Branchenübergreifend verdienen Frauen im Schnitt 18 Prozent weniger pro Stunde als Männer. Kinderbetreuung bleibt, gerade in der Pandemie, meist an den Müttern hängen.

Wer das als Folge individueller Entscheidungen abtut, macht es sich zu leicht. Politik und Wirtschaft sind gefragt: Mit mehr Chancengleichheit, etwa über ein Steuersystem ohne Ehegattensplitting – und mit der Erkenntnis, dass erfolgreiche Firmen nicht über die Hälfte ihrer Fachkräfte hinwegsehen.

Mehr zum Thema: Bei Deutz mussten CEO und Aufsichtsratschef ihre Posten räumen, weil sie sich uneinig über die Umsetzung der Frauenquote waren. Wiebke Ankersen von der Allbright Stiftung erklärt, was andere Unternehmen aus diesem Debakel lernen können.

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