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SPD-Kanzlerkandidatur Peer Steinbrück kämpft ums Kanzleramt

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Karriere als Wahlverlierer

Germany's former Finance Minister Peer Steinbrueck Quelle: REUTERS

Trotz des Lobes aus der Parteiführung: Steinbrück hat keine Ochsentour  durch SPD-Ortsvereine hinter sich. Er hat das politische Geschäft nicht im Gerangel der Lokalpolitik und SPD-Unterbezirke gelernt. Das macht ihn für viele Parteisoldaten an der Basis nicht unbedingt sympathisch. Schon sein Weg zum Parteibuch war eher unüblich und nicht vorgezeichnet. Er stammt aus wohlhabender Hamburger Familie.  In die SPD brachte ihn, wie er selbst erzählt hat, sein Vorgesetzter bei der Bundeswehr. Auch das sicher kein typischer Weg für einen jungen Mann im Jahre 1969. Steinbrück war Reserve-Offizier bei der Panzertruppe – der modernen Kavallerie.

Steinbrück hat den Aufstieg in der Politik über eine schnelle Ministerialbeamtenkarriere begonnen und dann durch die Förderung wichtiger Spitzenpolitiker die entscheidenden Schritte gemacht. Ein Weg der in Steinbrücks Generation damals noch weniger üblich als heute war. Nach dem Volkswirtschaftsstudium wurde er 1974 Referent im Bundesbauministerium und dann 1977  persönlicher Referent der Minister Hans Matthöfer und Volker Hauff im Bundesministerium für Forschung und Technologie. Und vielleicht noch entscheidender: Er war „Hilfsreferent“ im Bundeskanzleramt – unter Helmut Schmidt.

Persönlicher Referent von Johannes Rau

Nach mehreren ministerialen Stationen wurde Steinbrück 1986 persönlicher Referent des ewigen NRW-Ministerpräsidenten Johannes Rau. Der Landesvater von Düsseldorf war der entscheidende Karriere-Booster für den Hamburger. 1990 wechselte Steinbrück als Staatssekretär ins schleswig-holsteinische Umwelt- und dann ins Wirtschaftsministerium. Heide Simonis hob den Beamten, der sich bis dahin noch nie einer Wahl hatte stellen müssen, 1993 in sein erstes Ministeramt.  Wolfgang Clement machte ihn 1998 zum nordrheinwestfälischen Wirtschafts- und dann 2000 zum Finanzminister.

Als er 2002 Clement - ohne Landtagswahlen - als Ministerpräsident beerbte, war er erst seit zwei Jahren Abgeordneter. Die große Schlappe, im Nachhinein gesehen wohl ein persönlicher Glücksfall, in Steinbrücks Karriere war sein desaströses Landtagswahlergebnis vom Mai 2005. Die Niederlage war der direkte Anlass für die von Schröder herbeigeführten vorgezogenen Bundestagswahlen. Der Wahlverlierer Steinbrück stand im November 2005 dennoch als persönlicher Gewinner da. Die SPD-Führung entschied, wie schon einmal mit Hans Eichel geschehen, einen Landesverlierer zum Bundesgewinner zu machen: Steinbrück wurde – ohne Bundestagsmandat - Finanzminister in der großen Koalition. Die Finanzkrise bescherte ihm dann große staatsmännische Auftritte, unvergessen die fernsehöffentliche Garantie der Spareinlagen am 5. Oktober 2008. Als Retter des Volkes glänzen zu können, ist für einen Politiker mit höheren Ambitionen, ein Glücksfall. Die Flutbekämpfer Helmut Schmidt und Gerhard Schröder könnten das bestätigen.

Deutschland



Nach dem Ende der großen Koalition war Steinbrück zwar nicht mehr Finanzminister, aber zum ersten mal Bundestagsabgeordneter. In Seinem Wahlkreis Mettmann I hatte er zwar gegen eine gewisse Michaela Noll von der CDU verloren. Als dritter auf der SPD-Landesliste zog er dennoch in den Bundestag ein. Der Ex-Finanzminister brauchte kein zentrales Amt in Fraktion oder Partei, um sich für allerhöchste Würden in Stellung zu bringen. Wie immer in seiner Karriere wählte er den Weg über die Protektion eines großen Mannes. Er schwebte als analytischer Denker der ganz großen  Fragen, mit Helmut Schmidt Schach spielend, über den Niederungen der Wahlkreise und des sozialdemokratischen Parteigerangels.

Steinbrücks erstaunliche Karriere hat bewiesen: Um ein großer Staatsmann und schließlich Kanzlerkandidat zu werden, muss man keine Wahlen gewinnen. Wie es aussieht, wird ihm das nun nicht einmal innerhalb seiner Partei zugemutet.

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