SPD-Mitgliedervotum 92 Prozent der Anhänger rechnen mit "Ja"

Genau 474.820 Sozialdemokraten konnten bis Donnerstagnacht über die Große Koalition abstimmen. Die Stimmen sollen bis morgen Abend ausgezählt werden.

SPD-Mitglieder-Votum-Zettel Quelle: dpa

Nicht nur der SPD-Vorstand, auch die große Mehrheit der Bundesbürger rechnet damit, dass die Mitglieder mit "Ja" für eine Große Koalition stimmen werden. Damit könnte am Samstag der Weg für die neue Bundesregierung frei sein. Laut ZDF-Politbarometer sind es 83 Prozent der Deutschen, die mit einer Zustimmung rechnen. Unter den SPD-Anhängern seien es sogar 92 Prozent.

Die Stimmzettel werden am Samstag von 400 Mitgliedern in Berlin ausgezählt. Mit einem Ergebnis rechnet man zwischen 16 und 18 Uhr. Mit "Hochleistungsschlitzgeräten" können zwar bis zu 20.000 Briefe in der Stunde geöffnet werden, aufgrund der hohen Wahlbeteiligung von rund 300.000 Stimmen könnte die Auszählung aber trotzdem länger dauern. Gestern war aus SPD-Kreisen außerdem bekannt geworden, dass jede zehnte Stimme ungültig sei, weil die Mitglieder keine eidesstattliche Erklärung beigelegt hatten.

Die SPD-Führung rechnet trotz allem mit einer deutlichen Zustimmung. Am Sonntag wollen Union und SPD bekanntgeben, wie sich die Bundesregierung zusammensetzen soll. Die Wiederwahl von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) durch den Bundestag ist für Dienstag geplant. Die SPD-Bundestagsfraktion wird sich außerdem am Sonntagnachmittag zu einer Sitzung treffen. Aus Fraktionskreisen hieß es am Freitag, die direkte Neuwahl eines Fraktionsvorsitzenden sei bisher nicht geplant. Thomas Oppermann könnte der Nachfolger von Frank-Walter Steinmeier werden, der in der Großen Koalition Außenminister werden könnte. Auch am Montag trifft sich die Fraktion zu einer Sitzung.

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Das Politbarometer zeigt auch, dass die Zustimmung in Deutschland zur Großen Koalition allgemein gering ausfällt. Rund die Hälfte der Befragten fänden sie gut, 33 Prozent sprechen sich dagegen aus. Bei Unions- und SPD-Anhängern ist die Zustimmung höher und die Ablehnung ist geringer. Sollten die SPD-Mitglieder überraschend den Koalitionsvertrag mit der Union ablehnen, plädiert eine Mehrheit der Befragten (54 Prozent) für Neuwahlen. Für eine schwarz-grüne Koalition sprachen sich 22 Prozent aus, während 18 Prozent für Rot-Grün-Rot wären. Für die Umfrage interviewte die Forschungsgruppe Wahlen 1255 Wahlberechtigte.

Im Fall von Neuwahlen würden die Parteien derzeit aber kaum anders abschneiden als bei der Wahl am 22. September. Die rechnerisch möglichen Koalitionsmöglichkeiten blieben unverändert. Demnach käme die Union auf 42 Prozent, die SPD könnte mit 25 Prozent rechnen, wenn am Sonntag gewählt würde. Die Linkspartei würde mit zehn Prozent drittstärkste Kraft vor den Grünen mit neun Prozent. FDP und AfD würden mit je vier Prozent den Einzug in den Bundestag verpassen.

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