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SPD-Mittelstandsbeauftragter „Die Quittung bekommen wir dann bei Wahlen“

Harald Christ gibt sein Amt als SPD-Mittelstandsbeauftragter zurück, da ihm seine Partei zu weit nach links strebt. Quelle: imago images

Der SPD-Mittelstandsbeauftragte Harald Christ hört auf – aus Protest gegen seine Partei, die ihm viel zu weit nach links driftet. Er fühlt sich auf verlorenem Posten.

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Herr Christ, Sie stellen im Dezember Ihr Amt als SPD-Mittelstandsbeauftragter zur Verfügung. Wer ist schuld an Ihrem Abgang?
Es geht nicht um Schuld – und es liegt auch nicht an einzelnen Köpfen. Dass ich dieses Amt zurückgebe, ist die Folge einer langsamen und umso schmerzhafteren Erkenntnis: Ich finde mich mit meinem Einstehen für eine unternehmer- und mittelstandsfreundliche Sozialdemokratie, die Erwirtschaften und Verteilen gleichermaßen im Blick hat, zunehmend an den Rand gedrängt. Die Partei strebt nach links. Für mich deutlich zu weit nach links. Da fühle ich mich leider auf verlorenem Posten.

Klingt wie eine tiefe Entfremdung.
Ich bleibe ja politisch aktiv, ich werde mich über das SPD-Wirtschaftsforum weiter einbringen. Aus der Partei flüchte ich nicht. Aber was ich zuletzt erlebt habe, konnte ich in einem Amt nicht mehr mittragen.

Was meinen Sie genau?
Die Karikatur eines Unternehmers, die die SPD-Bundestagsfraktion nach der Soli-Teilabschaffung über Twitter verbreitete, etwa. Als ob in diesem Land Wohlhabende alle nur auf der faulen Haut liegen, während die Geldscheine zum Fenster reinfliegen! Das war eine Frechheit. Oder die Debatten um immer rigidere Mietendeckel. Oder die Vermögensteuer. Oder die Überlegungen, große Konzerne zu kollektivieren. Alles großer Irrsinn. Und dann empfinde ich auch die Regionalkonferenzen, in denen sich die neuen Vorsitzenden-Duos präsentieren, als Schaulaufen nahezu ausschließlich linker Positionen.

Ist die SPD mittlerweile eine Linkspartei light?
Das ist Ihre Wortwahl – nein. Aber die Hoffnung vieler Parteifreunde, mit einer Kursverschiebung nach links neue Wähler zu gewinnen – die trügt allemal. Millionen von Menschen haben uns früher gewählt, die dank SPD-Politik aufgestiegen sind, ihre persönliche Fortschrittsgeschichte geschrieben haben, selbst zu verdientem Wohlstand gekommen sind. Und genau die verprellen wir doch jetzt. So viele sind in diesem Land bereit, solidarisch gegenüber Schwächeren zu sein, der Gesellschaft etwas zu geben. Sei es über Steuern, sei es, weil sie gute, verantwortungsvolle Unternehmer sind und Jobs schaffen. Die kann man doch nicht zu Gegnern erklären!

Wann genau hat die SPD diese Leistungsträger als Wähler verloren?
Das ist ein langer Prozess. Es gibt zu viele wirtschaftsaffine, auch prominente Köpfe in der Partei, die sich zurückgezogen haben; Stimmen wie meine werden immer marginaler. Der linke Flügel übernimmt die Partei – und lauscht lieber den Verlockungen eines Kevin Kühnert. Die Quittung bekommen wir dann bei Wahlen.

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