Spenden-Aktion Umwelthilfe wehrt sich gegen "Kinder-Drückerkolonnen"-Vorwurf

Umwelthilfe-Chef Jürgen Resch Quelle: dpa

Verkehrsminister Andreas Scheuer ist kaum im Amt, schon hat das Verhältnis zwischen dem Ministerium und der Umwelthilfe einen neuen Tiefpunkt erreicht: Die DUH will Äußerungen des Ministers vor den Presserat bringen.

In einem Interview mit dem "Handelsblatt" hatte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gesagt, er halte nichts von dem Vorschlag der Grünen, die Autoindustrie für Abgasmanipulationen finanziell zu bestrafen: „Die Grünen haben andere Interessen und werden flankiert von der Deutschen Umwelthilfe, die offensichtlich Kinder als Drückerkolonnen für Spenden einsetzt“. Diesen Vorwurf weist die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zurück und hofft, dass der Presserat ihr recht geben wird: „Wir werden den Vorgang dem Presserat vorlegen“, erklärte Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH, auf Anfrage der WirtschaftsWoche.

Verkehrsminister Scheuer bezog sich auf einen Bericht der "Bild"-Zeitung, die berichtet hatte, dass die Schulaufsicht in Baden-Württemberg eine DUH-Sammelaktion gestoppt habe. „Für ihre inzwischen abgebrochene Spendenaktion warb der Interessenverein mit Flugblättern gezielt bei Lehrern und an Schulen. Schüler sollen – so heißt es in der Broschüre – bei den Nachbarn, auf dem Wochenmarkt oder bei Familienfesten für die Umwelthilfe sammeln“, so die "Bild"-Zeitung. Fazit des Boulevard-Blatts: „Seit Jahren muss sich der Verein gegen Vorwürfe wehren, er bekämpfe als Diesel-Hasser die deutsche Autoindustrie und ließe sich von ausländischen Automobilherstellern sponsern. Doch das Geld allein scheint ihm nicht zu reichen: Der Lobby-Verein hat Kinder im Alter von 11 bis 13 Jahren zum Betteln auf die Straße geschickt.“

Sascha Müller-Kraenner und Jürgen Resch leiten gemeinsam die Geschäfte der Deutschen Umwelthilfe e.V. Quelle: DUH/Holzmann

Die DUH kritisiert, dass der Minister die Behauptungen der „Bild“-Story – Überschrift: „So schicken die Diesel-Hasser Kinder betteln“ - nicht nur übernommen, sondern mit der Bezeichnung „Drückerkolonnen“ sogar noch zugespitzt habe: „Uns beunruhigt, dass Mitglieder der Bundesregierung die Falschaussagen der "Bild"-Zeitung ungeprüft übernehmen und weiterspinnen. Diese Art von Fake-News-Kampagnen waren wir bisher nur aus den USA oder vom rechten Rand des Bundestages gewöhnt.“

Laut Umwelthilfe sind mehrere Vorwürfe in dem "Bild"-Bericht falsch. Anders als berichtet, habe das Kultusministerium die Sammlung nicht abgebrochen. Das habe das Ministerium der DUH bestätigt: „Die Sammlung, auf die sich die "Bild"-Zeitung bezieht, fand wie geplant im Zeitraum 20.4. bis 29.4.2018 an vielen Orten in Baden-Württemberg statt“, heißt es in einer Pressemitteilung der Organisation. „Erstmalig und ausschließlich das Regierungspräsidium in Freiburg hat sich dagegen ausgesprochen, dass Lehrkräfte einer Schule in Radolfzell, des Friedrich-Hecker-Gymnasiums, für die Haus- und Straßensammlung der DUH werben.“

Mit der jährlich durchgeführten Haus- und Straßensammlung unterstützt die DUH laut eigenen Angaben seit 42 Jahren Naturschutzverbände und Schulklassen bei der Realisierung verschiedener Umweltprojekte. Die Aktion finde jährlich in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Saarland mit rund 75 Sammelgruppen statt. Der frühere baden-württembergische Kultusminister Helmut Rau (CDU) sei mehrfach Schirmherr dieser Sammlung gewesen.

Anders als von „Bild“ behauptet, handle es sich auch nicht um eine Spendensammlung zum Nutzen der DUH. Die Sammlung sei zweckgebunden für Projekte, die dem Natur- und Umweltschutz zugutekommen. 60 bis 70 Prozent der Einnahmen stünden den Sammelgruppen für die Finanzierung ihrer eigenen Projekte zur Verfügung. Die übrigen Mittel würden von der DUH an Naturschutzprojekte auf Kreis- und Landesebene vergeben. Fünf bis zehn Prozent verblieben bei der DUH. 90 Prozent der Gelder – und nicht wie von „Bild“ behauptet 60 Prozent – flössen somit in die lokalen Umweltprojekte. Mit dem einbehaltenen Geld bezahlt die DUH unter anderem Versicherungen und Werbemittel für die Sammel-Gruppen.

Dass die DUH Kinder als Drückerkolonnen einsetze, hält DUH-Chef Jürgen Resch für einen „absurden Vorwurf“: „Wenn ich das Scheuer-Zitat wörtlich nehme“, sagt Resch, „dann hat auch die katholische Kirche ein Problem, denn dann sind die Sternsinger nichts anderes als Kinder-Drückerkolonnen der Kirche.“

5 günstige Diesel ohne Fahrverbot-Risiko
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