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Sprachexperte Funk "Firmen sollten Flüchtlingen Deutschkurse anbieten"

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"Der Staat kann nicht alles machen"

Bis die Flüchtlinge gut genug Deutsch sprechen, braucht es viele Stunden Unterricht – und das wird teuer. Der Deutsche Akademische Auslandsdienst schätzt zum Beispiel, dass ein Flüchtling, der für den Zugang zu einer Universität ein Jahr Deutschunterricht braucht, etwa 5000 Euro kostet.
Wir reden immer über die Kosten des Sprachunterrichts. Viel teurer ist doch die Sprachlosigkeit! Außerdem heißt es ja nicht, dass einer keine Fachkenntnisse hat, nur weil er kein Deutsch spricht. In Deutschland fehlen Ingenieure, aus Syrien kommen teils gut ausgebildete Leute zu uns. Warum gehen Firmen nicht gezielt auf die zu?

Was schlagen Sie vor?
Der Staat kann nicht alles machen. Firmen sollten selbst Sprachkurse für Flüchtlinge anbieten.

So engagieren sich Ehrenamtler als Deutschlehrer für Flüchtlinge

Für Menschen, bei denen Unternehmen nicht einmal wissen, ob sie im Land bleiben dürfen?
Firmen geben ja bereits Kurse für Deutsch als Fremdsprache, das Personal ist da. Wir haben in einer Umfrage mit 30 Unternehmen, darunter viele Dax-Konzerne, herausgefunden, dass die Nachfrage nach Deutschunterricht stärker steigt als die nach Englischkursen.

Ich sehe die Gefahr, dass sich Unternehmen für Sprachkurse nur Menschen aussuchen, die großes Potenzial bieten. Da werden doch viele Flüchtlinge ausgeschlossen.
Das glaube ich nicht, denn wir brauchen ja nicht nur Ingenieure in Deutschland. Handwerker und Handwerkskammern können genauso gut Sprachkurse anbieten. Klar ist: Flüchtlinge sind in erster Linie junge und arbeitswillige Menschen, die viel getan haben, um zu uns zu kommen. Diese Chance müssen wir nutzen! Außerdem wäre es auch gut für das Image von Unternehmen.

Welchen Unternehmen könnten Flüchtlinge am meisten nutzen?
Zunächst mal all jenen, die Beziehungen in den arabischen Raum haben. Deutschland ist eine Exportnation und Arabisch ist eine Weltsprache: Mehr als 300 Millionen Menschen weltweit sprechen arabisch.

Was Flüchtlinge dürfen

Was bringt das der deutschen Wirtschaft langfristig?
Die Deutschen haben schon jetzt ein hervorragendes Image im arabischen Raum. Und schauen Sie sich die Entwicklung bei den Türken der dritten Generation in Deutschland an: Dort haben wir einen hohen Anteil an Selbstständigen. Einige gehen zurück in ihre Heimat und bauen dort die Wirtschaft mit auf – mit deutscher Ausbildung. Das wirkt sich sehr positiv auf die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei aus. Warum sollen wir das mit Syrern nicht auch schaffen?

Große Teile Syriens sind vom Krieg zerstört, das Land ist in einem katastrophalen Zustand.
Ich hoffe, dass dort irgendwann wieder eine Normalität einkehrt. Und dann kehren auch Menschen dorthin zurück, die in Deutschland viel gelernt haben – nicht zuletzt die deutsche Sprache.

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