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Stadtpolitik "Deutlich angespannte Wohnungsmärkte"

Die Probleme auf dem Wohnungsmarkt treffen vor allem sozial Schwache. Stadtplanungsexperte Klaus Beckmann über intelligente Politik zur Schaffung von preiswertem Wohnraum und die Pläne der Parteien.

Wo der Wohnungskauf unbezahlbar wird
Platz 15: DüsseldorfWer sich in der Landeshauptstadt eine schicke Eigentumswohnung zulegen möchte, um es an den Wochenenden nicht weit für einen Spaziergang an der Rheinpromenade zu haben, der musste im Schnitt 2,821 Euro pro Quadratmeter investieren – fast 20 Cent mehr als im ersten Quartal des vergangenen Jahres. Damit ging es für das „Dorf“ mit der längsten Theke der Welt zwei Plätze rauf. Quelle: Grundlage sind Berechnungen des Beratungsunternehmens empirica für das vierte Quartal 2012. Das Referenzobjekt ist ein Neubau mit 60 bis 80 Quadratmetern und gehobener Ausstattung. Quelle: dpa
Platz 14: MünsterNach Münster, der Fahrradfahrerstadt, zieht es viele Studenten, deshalb ist die Wohnungsnachfrage groß und folglich die Mieten relativ hoch. Doch auch eine Eigentumswohnung ist nicht billig zu haben, wie der Preisvergleich zeigt. Ein Quadratmeter kostet hier durchschnittlich 2,862 Euro. Quelle: dpa
Platz 13: KölnDie wenigsten können sie wie Lukas Podolski zu seiner Zeit beim FC eine Wohnung in einem der Kranhäuser direkt am Rhein leisten. Wer sich in der Millionenstadt schon mal nach einer Wohnung, ob zur Miete oder zum Kauf, umgesehen hat, der weiß, wie schwierig das ist – und teuer. 2,867 Euro kostet der Quadratmeter für eine durchschnittliche Eigentumswohnung; die Preise sind in den vergangenen Monaten kontinuierlich gestiegen, allerdings nicht so stark wie in anderen Regionen. Quelle: dpa
Platz 12: IngolstadtBei Ingolstadt denkt man(n) sofort an Audi, wo der Autobauer seinen Sitz hat, und nicht an hohe Wohnungspreise. Tatsächlich kostet im beschaulichen bayerischen Städtchen der Quadratmeter 2,874 Euro – und damit mehr als in Düsseldorf, Köln oder Berlin. Erstaunlicherweise ist Ingolstadt, was die Mieten angeht, nicht viel preiswerter, dort liegt die Stadt auf Platz 14. Quelle: dpa
Platz 11: PotsdamWie viel der Quadratmeter in Sanssouci kostet, ist leider unbekannt. Stünde das Prachtschloss zum Verkauf, müsste man schon sehr, sehr tief in die Tasche greifen. Aber es muss ja nicht gleich ein Königspalast sein: In Potsdam allgemein sind es 2,877 Euro für die eigenen vier Wände – ebenfalls nicht ganz billig. Besser sieht es bei den Einfamilienhäuser aus, da sind es nur rund 2,25 Euro pro Quadratmeter. Quelle: dpa
Platz 10: UlmDas beeindruckende Ulmer Münster mit seinem 161,5 Meter hohen Kirchturm, dem höchsten der Welt, dominiert das Stadtbild und ist fast von überall zu sehen. Wer den Blick auf das Gotteshaus jeden Tag vom Balkon seiner eigenen Wohnung genießen möchte, muss dafür einiges investieren. 2,894 Euro kostet ein Quadratmeter. Im ersten Quartal 2012 waren es noch gut 15 Cent weniger. Quelle: dpa
Platz 9: LandshutEinen der größten Sprünge in der Auflistung hat Landshut gemacht, das mitten in Niederbayern liegt. Von Rang 13 ging es seit Anfang des vergangenen Jahres um vier Plätze nach oben. In dem gerade einmal 64.000 Einwohnern lebenden Städtchen müssen Wohnungsinteressenten im Schnitt 2,910 Euro pro Quadratmeter einkalkulieren. Quelle: dpa

Herr Beckmann, herrscht in Deutschland wieder akute Wohnungsnot?

Beckmann: Noch keine Not, aber wir haben tatsächlich einige deutlich angespannte Wohnungsmärkte. Menschen ziehen wieder in die Städte, und sie bleiben dort, weil ihnen dort einfach mehr zum Leben geboten wird. Das führt zu diesen Problemen.

Wen trifft es vor allem?

Klaus Beckmann Quelle: Presse

Der größte Druck lastet vor allem auf sozial schwachen Gruppen. Der für diese Schichten staatlich subventionierte Wohnraum schrumpft Jahr für Jahr, gleichzeitig steigen die Preise auf dem freien Markt. In extrem überhitzten Regionen wie München müssen dann selbst Mittelschichtsfamilien ins ferne Umland ausweichen.

Was sollte getan werden? Der soziale Wohnungsbau hat sich doch überlebt.

Der wäre tatsächlich nicht mehr zu finanzieren. Wir brauchen mehrere Ansätze: Mehr Bauland zur Entlastung wäre das eine. Neubau ist ja endlich wieder attraktiv. Städte verfügen hier über rechtliche Mittel und Wege, reine Bürosilos zu verhindern. Das entspannt Quartiere. Aber wir brauchen darüber hinaus konkreten Schutz für die sozial Schwächeren. Da halte ich Belegungsbindungen, also öffentlich bezuschusste Wohnungen in privaten Immobilien, heute für die intelligenteste, weil flexibelste Lösung – gerade auch bei Neubauten. Da können und sollen Kommunen mit Bauträgern eng kooperieren.

Berlin will Grundstücke zukünftig nicht mehr nur noch an den Meistbietenden verkaufen. Ein richtiger Weg?

Wenn die Stadt an gewerbliche Nutzer verkauft, halte ich Bieterverfahren weiterhin für angebracht. Da hat die Konsolidierung des Haushaltes Vorrang. Aber beim Wohnungsbau könnte dieses Umsteuern helfen, die beschriebenen Probleme zu mildern. Wer die Kaufpreise nicht bis ganz oben ausreizt, schafft zumindest die Voraussetzungen für erschwinglichere Mieten.

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