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Stadtwerke-Chef "Wir brauchen einen Energieminister"

Exklusiv

Der Chef von Europas größtem Stadtwerke-Verbund Trianel, Sven Becker, fordert einen Masterplan für die Energiewende und kritisiert den unkontrollierten Zubau der erneuerbaren Energien.

Sven Becker Quelle: Trianel

„Erst wenn ein Masterplan gesicherte Rahmenbedingungen vorgibt, werden Investoren im notwendigen Ausmaß in Netze, Speicher und Kraftwerke investieren“, sagt Becker im Interview mit der WirtschaftsWoche. Bislang geschehe der Zubau bei den Erneuerbaren „völlig unkoordiniert und kostenineffizient“. Es drohten „gefährliche Verwerfungen“.

Zwar begrüßt Becker den Ausbau der Erneuerbaren, plädiert aber für ein langsameres Vorgehen: „Solange wir keine Speicher und ausgebauten Netze haben, ist es volkswirtschaftlicher Unsinn, das gewaltige Tempo beim Ausbau der Erneuerbaren um jeden Preis einzuhalten.“ Es führe dazu, dass in Zeiten hoher Einspeisung der Erneuerbaren hoch subventionierter Grünstrom zu Schleuderpreisen ins Ausland geliefert werde.

Becker: „So ging im Februar Fotovoltaikstrom für 60 bis 70 Euro die Megawattstunde nach Frankreich, dessen Produktion hier entsprechend den Sätzen des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes, des EEGs, mit 250 bis 300 Euro vergütet wurde.“ Um solche Fehlentwicklungen zu verhindern, schlägt Becker die Einrichtung eines eigenen Bundesenergieministeriums vor, das „die Bemühungen koordiniert und ihnen eine klare Richtung gibt“.

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Zudem fordert Becker ein Marktmodell, das Anreize schafft, in Speicherkraftwerke und moderne fossile Kraftwerke zu investieren. „Wir sind auf Ausgleichskraftwerke angewiesen“, so Becker. „Die Sonne in Deutschland scheint nur 900 bis 1000 Stunden im Jahr, das Jahr hat aber 8760 Stunden hat. Für mehr als 7000 Stunden müssen wir also alternative Erzeugungsquellen bereithalten“, rechnet Becker vor.

Sein Fazit: „Wir werden uns vorübergehend zwei Kraftwerksparks leisten müssen, einen erneuerbaren und einen fossilen.“ Das werde den Strom auf jeden Fall verteuern. Becker erwartet, dass die EEG-Umlage, die auf die Rechnung der Stromkunden aufgeschlagen wird, auf bis zu 4,7 Cent je Kilowattstunde (kWh) steigen wird. Heute beträgt sie knapp 3,6 Cent.

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