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Städteranking 2016 Das sind Deutschlands beste Städte

Exklusiv

Welche Städte haben die größte Wirtschaftskraft, welche entwickeln sich am dynamischsten? Wo finden Unternehmen gute Rahmenbedingungen vor – wo nicht? Wo entstehen die meisten Zukunftsjobs und wo kommt der Strukturwandel nicht voran? Der große Städtetest der WirtschaftsWoche gibt die Antworten.

Die zehn besten Städte Deutschlands
Hamburg Quelle: dpa
Ulm Quelle: dpa
Darmstadt Quelle: DPA/Picture-Alliance
Wolfsburg Quelle: dpa
Regensburg Quelle: Dpa
Stuttgart Quelle: dpa
Frankfurt

Allmählich wird es eng hinter der Hackerbrücke nahe dem Münchner Hauptbahnhof. Kürzlich hat hier der Internetkonzern Google ein neues Entwicklungszentrum eingeweiht. Gut 400 Softwarespezialisten tüfteln darin, die obligatorischen Kickertische, das firmeneigene Fitnesscenter und eine schicke Kantine sollen für gute Laune sorgen, für eine Stimmung, in der große Ideen gedeihen. In den kommenden Monaten kommen noch einmal 400 Kollegen dazu.

Eine Straße weiter hat der Fahrdienstvermittler Uber Büros angemietet, vergangenen Monat eröffnete Amazon in der Nähe ein Logistikzentrum für seinen neuen Dienst Amazon Prime Now.

Der bajuwarische Boom hat seinen Grund. München spielt ökonomisch schlicht in einer anderen Liga als der Rest der Republik. Das zeigt der große Städtetest von WirtschaftsWoche, Immobilienscout24 und IW Consult.

Die Studie ist der umfangreichste kommunale Leistungstest in Deutschland und analysiert die Standortqualität, Wirtschaftskraft und Zukunftsperspektiven aller 69 kreisfreien Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern.

Die Studie besteht aus zwei Teilen: Die Niveauwertung vergleicht die aktuellen Werte von 53 Indikatoren, also die absolute Wirtschaftskraft. Hier liegt München wie in den Vorjahren vorn, der zweite Platz geht an Erlangen, es folgt Ingolstadt. Dahinter liegen Frankfurt und Stuttgart. Die rote Laterne glimmt in den Ruhrgebietsstädten Herne und Gelsenkirchen.

Das Dynamikranking analysiert die Veränderungsraten von 40 Indikatoren in den vergangenen fünf Jahren. Auch hier ist München in diesem Jahr nicht zu schlagen, auf den weiteren Plätzen folgen Vorjahressieger Ingolstadt und Aufsteiger Würzburg. Am Ende der Tabelle stehen Oberhausen – und wiederum Gelsenkirchen.

Eine dritte Auswertung schließlich bündelt 13 Indikatoren rund um die Themen Innovation, Kreativität und Digitalisierung zu einem Zukunftsindex. Hier liegen Darmstadt, Erlangen und München ganz vorn, Herne und Hamm ganz hinten.

Niveauranking 2016: Die besten Städte Deutschlands

Nie zuvor in der zwölfjährigen Geschichte des Städtetests hat es eine Stadt geschafft, sowohl das Niveau- als auch das Dynamikranking zu gewinnen. Doch wo andere Städte ein ausgeprägtes Stärken-Schwächen-Profil vorweisen, ist München durchgängig gut, kann seine Performance sogar noch weiter verbessern und steht bei nahezu allen wichtigen Indikatoren auf vorderen Plätzen.

Bezogen auf die Erwerbsfähigenzahl werden etwa nirgendwo in Deutschland so viele neue Firmen gegründet wie an der Isar. Dazu kommen die gute Infrastruktur, eine hohe Lebensqualität und nicht zuletzt die gute Sicherheitslage. Oft fallen Besuchern als Erstes die im Vergleich zu anderen Städten vielen Polizisten auf den Straßen und Sicherheitskräfte in U- und S-Bahnen auf. Das Ergebnis: Auf 100.000 Einwohner kommen nur 6465 Straftaten – noch sicherer sind nur Fürth, Erlangen und Jena.

Niveauranking 2016: Die schlechtesten Städte Deutschlands

Kehrseite des Booms sind die explodierenden Preise für Wohnraum. Sowohl bei den Preisen für Eigentumswohnungen als auch bei den Mieten belegt München den Spitzenplatz – ein Beleg für die Attraktivität der Stadt, auf den die Betroffenen gern verzichten würden. Immer mehr Menschen pendeln jeden Tag aus dem Umland und sogar von Augsburg oder Ingolstadt in die bayrische Landeshauptstadt.

Für Christian Schmidkonz, Ökonom an der Munich Business School, ist die größte Herausforderung für die Stadtpolitik denn auch, „bei der weiteren Entwicklung Münchens die Sozialverträglichkeit zu gewährleisten“.


NRW: Problem bleibt das Ruhrgebiet

Als Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) im August ihre Glückwunschrede zum 70. Geburtstag von Nordrhein-Westfalen hielt, war sie voll des Lobes. NRW habe sich „neu erfunden als Land von Wissenschaft, Forschung und Bildung. An Rhein und Ruhr ist so ein tiefer Strukturwandel – bei allen Schwierigkeiten – besser gelungen als in vergleichbaren Regionen der Welt.“

Legt man die Ergebnisse des Städtetests zugrunde, ist dies eine ziemlich gewagte These. Ein Drittel der 69 untersuchten Großstädte liegen in NRW – aber nur fünf finden sich in der oberen Hälfte des Niveaurankings wieder.

In der Dynamikwertung kommt die beste NRW-Stadt erst auf Platz 27 (Düsseldorf), während bayrische Städte die ersten fünf Ränge unter sich ausmachen und Baden-Württemberg sechs Städte vor der NRW-Landeshauptstadt platzieren kann. „Für ein so bedeutendes Bundesland ist dieses Ergebnis eine Katastrophe“, sagt Michael Bahrke, wissenschaftlicher Leiter der Studie bei IW Consult.

Dynamikranking 2016: Die Gewinner

Zwar geht es entlang der Rheinschiene weiter aufwärts. Köln schiebt sich in der Dynamikwertung um 17 Plätze auf Rang 33 vor, für Düsseldorf geht es gar um 19 Plätze nach vorne. Auf der anderen Seite steht jedoch das ökonomische Siechtum des Ruhrgebiets, das alle Förderprogramme, Hilfsprojekte und Diversifizierungsstrategien der Vergangenheit nicht haben stoppen können. Im Dynamikranking liegt die beste Ruhrgebietsstadt auf Rang 48 (Dortmund) – und die fünf letzten Plätze werden allesamt von Revierstädten belegt.

Aufsteigerregion Franken

Franken durchlief in den vergangenen Jahrzehnten einen schmerzhaften Strukturwandel. Große Namen wie Grundig und Quelle verschwanden von der Unternehmenslandkarte, 2007 machte das traditionsreiche Nürnberger AEG-Hausgerätewerk dicht.

Dynamikranking 2016: Die Verlierer

Doch wie es scheint, erleben altindustrielle Standorte in Franken jetzt eine Renaissance. Die Region ist im diesjährigen Städtetest der klare Aufsteiger. Im Dynamikranking schaffen es die vier fränkischen Großstädte Würzburg, Fürth, Erlangen und Nürnberg allesamt in die Top 10 und legen gegenüber dem Vorjahr kräftig zu. Deutliche Verbesserungen gibt es vor allem in der Wirtschaftsstruktur und auf dem Arbeitsmarkt.

Die Top 5 im Zukunftsindex

In Ostdeutschland zeigt sich derweil eine immer stärkere Spaltung. Von der Wachstumsdynamik her konnten einige Großstädte in den vergangenen Jahren zu den prosperierenden Zentren im Süden aufschließen, in puncto Niveau setzten sie sich von den altindustriellen Problemstädten im Westen ab. Diese Entwicklung aber ist offenbar gestoppt. So verbessert sich im Niveauranking diesmal nur eine ostdeutsche Stadt (Rostock), die Dynamik des Vorjahres kann einzig Potsdam überbieten. Stattdessen verlieren einige Städte kräftig an Boden. So rutscht die Universitätsstadt Jena sowohl im Niveau (–3) als auch in der Dynamik (–14) ab, ähnlich ergeht es Dresden, Leipzig, Chemnitz , Magdeburg und Halle.

Die Verlierer im Zukunftsindex

Und was ist mit Berlin? Immer noch arm, aber sexy? Im Dynamikranking liegt die Hauptstadt stabil auf Platz neun, im Niveau verbessert sie sich leicht um vier Plätze auf Rang 39. Anders ausgedrückt: Berlin arbeitet sich im Städteranking Schritt für Schritt nach oben.

Getragen wird der gemächliche Aufstieg vor allem von Erfolgen auf dem Arbeitsmarkt und einem boomenden Immobiliensektor. „Die Entwicklung der Kaufpreise macht deutlich, dass die Hauptstadt auf dem Einkaufszettel internationaler Immobilienanleger steht“, sagt Jan Hebecker, Leiter Märkte und Daten bei ImmobilienScout24. „Mit einer Renditeerwartung von vier Prozent haben Anleger eine hohe Investitionssicherheit.“

So sind in Berlin seit 2011 die Preise für Eigentumswohnungen um 62 Prozent gestiegen (Platz 7), auch die Mieten legten in diesem Zeitraum um 30 Prozent zu (3). Davon profitiert auch die lokale Wirtschaft, da in Berlin inzwischen viele Neubauten entstehen. So stieg die Anzahl der Baugenehmigungen seit 2011 um 5,6 Prozent. „Berlin hat immer noch Magnetwirkung und zieht jedes Jahr viele Zuzügler an. Prognosen gehen davon aus, dass die Hauptstadt bis 2030 rund 3,8 Millionen Menschen zählen wird“, sagt Hebecker.

Und so dürfte es nicht mehr lange dauern, bis man auch in Berlin über die Luxusprobleme schimpft, die bisher nur rund um die Münchner Hackerbrücke bekannt sind: steigende Lebenshaltungskosten, knappe Arbeitskräfte, hohe Löhne. Irgendwas ist halt immer.

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