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Städteranking 2021 Das Ruhrgebiet bekommt Vorbildcharakter

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Imagewandel: Innovation statt Kohle und Stahl

Das Image als innovative Städteregion ist allerdings noch brüchig. Noch immer denken viele beim Ruhrgebiet zuerst an Kohle und Stahl. Im 19. Jahrhundert hatte das Ruhrgebiet seinen wirtschaftlichen Höhepunkt erreicht, als eines der wichtigsten Kohlegebiete Europas. Die Stahlindustrie wurde ein großer Arbeitgeber, immer mehr Arbeiter zogen in die Region, um in den Zechen zu arbeiten. Doch mit der Kohlekrise in den 1950er-Jahren endete diese Ära. Bis heute sind die Überreste dieser Zeit zu finden: Zechen, alte Industriewerke und Arbeitersiedlungen. „Das Ruhrgebiet muss sich eine neue Geschichte überlegen, die es nach außen verkauft“, sagt IW-Consult-Experte Kempermann.



Günstige Mieten locken Arbeitnehmer

Eine Geschichte, die zum Beispiel die Zukunft in den Blick nimmt. Denn so gut wie jede Stadt hat ihren eigenen innovativen Fokus gefunden: Gelsenkirchen setzt mit einem Forschungsinstitut auf Internet-Sicherheit, in Duisburg werden Wasserstoff und Batteriezellen erforscht, Dortmund ist in der Informationstechnologie und der Logistik stark.

Das lockt Zukunftsbranchen an, so auch in Bochum auf der ehemaligen Opel-Fläche. VW will dort Software für seine Autos entwickeln, IT-Unternehmen werden neue Sicherheitslösungen entwickeln, und die Grundlagen dazu erforscht dann das neue Max-Planck-Institut für Sicherheit und Privatsphäre. Diese Mischung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft scheint anzukommen: Das Opel-Gelände, so berichtet Wirtschaftsförderer Frohwein, sei bereits fast vollständig ausgebucht. Auch der Gesundheitscampus, ein weiteres großes Gewerbegebiet mit Unternehmen und einer Hochschule, ist voll. Aktuell sucht die Stadt ein neues Gelände.

Was den Zuzug qualifizierter Fachkräfte ins Revier erleichtert: Die Mieten sind noch vergleichsweise günstig. In Mülheim an der Ruhr etwa zahlen Mieter im Schnitt 7,90 Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: In München sind es fast 18 Euro. Auch punkten Ruhrgebietsstädte wie Hamm, Bochum und Dortmund durch einen stetigen Ausbau der Kitaplätze. Auch die Straftaten gehen seit Jahren zurück. In Mülheim an der Ruhr etwa sank die Kriminalität im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2015 um 39 Prozent – das ist der stärkste Rückgang aller 71 untersuchten deutschen Großstädte. Danach folgen Essen (Platz 2), Bochum (Platz 7), Dortmund (Platz 9) und Bottrop (Platz 10). Auch solche Faktoren sorgen dafür, dass Hochschulabsolventen nach ihrem Abschluss nicht direkt das Weite suchen.

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    Doch ohne eines würde der Wandel im Pott nicht gelingen: Geld. Allein der Abbau der Opelhallen und die Wiederaufbereitung der Fläche hat 160 Millionen Euro gekostet. Zu viel für die Stadt Bochum allein. Deshalb hat das Land Nordrhein-Westfalen die Hälfte bezahlt und so das neue Gewerbegebiet erst möglich gemacht. „Die hohe Verschuldung vieler Städte und Kommunen macht die Erschließung neuer, attraktiver Gewerbegebiete schwierig“, bestätigt IW-Consult-Analyst Kempermann. Genug alte Industriebrachen zum Umwandeln wären aber vorhanden.

    Derweil scheint es sich auch jenseits der Landesgrenzen herumzusprechen, dass das Ruhrgebiet mehr ist als eine Region des chronischen Niedergangs: Jüngst informierten sich chinesische Wissenschaftler bei einem Workshop mit der RUB und der Technischen Universität Berlin, wie der technologische Strukturwandel in der alten Kohleregion voranschreitet.

    Mehr zum Thema: Der große Städtetest 2021: 71 Kommunen, 105 Kriterien. Wie Ihre Stadt abschneidet bei Jobs, Immobilien, Lebensqualität – und warum Provinzzentren im Kommen sind.

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