WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Städtetest 2010 Metropolen fallen im Städtetest zurück

Wohlstand, Jobs, Zukunftsperspektiven: Die große Exklusivstudie der WirtschaftsWoche zeigt, wo es sich in Deutschland am besten leben, arbeiten und investieren lässt. Überraschendes Ergebnis: Dynamische Mittelstädte laufen den Metropolen den Rang ab.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Siemens-Verwaltungsgebäude in Quelle: AP

Die wirtschaftliche Stärke Deutschlands liegt in der Provinz – das zeigt der große Städtetest von WirtschaftsWoche, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und IW Consult Köln. Gewinner des diesjährigen Rankings ist das vergleichsweise kleine Städtchen Erlangen, gefolgt von Ingolstadt und Ulm. Erst auf Platz 4 kommt Dauerfavorit München. Beste ostdeutsche Stadt ist Jena auf Rang 33. Vertreter des bevölkerungsreichsten Landes Nordrhein-Westfalen tauchen im Ranking erstmals auf den Rängen 18 (Münster) und 19 (Düsseldorf) auf. Die gesamtdeutsche rote Laterne geht an Gelsenkirchen.  

Die Exklusivstudie umfasst die 100 einwohnerstärksten kreisfreien Städte und ist der mit Abstand umfangreichste Leistungs-Check für Kommunen in Deutschland. Insgesamt mussten sich die Städte in 92 Disziplinen messen lassen, darunter Arbeitsmarktdaten, Standortbedingungen und Konjunkturentwicklung, daneben aber auch die lebensnäheren Bereiche wie Anzahl von Kitaplätzen und Freizeitangeboten. Das Gesamtranking setzt sich dabei aus zwei Teilbereichen zusammen. Die sogenannte Niveauwertung vergleicht die aktuellen Ist-Werte der Indikatoren. In der Dynamiktabelle hingegen spiegelt sich die Veränderung der Daten seit 2004 wider – was auch Städten mit schwieriger Ausgangslage die Chance gibt, positiv auf sich aufmerksam zu machen.

Siegerstädte punkten mit rubuster Wirtschaft und sozialer Stabilität

Die Siegerstadt Erlangen vereint wie keine andere deutsche Kommune ökonomische Stärke mit sozialer Stabilität und hohem Zukunftspotenzial. Die Arbeitslosenquote liegt bei nur rund vier Prozent; Ökonomen nennen so etwas Vollbeschäftigung. Auf 100 Einwohner kommen in Erlangen nur rund drei Hartz-IV-Empfänger, so wenig wie in keiner anderen deutschen Stadt. Außerdem gibt es in der Stadt an der Regnitz die höchste Ingenieurdichte, den größten Anteil an hoch Qualifizierten unter den Beschäftigten und die geringste Überschuldung der Privathaushalte.

Erlangen ist nicht die einzige deutsche Mittelstadt mit ökonomisch ausgezeichneten Perspektiven. So punktet der Zweitplatzierte Ingolstadt mit der bundesweit höchsten Jobdichte. Seit 2004 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 8,5 Prozent gestiegen. Ulm, mit Platz drei ebenfalls auf dem Siegertreppchen vertreten, überzeugte mit einer „aktiven Industriepolitik“, wie Oberbürgermeister Ivo Gönner (SPD) die Erfolgstrategie seiner Stadt beschreibt. Die Stadt kauft jedes Jahr für 20 bis 25 Millionen Euro Grundstücke und Immobilien an und stellt sie Investoren günstig zur Verfügung. Dadurch zählt Ulm heute zu den attraktivsten Wirtschaftsräumen der Republik.

Audi-Produktion in Ingolstadt Quelle: obs

Viele mittelgroße Städte an der Peripherie gewinnen auch deshalb an Attraktivität, weil sie attraktive Rahmenbedingungen für die Wirtschaft und deren Beschäftigte bieten können, gleichzeitig aber nicht die sozialen Probleme der Großstädte haben – oder nur in geringerem Ausmaß. Dabei zeigt sich einmal mehr: Es gibt eine gefährliche Schere zwischen boomenden und wirtschaftlich darbenden Regionen.

Insgesamt neun der Top-Ten-Städte kommen aus Bayern oder Baden-Württemberg, und selbst die Kandidaten aus strukturschwächeren Gebieten der beiden Südstaaten liegen im Ranking im vorderen Bereich. Auf den Plätzen 51 bis 100 findet sich hingegen keine einzige Stadt aus Bayern oder dem Ländle.

Im Osten der Republik sind wirtschaftliche Boom-Regionen dagegen nach wie vor rar gesät. Eine Ausnahme ist das thüringische Jena, das sich mit Platz 33 den Titel der besten Oststadt holt. Das Erfolgsrezept ist die enge Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft. Die Fachkräfte für die dominierenden Branchen Optik, Medizintechnik, Solar, Biotechnologie und Softwareentwicklung werden zu einem großen Teil an Universität und Fachhochschule selbst ausgebildet. Rund 26 Prozent der Beschäftigten haben einen Hochschulabschluss, damit liegt Jena nur knapp hinter Spitzenreiter Erlangen. Bei der Wirtschaftsleistung je Einwohner ist jedoch noch viel Luft nach oben. Hier reicht es nur für Platz 58. Auch bei der Kaufkraft hinken die Jenaer hinterher. Im Schnitt 14 531 Euro hatte jeder Bürger 2008 zur Verfügung – Platz 98.

Gelsenkirchen am Ende

Ein geringes Wohlstandsniveau zeichnet auch das Schlusslicht im diesjährigen Städtetest aus. In Gelsenkirchen gibt es gleich mehrere Baustellen zu beackern: hohe Arbeitslosigkeit, hohe Schulabbrecherquote, überdurchschnittlich viele Hartz-IV-Empfänger. Grund für das schlechte Abschneiden ist die zu passive Strukturpolitik der Vergangenheit. Denn während andere Ruhrgebietsstädte vergleichsweise früh Kohle und Stahl gegen andere Wirtschaftszweige tauschten, stützte sich Gelsenkirchen noch lange auf den Bergbau. Allerdings: Seit einigen Jahren betreiben auch die Gelsenkirchener eine aktive Standortpolitik, ehemalige Industriebrachen werden zu neuen Wohn- und Gewerbegebieten erschlossen. Im Dynamikranking wird das daher auch mit einem guten Platz 21 belohnt.

Mehr zum Städtetest und den Siegerstädten lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der WirtschaftsWoche, ab Montag 13.12.2010 am Kiosk erhältlich.

Eine ausführliche Version der Exklusivstudie mit vielen noch unveröffentlichten Einzeltabellen gibt es ab Montag zudem als PDF zum Herunterladen unter www.wiwo-shop.de. Der Preis beträgt 29,95 Euro. Darin enthalten ist auch das jüngste umfangreiche Bundesländerranking der WirtschaftsWoche.

Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%