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Standort Deutschland Ex-SAP-Chef Kagermann fordert mehr Staat

Der Staat soll sich künftig vermehrt in die Wirtschaft einmischen, um den Industriestandort Deutschland im globalen Wettbewerb zu erhalten. Das fordert der Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) und Ex-SAP-Chef Henning Kagermann.

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Henning Kagermann Quelle: AP

„Wir erleben zunehmend einen Wettbewerb der Wertschöpfungsketten, der von Regierungen angeheizt wird“, sagte Kagermann im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Und da sieht die deutsche Industrie, glaube ich, den Staat zu Recht verstärkt als Koordinator und Orchestrator, der unternehmensübergreifende Ansätze zum Erhalt von Wertschöpfungsketten hierzulande anschiebt.“ Zur Begründung für eine solche Neuauflage der Industriepolitik führt Kagermann die Politik in wichtigen Ländern an. „Die Regierungen anderer Staaten, von China über Japan und Frankreich bis zu den USA, fördern massiv bestimmte Branchen und Unternehmen. Dadurch haben die Schlüsselwettbewerber der deutschen Unternehmen ganz klare Nachteile.“ Es gebe zunehmend einen Wettbewerb der Wertschöpfungsketten, der von Regierungen angeheizt werde, so Kagermann. Das werde Deutschland im kommenden Jahr und danach immer stärker spüren.

Im gleichen Interview empfahl Kagermann der Bundesregierung, bei der Auslagerung von Computerprogrammen und Datenbanken ins Internet, dem sogenannten Cloud Computing, keinen eigenen deutschen Weg weiterzuverfolgen. „Deutschland könnte sich dem französischen Gemeinschaftsprojekt Andromède anschließen, an dem der Staat, das Telekomunternehmen Orange sowie Thales und Dassault Systèmes beteiligt sind“, so Kagermann.

Beim Cloud Computing befürchten insbesondere deutsche Unternehmen ausspioniert werden zu können, wenn sie Firmensoftware und -datenbanken via Internet auf Rechnern amerikanischer Unternehmen laufen lassen würden, auf die US-Geheimdienste Zugriff haben könnten.

Kagermann zählt zu den profiliertesten Berater der Bundesregierung und steht unter anderem der Nationalen Plattform Elektromobilität vor, in der Vertreter von Unternehmen, Verbänden und Politik die Einführung von Elektroautos in Deutschland vorantreiben.

Kagermann hält Scheitern des Atomausstiegs für möglich

Henning Kagermann hält ein Scheitern des Ausstiegs aus der Atomenergie in Deutschland für möglich. „Der Ausstieg kann klappen, aber auch scheitern. Bis jetzt sind zentrale Fragen ungeklärt“, sagte Kagermann im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. So wolle die Bundesregierung künftig nicht nur mehr regenerative, sondern auch mehr dezentrale Stromerzeugung. Nach einer neuen Studie von Acatec erfordere eine dezentrale Versorgung jedoch neben dem Ausbau der Fernleitungen auch einen massiven Ausbau der regionalen Verteilungsnetze. „Das würde mehr kosten und ungleich länger dauern“, so Kagermann. Würde die Grundsatzentscheidung dazu nicht bald fallen, sieht Kagermann erhebliche negative Folgen. „Dann wird von allem ein bisschen gemacht, nichts wird vollständig sein, alles dauert länger und wird erheblich teurer.

Kagermann zählt zu den profiliertesten Berater der Bundesregierung und steht unter anderem der Nationalen Plattform Elektromobilität vor, in der Vertreter von Unternehmen, Verbänden und Politik die Einführung von Elektroautos in Deutschland vorantreiben.

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