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Standort Deutschland Warum Deutschland bei der Digitalisierung lahmt

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Neue Versprechen

Unverdrossen verspricht die Regierung trotzdem, dass künftig alles besser wird. Mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G schaffe die Bundesregierung „die Grundlage der Gigabit-Gesellschaft“, sagt Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), und gebe den Startschuss für das digitale Echtzeitalter: „Dafür legen wir als erstes Land eine umfassende 5G-Strategie vor.“ Dobrindt gelobt, „ab 2018 erste Versuchsinstallationen mit Vor-5G-Technik“ durchzuführen. Der kommerzielle Start soll zwei Jahre später folgen.

Schöne Worte. Aber für Experten ist die 5G-Strategie aus dem Verkehrsministerium vor allem „Wahlkampf“, sagt Klaus Landefeld vom Internetverband Eco. „Das Szenario, dass wir bis 2020 eine marktfähige 5G-Kommunikation bekommen, halte ich für unrealistisch.“ Denn 5G sei nicht einfach nur die Weiterentwicklung des bisherigen LTE-Mobilfunkstandards, sondern basiere auf einer ganz neuen Philosophie, auf einen restlos unverzögerten Datentransfer: „Die große Herausforderung ist, eine Echtzeitkommunikation zu ermöglichen.“ Das sei Voraussetzung etwa für autonomes Fahren oder digital gesteuerte Operationen aus der Ferne.

Dafür sei ein „Umdenken im Netzausbau erforderlich“, das sei zurzeit noch nicht absehbar, sagt Infrastrukturexperte Landefeld. Für den neuen Standard müssten etwa die Funkmasten noch enger, in einem Radius von etwa zehn Kilometern, zusammenstehen, besser seien fünf Kilometer. Der Aufbau des Netzes dauere daher wohl „zehn Jahre und mehr“. Experten rechnen mit Investitionen von bis zu 100 Milliarden Euro.

Auch der Staat müsste in diese Digital-Highways der Zukunft investieren. Konkrete Summen dafür sucht man in den Wahlprogrammen der Volksparteien aber vergebens. Es gibt allenfalls grobe Pläne bei der Union. „In der nächsten Legislaturperiode sollte Deutschland jedes Jahr drei Milliarden Euro in den Ausbau der Glasfaserinfrastruktur investieren“, sagt Thomas Jarzombek, netzpolitischer Sprecher der CDU. Klingt gut. Doch was sind digitale Wahlkampfversprechen heute noch wert?

Der Beamte Bürger braucht für sein Bürgerportal gar nicht viel Geld. In den kommenden fünf Jahren veranschlagt er für sein Projekt Kosten in Höhe von etwa 500 Millionen Euro – Peanuts im Digitalzeitalter.

Dennoch ist Bürger sehr vorsichtig geworden. Im August soll das Bürgerportal online gehen. Aber erst einmal nur in einer abgespeckten Beta-Version. Der digitale Fortschritt bleibt eine Schnecke in Deutschland.



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