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Standort DeutschlandWirtschaftsweise Malmendier glaubt an Olaf Scholz’ Wirtschaftswunder

Die Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier hält nichts von Abgesängen auf den Standort Deutschland. Und doch sagt sie: Die Bundesrepublik müsse viel mutiger und dynamischer werden, wenn sie konkurrenzfähig bleiben will.Max Haerder 14.07.2023 - 09:27 Uhr

Ökonomin Ulrike Malmendier

Foto: imago images

Das sind so Nachrichten, auf die sie im Kanzleramt und im Wirtschaftsministerium gerade sehnsüchtig warten: Siemens kündigte am Donnerstag an, eine Milliarde Euro am Standort Deutschland zu investieren. Infineon wiederum meldete am selben Tag bei einem Besuch von Robert Habeck: der Bau einer neuen Halbleiterfabrik modernster Art am Standort Dresden sei voll im Plan.

Zwei Erfolge gegen das Abstiegsgerede waren das, gegen zuletzt eher düstere Platzierungen in Standortrankings. Zwei Beispiele dafür, dass der neue kranke Mann Europas vielleicht doch nur eine Kreislaufschwäche erlebt. Oder?

Wenn man Ulrike Malmendier fragt, wie sie über Deutschland denkt, bekommt man eine ausführlichere Antwort. Die Wirtschaftsweise lehrt und forscht im kalifornischen Berkeley. Ihrer amerikanischen Perspektive fehlt natürlich die unmittelbare Nähe zur deutschen Debatte – gleichzeitig ist ein bisschen Entfernung manchmal umso besser, um das ganze Bild sehen zu können, dass im Staub des polit-ökonomischen Debattengetümmels schnell verloren geht.

Zur Person
Ulrike Malmendier ist Professorin für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Berkeley. Sie studierte VWL und Jura in Bonn, promovierte zunächst in den Rechtswissenschaften und später in Ökonomie. Dem Rat der Wirtschaftsweisen gehört sie seit September 2022 an.

Also, wie steht es um das neue Wirtschaftswunder, Frau Malmendier, dass Olaf Scholz verspricht? Ihre Antwort: „Der Kanzler wird ja oft belächelt für seine Aussage. Und ja: Zweistellige Wachstumsraten sind etwas zu hoch gegriffen. Dennoch verteidige ich ihn an der Stelle: Wir haben beste Voraussetzungen für neues Wachstum, gerade deutsche Umwelttechnologien können einen Unterschied machen.“

Kein Aber? Doch. Der Optimismus kommt mit Einschränkungen. Und hier treffen sich auch die Ökonomin und der Siemens-Chef mit ihrer Analyse. Beide haben Vertrauen in die Stärken des deutschen Standorts, seine Fachkräfte, die Rechtssicherheit, das Ökosystem aus Forschung und Zulieferern. Gleichzeitig sehen sie die vielen Defizite, Schwächen und Nachholbedarfe. „Wir müssen mutiger werden, dynamischer, hier und da auch drastischer“, sagt Malmendier. Es wäre zum Beispiel schön, wenn das Deutschlandtempo auch jenseits der LNG-Terminals sichtbar würde. „Wir sind mit allem unglaublich kompliziert und langsam geworden“, sagte wiederum Siemens-Boss Roland Busch im „Handelsblatt“.

Standort Deutschland

„Wir schwächeln nicht einfach so vor uns hin“

Die Wirtschaftsweise Ulrike Malmendier lehrt in Berkeley. Wie schaut sie auf den Standort Deutschland? Den Kanzler? Und das gigantische US-Klimapaket? Das verrät sie im Interview.

von Max Haerder

Die Wirtschaftsweise Malmendier wünscht sich jedenfalls von der deutschen Wirtschaftspolitik viel mehr Pragmatismus, Experimentierfreude und Initiative – etwa bei den von der Bundesregierung geplanten Sonderabschreibungen: „Die Ampel hat bei Sonderabschreibungen ja große Ambitionen – und Deutschland noch größeren Investitionsbedarf. Also ja, da würde ich mir sehr viel mehr wünschen“, sagte sie der WirtschaftsWoche – auch mit Blick auf die neuen Sechs-Milliarden-Pläne des Finanzministers zu Investitionsprämien und Steuererleichterungen.

Da könne man sich in der Tat eine Menge bei den USA abschauen, findet Malmendier: „Das amerikanische Fördersystem will Unternehmern Sicherheit geben, womit sie zu rechnen haben. Das deutsche und europäische System hingegen strebt nach Sicherheit für den Fiskus. Wir stellen Planbarkeit für den Staat über die Planbarkeit für die Wirtschaft. Das mal anders zu versuchen könnte sich lohnen.“

Der Standort habe seine Stärken, die es zu erhalten gelte, sagt sie weiter: Eine immer noch gute Ausbildung, gerade in technischen Berufen. Eine tolle Vernetzung von Forschung und Industrie. Dazu Rechtssicherheit, eine stabile Gesellschaft, sozialen Zusammenhalt – jedenfalls im Vergleich zu vielen Ländern. „Das“, sagt sie, „müssen wir uns erhalten.“ Um zuletzt dann doch noch ein weiteres Aber in ihr Lob hineinzumischen: „Und das heißt auch, dass die Politik sich nicht in Feindbildern und Kulturkämpfen verfängt.“ 

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