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Start-up-Beauftragter Jarzombek „Zu viel staatliches Geld ist irgendwann auch schädlich“

Der neue Beauftragte für die Digitale Wirtschaft und Start-ups: Thomas Jarzombek (CDU). Quelle: dpa

Thomas Jarzombek, neuer Beauftragter für Digitalwirtschaft und Start-ups des Wirtschaftsministeriums, über partnerschaftliche Investments, warum Behörden einen Markt für neue Technologien schaffen sollten und er sich wünscht, dass Dax-Unternehmen beherzter Start-ups zukaufen.

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Herr Jarzombek, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat Sie gerade zu seinem Beauftragten für digitale Wirtschaft und Start-ups gemacht. Ihre Kollegen in der Digitalisierungsabteilung bearbeiten das Thema längst, eine neue Stabsstelle künstliche Intelligenz gibt es nun außerdem. Droht da kein weiteres Zuständigkeitswirrwarr, wie es manche schon bei der Bundesregierung insgesamt beklagen?

Im Gegenteil. Unser Ministerium hat sehr viele Themen und die Digital- und Start-up-Szene wünscht sich einen exklusiven Ansprechpartner, auch unser Beirat Junge Digitale Wirtschaft hat das gefordert. Ich bin jetzt quasi die Antwort darauf und werde unseren Dialog mit der Szene verbessern. Das scheint direkt zu wirken: Die ersten Pitches habe ich bereits in den ersten Tagen zugeschickt bekommen.

Wofür werben die Gründer?

Um Finanzierungen.

Die Sie persönlich ihnen nicht zusagen können. Verbände fordern schon länger einen Deutschlandfonds, um fehlendes Kapital für junge Unternehmen in der Wachstumsphase zu mobilisieren, auch, indem er das Risiko für private Investoren reduziert. Bringen Sie einen solchen Fonds, für den oft Dänemark als Vorbild gilt, jetzt voran?

Ich finde es wichtig, ordnungspolitisch sauber zu agieren. Deshalb frage ich immer zuerst: Was ist die Aufgabe des Staates und was die Aufgabe der Wirtschaft? Es ist bereits sehr viel öffentliches Geld im Markt der Start-up-Finanzierung, mit unseren verschiedenen Instrumenten, vor allem in den frühen Phasen. Das funktioniert gut, aber wir müssen nun unbedingt mehr privates Kapital akquirieren. Dafür wollen wir institutionellen Investoren wie Versicherern Anreize geben, damit sie in Start-ups investieren – hier denken wir unter anderem über einen Dachfonds nach. Am Ende wird das Modell aber natürlich nicht so ausgestaltet sein können, dass es für Unternehmen komplett risikofrei wird.

Was bedeutet das konkret?

Bei den bisherigen Instrumenten teilen wir Chance und Risiko, machen partnerschaftliche Investments. So ist sichergestellt, dass niemand leichtfertig mit staatlichem Geld agiert und Investitionsentscheidungen mit seinem eigenen Geld trifft. Was wir in Deutschland neben Wagniskapital aber unbedingt brauchen, sind Integratoren, also Unternehmen, die Start-ups kaufen. So wie Google und Facebook das im großen Stil tun und diesen dann die Möglichkeit zum richtig großen, langfristigen Wachstum geben. Hier liegt der Ball im Feld der deutschen Unternehmen, die hier zuweilen sehr zögerlich sind.

Was sollen die tun?

Ich würde mir wünschen, dass Dax-Unternehmen beherzter Start-ups zukaufen. Sonst werden die irgendwann zu US- oder chinesischen Unternehmen, wenn sie in der Wachstumsphase 50 oder 60 Millionen Euro Kapital benötigen, um zu wachsen – und keine europäischen Investoren mehr finden. Meine Aufgabe und die des Ministeriums sehe ich dabei eher als vernetzende, appellierende – und weniger darin, das mit eigenem Geld zu tun. Anreize sind durchaus denkbar, aber zu viel staatliches Geld ist irgendwann auch schädlich.

Aber ganz kann der Staat die Verantwortung auch nicht den Konzernen zuschieben, oder?

Es gibt unheimlich viele öffentliche Einkäufer. Die sollten auch mehr Produkte von Start-ups beziehen und damit einen Markt für neue Technologien schaffen. Ich denke an alle Arten von Behörden bis hin zu kommunalen Krankenhäusern. Das ist für uns eine Aufgabe. Vielleicht ist es eine Konferenz, um zu zeigen, welche Lösungen es gibt, seien es Programme oder Geräte. Vielleicht müssen wir auch eine Plattform bauen, auf der kommunale Einkäufer für sie passende Lösungen finden.

Ein neuer Anbieter bedeutet für eine Behörde – ebenso wie für ein Unternehmen – auch erst einmal mehr Arbeit.

Ja, aber damit lässt sich zum Teil unglaublich viel Zeit und Geld sparen. Ich denke da zum Beispiel an Drohnen. Ein Feuerwehrmann hat mir kürzlich erzählt, wie hilfreich es ist, wenn man bei einem Eisenbahnunglück die Lage sehr schnell mit Luftbildern einschätzen kann, noch bevor man vor Ort ist. Und ohne, dass man einen Hubschrauber losschicken muss.

Was, wenn ein solcher Anbieter, auf den sich eine Kommune verlässt, pleite geht – was bei jungen Unternehmen ja durchaus mal passieren kann?

Ja, das kann passieren. Start-ups können auch keine drei Jahresbilanzen vorlegen, das ist klar. Aber wir müssen in den Prozess einfach einmal einsteigen. Und dabei auch genau hinschauen, ob es regulatorischen Bedarf gibt, um hier Dinge zu ermöglichen.

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