Statistik der Rentenversicherung Jede zweite Rente war 2012 niedriger als Hartz IV

Die gesetzliche Rente allein sichert für viele Ruheständler kaum das nötigste zum Leben. Laut einer Statistik der Deutschen Rentenversicherung belief sich 2012 fast jede zweite Rente auf weniger als 700 Euro.

Hier ist die Rentenangst am größten
Platz 10Von den Menschen, die im Ernährungswesen tätig sind, also zum Beispiel Bäcker, Diätassistenten oder Fitnessberater, sorgen sich 41 Prozent besonders stark um ihre finanzielle Zukunft. Quelle: dapd
Platz 9Bei Bank- und Versicherungsfachleuten glauben 42 Prozent, dass ihre gesetzliche Rente später nicht zum Leben reichen wird. Quelle: Fotolia
Platz 843 Prozent der Bürger, die in sozialen Berufen beschäftigt sind, also zum Beispiel Pädagogen oder Sozialarbeiter, fürchten um ihre Versorgung im Alter. Quelle: dpa
Platz 7Von den Beschäftigten in der Metallkonstruktion (z.B. Industriemechaniker) oder Installation (z.B. Heizungsinstallateur) glauben 45 Prozent nicht, dass ihre Rente später ausreichen wird. Quelle: dapd
Platz 6Wer als Hilfsarbeiter, also etwa als Kellner, tätig ist, sorgt sich oft um seine Zukunft; 46 Prozent fürchten um ihre finanzielle Absicherung im Rentenalter. Quelle: AP
Platz 5Ebenfalls 46 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitsdienst, also etwa Kranken- oder Altenpfleger, sorgen sich um ihre gesetzliche Rente. Quelle: dpa
Platz 4Von den Bürgern, die in Hotels, Gaststätten, oder in der Hauswirtschaft arbeiten, glauben 49 Prozent nicht an eine ausreichende gesetzliche Altersvorsorge. Quelle: AP

Damit lag die Rente unter dem Niveau der Grundsicherung, wie die Bild-Zeitung in ihrer Dienstagsausgabe berichtet. Hunderttausende Rentner arbeiten als Minijobber auch im Ruhestand. 48,21 Prozent der Alters- und Erwerbsunfähigkeitsrentner erhielten demnach 2012 weniger als die Summe, die Senioren im Schnitt als Grundsicherung im Alter inklusive Miete und Heizung zusteht. Besonders hoch sei der Anteil der Renten unter 700 Euro bei Altersrentnerinnen im Westen, hieß es. Dort betrug er rund 73 Prozent. Bei Erwerbsunfähigen, die 2012 in Frührente gegangen sind, lag er zwischen 57,25 Prozent (Männer West) und 69,2 Prozent (Männer Ost).

Viele Rentner sind deshalb darauf angewiesen, auch im Ruhestand noch Geld zu verdienen. Im Herbst 2012 zählte die Bundesagentur für Arbeit mehr als 812 000 Minijobber, die älter als 65 Jahre waren, wie die Chemnitzer „Freie Presse“ (Dienstag) meldet. Mehr als 128 000 von ihnen waren sogar älter als 74. Ende 2003 hatten laut Statistik lediglich 595 433 Senioren einen Minijob, davon 77 081 älter als 74. Dies bedeutet eine Zunahme um 36,4 Prozent.

ABC der Rentenansprüche

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ab 65 stieg bundesweit im gleichen Zeitraum laut BA-Statistik um rund 61 000 auf knapp 171 000. Mit der „Rente ab 67“ lässt sich der Zuwachs nicht erklären, da sich 2012 das gesetzliche Renteneintrittsalter für den Jahrgang 1947 nur geringfügig auf 65 Jahre und einen Monat erhöhte.
Die Linke-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann, die die Statistik angefordert hatte, sieht in den Zahlen einen Beleg für steigende Altersarmut: „Der weitaus überwiegende Teil der älteren Menschen dürfte nicht zum Spaß und Zeitvertreib nach Erreichen des Rentenalters weiter arbeiten, sondern aus purer finanzieller Not“, sagte sie der Zeitung.

Der Präsident des Sozialverbandes SoVD, Adolf Bauer kommentiert die aktuellen Zahlen bitter: Altersarmut sei in Deutschland auf dem Vormarsch und statt mit Lippenbekenntnissen in den Wahlkampf zu ziehen, müssen jetzt endlich Entscheidungen getroffen werden. „Die Rentenhöhe alleine kann keine Auskunft über die Einkommenslage von Rentnerhaushalten geben“, teilte die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Bund am Dienstag mit. Dass so viele Renten unter dieser Grenze lägen, beruhe zu einem erheblichen Anteil darauf, dass Versicherte nur kurze Zeit in die Rentenkasse eingezahlt hätten. „Hierzu zählen etwa Selbstständige, Hausfrauen und Beamte, die nur kurz rentenversicherungspflichtig gewesen sind“, erklärte die DRV.

Laut Alterssicherungsbericht 2012 der Bundesregierung werden geringe Rentenbeträge „in der Regel“ durch das Einkommen des Ehepartners oder aus anderen Sicherungssystemen ausgeglichen.

Altersarmut ist derzeit ein Randproblem: Nur etwa zwei Prozent der Rentner brauchen Unterstützung vom Staat. Doch die Gefahr ist groß, dass Altersarmut zunimmt.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%