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Staukosten Der Stillstand kostet Milliarden

Staukosten: Der Stillstand kostet Milliarden Quelle: dpa

Rund 120 Stunden pro Jahr stehen deutsche Autofahrer durchschnittlich im Stau. Welche Schäden entstehen dadurch für die Volkswirtschaft?

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Leidgeplagte Pendler wundern diese Zahlen nicht: Im vergangenen Jahr standen die Deutschen im innerstädtischen Verkehr während der Stoßzeiten im Schnitt 120 Stunden im Stau, haben Verkehrsdatenanalysten von Inrix für eine Studie errechnet. Das ist für die Betroffenen lästig, für die Umwelt schlecht – und verursacht überdies ökonomische Kosten.

Doch wie hoch sind diese Schäden wirklich? Erstaunlicherweise gibt es in den Wirtschaftswissenschaften noch kein einheitliches Modell, die volkswirtschaftlichen Kosten von Staus zu berechnen. Folglich sind die Schätzungen darüber sehr unterschiedlich. Sie reichen von rund zehn Milliarden Euro im Minimalszenario bis hin zu 100 Milliarden Euro pro Jahr. Die Analysten von Inrix, die in ihre Berechnungen nicht nur Autobahnen einbeziehen, sondern auch den innerstädtischen Verkehr, kommen auf rund 80 Milliarden Euro an direkten und indirekten Kosten. Bezogen auf die Städte geht Inrix in der aktuellen Studie von rund 5,1 Milliarden Euro aus.

Zu welchem Ergebnis man kommt, hängt davon ab, welche Faktoren die Forscher berücksichtigen. Da ist zunächst natürlich die verlorene Arbeitszeit. Einer der führenden deutschen Stau-Experten, der Physik-Professor Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen, setzt pro Stunde 35 Euro an. Damit kostet ein normaler 8-Uhr-Stau zwischen Köln und Düsseldorf schon um die 100.000 Euro.

Hinzu kommt das verschwendete Benzin. Eine Studie des Londoner Centre for Economics and Business Research kam bereits 2014 zu dem Schluss, dass in deutschen Staus pro Jahr die Abgase von rund 1,2 Milliarden Liter Sprit aus den Auspuffen geblasen werden. Die Studie rechnete zusätzlich die Mehrkosten für Unternehmen ein, die durch Staus mehr Geld für Gütertransporte ausgeben müssen. Etwa, weil sie Umwege fahren müssen. Die unerfreuliche Prognose der Londoner Forscher: Bis zum Jahr 2030 werden sich in Deutschland die volkswirtschaftlichen Kosten durch Staus auf 520 Milliarden Euro summieren.

Die Autofahrer haben es allerdings selbst in der Hand, diesen Betrag zu senken. Häufige Tempo- und Spurwechsel und die damit verbundenen Bremsmanöver sind eindeutig staufördernd. Zehn bis 20 Prozent aller Staus ließen sich vermeiden, wenn sich Autofahrer „kooperativ verhalten“ und möglichst gleichmäßig fahren würden, sagt Stauforscher Schreckenberger.

Damit würde auch sichergestellt, dass es eine deutsche Autobahn am Ende nicht noch ins Guinness-Buch der Rekorde schafft. Den längsten Stau der Welt gab es danach im Jahr 1980 zwischen Paris und Lyon: auf einer Länge von 176 Kilometern.

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