Steinmeier wird Bundespräsident Der Alternativlose

Frank-Walter Steinmeier wird Nachfolger von Joachim Gauck. SPD-Chef Gabriel zeigt bei der Kandidatenkür sein Geschick und führt die Kanzlerin vor – wieder einmal. Dabei hätte der Poker ums höchste Staatsamt durchaus anders ausgehen können.

Bundespräsidentenwahl: Union will Frank-Walter Steinmeier als Kandidat mittragen. Quelle: imago

Sigmar Gabriel ist stolz auf seinen Kandidaten. Und der SPD-Chef weiß, dass er den nahezu perfekten Mann präsentiert. Einen, der Christdemokraten und Konservative anspricht, einen Bürgerlichen eben, der mit seiner Geschichte über die Freiheit Menschenmengen für sich einnehmen kann.

Gemeint ist Joachim Gauck, den Gabriel gemeinsam mit dem Grünen Jürgen Trittin im Jahr 2010 zum Kandidaten der linken Parteien gekürt hatte. Damals trat Gauck in der Bundesversammlung gegen CDU-Mann Christian Wulff an, hielt spektakulär zwei Wahlgänge durch und musste sich erst im dritten Anlauf geschlagen geben. Nach dem Rücktritt Wulffs sollte er es schließlich doch noch ins Schloss Bellevue schaffen.

Sechs Jahre später ist Sigmar Gabriel wieder ein Coup gelungen. Der SPD-Chef hat seinen Parteifreund und Außenminister Frank-Walter Steinmeier als künftigen Bundespräsidenten durchgesetzt. Und das Szenario ist vergleichbar zu jenem im Jahr 2010. Erneut kürt Gabriel öffentlichkeitswirksam seinen Kandidaten, erneut lehnt die Kanzlerin den SPD-Mann zunächst ab. Und erneut zieht Angela Merkel letztlich den Kürzeren.

Was neu ist: Merkel verzichtet darauf, überhaupt einen eigenen Kandidaten zu benennen. Die Kanzlerin weiß, dass ein Kandidat, der allein von CDU und CSU unterstützt würde, in der Bundesversammlung nur schwerlich durchkäme. Und in einem De-facto-Wahlkampf zwischen Steinmeier und wen auch immer Merkel nominiert hätte, wäre es den Unions-Vorderen schwer gefallen, Argumente gegen den Außenminister aufzulisten. Die Kanzlerin nennt ihre Unterstützung Steinmeiers nun „eine Entscheidung aus Vernunft“, die SPD wiederholt wieder und wieder, der „beste Mann wird Bundespräsident“.

Wer zieht ins Schloss Bellevue?
Frank-Walter Steinmeier (60)Der Bundesaußenminister siegte in allen Umfragen und war der Top-Favorit für das Amt. Jetzt soll er als gemeinsamer Kandidat ins Rennen geschickt werden. Quelle: DPA
Wolfgang Huber (74)Der ehemalige Ratsvorsitzende der evangelische Kirche in Deutschland zählt schon seit einigen Jahren zum Kandidatenkreis. Damit wäre er nach dem ehemaligen DDR-Pastor Gauck der nächste evangelische Geistliche. Sein Fokus liegt auf Zusammenhalt und Versöhnung. Quelle: DPA
Volker Bouffier (64)Der hessische CDU-Regierungschef führt ohne großes Getöse die schwarz-grüne Koalition in Wiesbaden. Dementsprechend hoch ist sein Ansehen bei den Grünen. Quelle: DPA
Annegret Kramp-Karrenbauer (54)Die saarländische CDU-Ministerpräsidentin versteht sich mit den Grünen und hat ein modernes Image. Da allerdings im März 2017 in Saarland gewählt wird, könnte es sein, dass sie auf einen möglichen Einzug ins Schloss Bellevue verzichtet. Quelle: DPA
Frank-Jürgen Weise (65)Er ist Offizier und Doppelchef bei der Bundesagentur für Arbeit sowie beim Flüchtlingsbundesamt BAMF. Mit Einstellung könnte er auch bei einigen Grünen und Liberalen punkten. Quelle: DPA
Petra Roth (72)Bis 2012 war die die Christdemokratin Oberbürgermeisterin von Frankfurt. Nachdem der „Stern“ sie auf das Bundespräsidentenamt angesprochen hatte, sagte sie: „Man müsste erst mal an mich herantreten, dann gebe ich auch eine Antwort.“ Quelle: DPA
Kathrin Göring-Eckardt (50)Die Grünen-Politikerin möchte nicht ins Schloss Bellevue. Sie will sich lieber auf den Wahlkampf konzentrieren. Quelle: DPA
Winfried Kretschmann (68)Bisher hat der Grünen-Politiker noch kein konkretes Angebot von der Kanzlerin erhalten. Sein Name steht dennoch auf der informellen Kandidatenliste. Für die Union wäre er ein starkes Signal für eine schwarz-grüne Koalition. Quelle: DPA
Monika Grütters (54)Die CDU-Politikerin und Kulturstaatsministerin genießt Merkels vollstes Vertrauen. Allerdings ist ihr Bekanntheitsgrad im Vergleich zu den anderen Kandidaten eher gering. Quelle: DPA
Ursula von der Leyen (58)Die Vize-CDU-Chefin hat bereits deutlich gemacht, dass sie für die Wahl nicht zur Verfügung steht. Quelle: dpa
Wolfgang SchäubleDer Finanzminister hat nicht gerade viele Freunde bei den Grünen und der FDP. Er neigt zum Polarisieren und fühlt sich wohl in seinem derzeitigen Amt. Ob er als Nachfolger für Joachim Gauck antritt, bleibt offen. Quelle: AP
Andreas Vosskuhle (52)Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts galt bereits 2012 als Favorit für das Amt des Bundespräsidenten. Allerdings lehnte er eine Kandidatur ab. Auch in diesem Jahr sagte er, dass er aus persönlichen Gründen nicht kandidieren will. Quelle: DPA

Die Bilanz der Kanzlerin in Sachen Bundespräsidenten ist eine Liste von Niederlagen: Horst Köhler, der erste Mann, den sie zum Präsidenten machte, schmiss nach sechs Jahren im Amt entnervt hin, weil er die Kritik an seiner Person nicht mehr aushielt. Die Kurzzeit-Präsidentschaft von Christian Wulff gilt als historischer Irrtum, ein Irrtum, den Merkel zu verantworten hat. Und Joachim Gauck hatte sie 2010 zu Gunsten Wulffs erst verhindert und 2012 nur widerwillig zugestimmt, nachdem ihr die FDP die Unterstützung für einen anderen Kandidaten verweigert hatte.

Sigmar Gabriel wusste damals wie heute die öffentliche Meinung geschickt für sich zu nutzen – erst pro Gauck, jetzt pro Steinmeier. Und die Kanzlerin fand offenbar niemanden aus der Union, der sich einen Wahlkampf um das erste Amt im Staat antun wollte. Verständlich, denn Steinmeier, das leugnet nicht mal die Linke, bringt alle Voraussetzungen mit, um ein guter Bundespräsident zu werden. Als Außenminister hat er sich weltweit Renommee erworben, er gilt als ausgleichend, verlässlich und als einer, der über die Parteigrenzen hinweg denkt.

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