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Stephanie Kaiser „Digitalisierung schert sich nicht um Legislaturperioden“

Stephanie Kaiser ist Geschäftsführerin von Heartbeat Labs und seit August 2018 Mitglied im Digitalrat der Bundesregierung. Quelle: imago images

Start-up-Kennerin Stephanie Kaiser berät Kanzlerin Merkel. Im Interview erklärt sie, warum jedes Ministerium eine Digitaleinheit braucht, die perfekte E-Akte nicht durch Vorbereitung zu erreichen ist und warum der Regierung der digitale Wandel schwerer fällt als Konzernen.

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Stephanie Kaiser hat 2017 Heartbeat Labs gegründet. Das Unternehmen gründet wiederum Start-ups, die die Digitalisierung des Gesundheitswesens voranbringen sollen. An einem Freitag, Punkt 14 Uhr – Kaiser erinnert sich da genau – bekam sie dann einen Anruf von Angela Merkel: Ob sie Mitglied im Digitalrat werden wolle, fragte die Kanzlerin. Der Rat soll der Bundesregierung den Weg in die Zukunft weisen. Der Künstliche-Intelligenz-Experte Chris Boos ist dabei, Katrin Suder, ehemalige Staatssekretärin im Verteidigungsministerium und McKinsey-Beraterin, und eben auch Kaiser. Aber was rät eigentlich der Digitalrat?

WirtschaftsWoche: Frau Kaiser, braucht Deutschland ein Digitalministerium?
Stephanie Kaiser: Jedes Ministerium braucht eine Digitaleinheit, am besten ein richtiges Umsetzungsteam. Die Digitalisierung wird nicht wieder weggehen. Sie schert sich nicht um Legislaturperioden und sie ist auch kein Projekt, das irgendwann beendet ist. Das wichtigste ist, dass man anfängt – und das könnten solche Umsetzungsteams tun.

Genau das ist das Problem: Die Politik treibt die Digitalisierung zwar voran. Aber die Verwaltung arbeitet immer noch wie im vergangenen Jahrhundert. Wie fängt man denn richtig an?
Digitale Projekte kann man nur klein anfangen. Die perfekte E-Akte bekommt man nicht dadurch, dass man noch zehn Leute mehr an das Projekt setzt, die noch zehn Monate länger darüber nachdenken. Es ist besser, einfach mal auszuprobieren – und einen Prozess aufzusetzen, mit dem man immer wieder überprüft, ob man es richtig macht.

Wie sieht ein solcher Prozess aus?
Ich proklamiere Prozesse, die am Menschen designt sind. Man sollte sich auf keinen Fall darin verlieren, welches coole Tool man neu einführen könnte. Ich würde immer empfehlen, sich ein Ziel zu setzen. Und zwar ein Hauptziel, beispielsweise was in den kommenden sechs Monaten erreicht werden soll – und dann messbare Zwischenschritte, die sich jede Woche abhaken lassen.

Es ist ja nicht so, dass traditionsreichen Konzernen der digitale Wandel leicht fiele. Trotzdem hat man den Eindruck, dass sich die Regierung noch schwerer tut. Verstehen Sie, warum?
Das stimmt, ich habe auch Konzerne beraten und die stehen vor ganz ähnlichen Herausforderungen. Die Regierung unterscheidet sich vor allem in einem Punkt: Sie muss öffentlich agieren. Zum einen natürlich, was ihre Haushaltsführung angeht. Sie kann im Grunde nicht, wie ein Unternehmen, einfach mal etwas Neues ausprobieren, was natürlich Geld kostet und auch einmal nicht das gewünschte Ergebnis bringt – wie es bei Innovationen einfach zunächst oft der Fall ist.

Und zweitens?
Die Regierung kann auch nicht einfach Projekte anstoßen und dann nur die erfolgreichen Ergebnisse präsentieren. Da passiert es natürlich leicht, dass jemand sagt: „Pfff, was machen die denn da? Das konnte nicht klappen, das war ja vorher klar.“

Als Beraterin der Regierung – ärgert Sie das? Und was entgegnen Sie den Kritikern?
Dass wir zurückhängen, wissen wir doch alle. Deshalb müssen wir vor allem mehr tun, mehr umsetzen, mehr Geschwindigkeit reinbringen. Bei meinen Workshops in den Ministerien frage ich zum Abschluss gern: „Was machen Sie morgen konkret anders?“ Und ich kann Ihnen sagen: Da tut sich was.

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