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Stephans Spitzen

Flüchtlingsdebatte: Wer ist gut, wer ist böse?

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Erwachsene wollen nicht an die Hand genommen werden

Mir sind Gewalttäter zuwider, ob sie von links oder rechts kommen. Im politischen Diskurs hilft das allerdings wenig: auch wer kein Feuer legt, kann doch zumindest noch als geistiger Brandstifter dingfest gemacht werden. Und so wird aus Einzeltaten aufs Ganze geschlossen: heute zündelt ein Milieu namens „die Rechte“ bei jedem Vorfall immer gleich mit, so wie zu den Hochzeiten der linksradikalen RAF allen Linken unterstellt wurde, dass sie mit klammheimlicher Freude mitschossen.

Was Flüchtlinge dürfen

Der Diskussionskultur schadet das allemal – damals wie heute. Und damals wie heute verschafft sich Aufmerksamkeit, wer mahnt und warnt: heute heißt es, „Rechts“ sei in der Mitte der Gesellschaft, also beim braven Bürger angekommen. Dass dieser Befund sich der Tatsache verdanken könnte, dass das Milieu aus Politikern und Öffentlichkeitsarbeitern nach links gerutscht ist, kommt nicht in Betracht: es zerstört ja die schöne These professioneller Wichtigtuer.

Das Bedürfnis, in unruhigen Zeiten die eigene Position in Abgrenzung zu anderen zu definieren, fördert Feindbilder und Schwarzweißmalerei. Die offiziöse Sprachregelung kommt diesem Bedürfnis entgegen; jeder, der nach Deutschland kommen will, ist ein „verzweifelter Flüchtling“, auch wenn er nur ein illegal Einreisender ist; jeder Flüchtling im Sinne der Definition ist ein Heiliger, und jeder Busfahrer, der  einen freundlichen Spruch auf Lager hat, muss tadelsfrei einem politisch korrekten Vorbild entsprechen. In dieser heilen Welt sind Gut und Böse klar unterschieden und das Schattenreich der Wirklichkeit bleibt ausgeblendet.

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Das ist infantil. Und viele Erwachsene spüren das längst: dass man mit ihnen spricht, als ob sie an die Hand genommen werden müssten. Dabei weiß man mit ein wenig Menschenkenntnis: Nicht jeder, der unter Einsatz aller Kräfte und mit harten Ellenbogen nach Deutschland strebt, ist deshalb schon ein guter Mensch. Und niemand, dem die AfD gefällt, ist deshalb böse. Vor allem aber steht es weder den Medien insgesamt noch dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen im Besonderen zu, Wahlempfehlungen auszusprechen oder Charakterurteile zu fällen.

Kein „Kampf gegen Rechts“ darf den Kampf um die Wahrheit behindern. Sie ist den Menschen zuzumuten.

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