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Stephans Spitzen

Was die SPD aus ihrer Geschichte lernen kann

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Größe in der Opposition

Die Rolle der Opposition übernahm nun die radikale Linke. Die Mehrheitssozialdemokratie aber musste nach dem verlorenen Krieg gezwungenermaßen eine Aufgabe übernehmen, für die sie die Zeit längst nicht für reif hielt: die Regierungsverantwortung. Daran zerrieb sie sich.

Zu ihrer Tragödie gehört, dass sie Größe wieder in der Opposition zeigte, etwa in Otto Wels’ Rede im von Hitler bereits kastrierten Reichstag. Otto Wels, gelernter Tapezierer, ab 1919 Parteivorsitzender, erklärte am 23. März 1933 im längst von der KPD gesäuberten und von SA-Leuten belagerten Reichstag gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.“ Kurt Schumacher hatte übrigens an dieser Rede mitgearbeitet.

Mit Kurt Schumacher hatte die Partei damals wie heute ein Problem. Der Parteiführer nach 1945 agitierte unermüdlich gegen den „Kanzler der Alliierten“, gegen Adenauers pragmatischen Kurs der Westbindung. Eine sympathische Figur war der glühende Antikommunist und ebenso glühende Nationalist Kurt Schumacher nicht. Doch er kannte noch etwas, das die Willkommensfraktion in der SPD noch nicht einmal mit spitzen Fingern anfassen würde: „nationale Interessen“. Schumacher erblickte die primäre Aufgabe der SPD in gnadenloser Opposition.

Ehrlose Genossen?

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    Schweigen wir von Herbert Wehner oder Willy Brandt. Denn es hilft ja alles nichts: weder Sigmar Gabriel, der stets missmutig wirkende Stegner oder gar der aalglatte Heiko Maas können sich mit den alten Haudegen messen. Doch das ist in Parteien, die Franz-Josef Strauß oder Helmut Kohl hervorgebracht haben, ja nicht viel anders.

    Quälen wir die Genossen also nicht mit der Erinnerung an längst vergangene Zeiten. Die Geschichte lehrt zwar: Am stärksten war die Sozialdemokratie stets in der Opposition und in der Kritik an den „Herrschenden“. Doch dazu müssten die Führungsfiguren wieder einen vom Klebstoff der Verschleierungsvokabeln befreiten Blick auf die Wirklichkeit wagen. Die Noch-Mitglieder der Partei tun das längst.

    Darf man die Genossen von heute im Sinne von Otto Wels ehrlos nennen?

    Ach, was ist schon Ehre, wenn doch der Lebensunterhalt der Funktionsträger davon abhängt, dass der Partei die Pfründen erhalten bleiben und den Genossen die Posten, die Regierungsbeteiligung mit sich bringt! Ideen, die, wie einst, mit dem Zauberwort „Fortschritt“ verbunden sind, hat sie längst nicht mehr. Die Grünen geben vor, wo die Zukunft liegt.

    Warum nicht aus der Geschichte lernen? Zwei Dinge wären eine gute Lehre für die heutige Sozialdemokratie: sie war immer stark, wenn sie in der Opposition war. Und es stand ihr gut an, die Meinungsfreiheit hochzuhalten, anstatt den Verschleierungstaktiken der Herrschenden nach dem Mund zu reden.

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