Stephans Spitzen

Klimaforschung, die nicht ins Weltbild passt

Cora Stephan Politikwissenschaftlerin

Von Klimawandel nichts zu spüren. Der Sommer ist kühl – und nun hält eine Wissenschaftlerin auch noch eine neue Eiszeit für möglich. Das empfinden manche Klimaforscher offenbar als Blasphemie.

Wann wird es mal wieder richtig Sommer? Nordseeurlauber in Regenkleidung im August auf der Strandpromenade von Döse in Cuxhaven Quelle: dpa

Der Sommer 2015 war großartig: warm und trocken, den Winzern zur Freude. Ein Lob dem Jahrgang 2015! Wie 2016 wird, wissen wir noch nicht. Es kommt, wie immer beim Wein, auf die letzten Wochen an.

Für Menschen, die ihren Sommerurlaub in Deutschland genommen haben, steht allerdings jetzt schon fest, dass die Saison, etwa an der Ostsee, zu wünschen übrig ließ. Regen. Kälte. Heizung an, und das Anfang August. Was ist los?

Nichts ist los. Bis jetzt haben wir einen ganz normalen Sommer in Deutschland. Kein Klimawandel, nirgends, jedenfalls, wenn damit eine Erwärmung des Klimas gemeint ist, die auf einen „Treibhauseffekt“ durch den menschlich bedingten Ausstoß von Kohlendioxid zurückzuführen sei.

Die dreckigsten Flüsse der Welt
Murray-Darling River Quelle: Hindaandjohn
Nil Quelle: AP
Rio de la Plata Quelle: dpa/dpaweb
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Donau Quelle: dpa
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Saluen Quelle: MsNina
Mekong Quelle: dpa
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Nun hat Klima mit dem Wetter nichts zu tun, das haben wir ja alle längst gelernt. Woran aber eine Klimaerwärmung feststellen, wenn sie sich nicht auch irgendwo, und sei es nur im Wetter, niederschlägt? Seit beinahe 20 Jahren ist kein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur  nachgewiesen, das räumt sogar Mojib Latif ein, ansonsten ein Anhänger der Treibhausthese. Doch damit lässt sich niemand sein Forschungsinstitut kaputtmachen, schon gar nicht unser „Klimapapst“ Schellnhuber. Auch die „Klimakanzlerin“ weiß, was sie an der päpstlich verkündeten Klimakatastrophe hat. Der Appell ans schlechte Gewissen der Menschen ist und bleibt ein hilfreiches Herrschaftsinstrument, ganz nach dem Motto: wenn du nicht tust, was wir dir sagen, geht die Welt unter. Das wirkt nicht nur bei Kindern.

Egal, was „Klimaskeptiker“ so erzählen, wenn der Tag lang ist: Mit etwas Phantasie bringt jeder anständige Apokalyptiker die Realität mit der Theorie in Einklang. Und die Theorie besagt nun mal, dass es die Menschen sind, die mit verstärktem Kohlendioxid-Ausstoß eine Klimakatastrophe herbeiführen. Klimakanzlerin Angela Merkel ist da unbeirrbar – auf wenn sie in letzter Zeit andere Sorgen hat.

Gewiss, jeder naturwissenschaftlich gebildete Mensch weiß, dass es ohne Kohlendioxid kein Leben gäbe auf Erden. Doch man soll dem eigenen Sachverstand und auch dem unserer politischen Experten nicht so ohne weiteres trauen. Es hat mal jemand (sicher aus Versehen) Lebensmittel ohne Gene befürwortet – oder, wie Landwirtschaftsministerin Aigner, behauptet, dass Kühe, die Heu fressen, laktosefreie Milch erzeugen. Verzeihen wir es ihnen:  solche Schnitzer offenbaren im Grunde nur Offenheit für neue wissenschaftliche Erkenntnisse, oder?

Sagen wir mal: sofern sie ins Weltbild passen.

Wenn Forschungserkenntnisse nicht ins Weltbild passen

Ins Weltbild passen indes selten jene Menschen, die ihren Forschungsehrgeiz den falschen Zielen widmen. Das sind zum Beispiel solche, die Klimaveränderungen wie eine globale Erwärmung (oder Abkühlung) nicht den Menschen zuschreiben, sondern etwa der Sonne. Ganz ehrlich: das kränkt den menschlichen Größenwahn. Und deshalb bleibt es ohne großes öffentliches Echo, wenn Forscher (nicht zum ersten Mal) darauf hinweisen, dass Klimaveränderungen mit veränderter Sonnenaktivität nicht nur korrelieren, sondern womöglich sogar ursächlich zusammenhängen.

Valentina Zharkowa von der Northumbria Universität interpretiert ihre Untersuchungen des Magnetfeldes der Sonne und der Sonnenzyklen nun dahingehend, dass ab 2020 bis Mitte des Jahrhunderts mit einer kleinen Eiszeit zu rechnen sein könnte, ähnlich dem sogenannten Maunder-Minimum des 17. Jahrhunderts.

Diese kleine Eiszeit, die der englische Astronom E. E. Maunder auf stark verringerte Sonnenfleckenaktivität zurückführte, war außerordentlich ungemütlich, wenn wir den Quellen glauben. Missernten führten zu Hungersnöten, Seuchen durchzogen Europa und auch der Dreißigjährige Krieg könnte hier seinen Nährboden gefunden haben. Nicht die Wärme-, die Kälteperioden haben menschliches Elend verursacht. Die Aussichten auf eine Abkühlung stimmen also nicht wirklich froh.

Doch Professor Zharkowa hofft, das es in unserem Fall mit 30-35 Jahren Kälte getan sein könnte, auch wisse man nicht, ob der Abkühlung nicht andere Faktoren entgegenwirken könnten, vielleicht sogar jenes „Treibhausgas“, von dem ihre Kollegen meinen, das es für eine Erwärmung zuständig sei.

Neue Risiken durch den Klimawandel
FSMEEine der wichtigsten durch lebende Organismen übertragenen Krankheiten in Deutschland ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine virusbedingte Hirnhaut- oder Gehirnentzündung. Überträger sind Zecken. Laut RKI erkrankten im vergangenen Jahr daran rund 420 Menschen. Gegen FSME schützt eine Impfung. Quelle: dpa-dpaweb
MalariaDie Malaria-Erreger werden durch weibliche Anopheles-Mücken übertragen. In Deutschland werden jedes Jahr mehrere hundert Fälle eingeschleppt - meist von Reiserückkehrern aus Afrika und Asien. Mit der globalen Erwärmung könnten Überträger der Erreger auch nach Europa vordringen. Größere Ausbrüche in Deutschland hält das RKI allerdings für "äußerst unwahrscheinlich" - wegen des hohen medizinischen Standards und weil entsprechende Bedingungen für die Anopheles-Mücken fehlen. Quelle: AP
BorrelioseWeit häufiger übertragen Zecken die von Bakterien verursachte Lyme-Borreliose, die Nervensysteme und Gelenke schädigen kann und an der jedes Jahr schätzungsweise bis zu 100.000 Menschen in Deutschland erkranken. Eine Schutzimpfung dagegen gibt es nicht. Früh erkannt, lässt sich die Infektion aber gut mit Antibiotika behandeln. Quelle: dpa
Hantavirus2012 infizierten sich mehrere Touristen bei einem Besuch im Yosemite Nationalpark in Kalifornien mit Hantaviren. Zwei von von ihnen starben. In Deutschland wurden im selben Jahr 2825 Fälle bekannt. Hantaviren werden in Deutschland durch die Rötelmaus und die Brandmaus übertragen. Der Mensch infiziert sich in der Regel über eingeatmeten Staub, der Exkremente infizierter Tiere enthält, über Hautkontakt zu Exkrementen oder verseuchte Nahrungsmittel. Zu den Risikofaktoren zählen unter anderem Gartenarbeiten, Holzschlagen, Zelten und Forstarbeiten. Quelle: dpa
Dengue-FieberDas Virus wird von Stechmücken, vor allem in den Tropen und Subtropen übertragen. Dengue gehört bei deutschen Reiserückkehrern zu den häufigen Infektionen. 2012 wurden in Deutschland rund 600 Fälle gemeldet, 2013 noch mehr. Am häufigsten infizierten sich Menschen in Thailand, Indonesien und Indien. Aber auch in Südkroatien und Südfrankreich tauchte der Erreger schon auf. Die asiatische Tigermücke, die den Erreger übertragen kann, wurde mehrfach auch in Süddeutschland gefunden - bislang enthielt aber keine der eingeschleppten Mücken tropische Viren. Quelle: dpa
LeptospiroseWirtstiere sind Ratten, Mäuse und andere Haus-, Nutz- und Wildtiere. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt hauptsächlich durch Kontakt mit dem Urin infizierter Tiere. Häufig zeigen sich grippeähnliche Symptome, es können aber auch lebensbedrohliche Formen mit Leber- und Nierenversagen auftreten. Im Jahr 2012 wurden in Deutschland 85 Erkrankungen bekannt. Quelle: dpa
West-Nil-FieberAsiatische Buschmücken, Überträger von Krankheiten wie dem West-Nil-Fieber, sind nach Angaben von Experten inzwischen auch in Süddeutschland heimisch. Auch die in Deutschland weit verbreitete Gemeine Stechmücke kann das Virus übertragen. Hierzulande sind bislang nur neun aus dem Ausland importierte Infektionen bekannt. Allerdings breitet sich das Virus immer weiter aus. Auch in Deutschland scheinen laut RKI Voraussetzungen für mögliche Ausbrüche gegeben. Infektionen wären durch Stiche von Mücken denkbar, die Kontakt zu infizierten Zugvögeln hatten. Konkrete Anhaltspunkte dafür gibt es bislang nicht. Quelle: dpa

Die Aussicht auf eine kleine Eiszeit ist nicht gerade erfreulich, doch sie läge, wenn sie denn kommt, in der Zukunft. In der Gegenwart ist mir weit ungemütlicher angesichts der Reaktion, die Professor Zharkowa auf die Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse hin erlebte. Klimatologen versuchten offenbar, die Veröffentlichung ihrer Thesen zu unterbinden, selbst dem Austausch der kontroversen Ideen verweigerten sie sich.

Ein solches Verhalten verwandelt Wissenschaftler in Glaubenskrieger, die jede andere Meinung für Blasphemie halten müssen, da Glaubenssätze bekanntlich nicht falsifiziert werden können.

Was richtig ist? Immer und auf jeden Fall: der produktive Zweifel. Der freie Austausch von Ideen und Hypothesen. Die Entflechtung von Politik, Moral und Wissenschaft. Vor allem aber: die unbedingte Freiheit der Forschung.

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