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Stephans Spitzen

Was Deutschland ausmacht

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Lingua franca der Nachkriegszeit

Ist das ein Wunder? Europas Identität war doch schon immer, keine zu haben. In erbittertem, jahrhundertelangem Blutvergießen bildeten sich die Staatsgebilde heraus, die wir heute kennen, manche entstanden erst im 19. oder 20. Jahrhundert. Und eines haben die blutigen Auseinandersetzungen in Osteuropa nach dem Fall des Eisernen Vorhangs gezeigt: die meisten Nationen, die sich von der erzwungenen Gemeinschaft der Sowjetunion befreit haben, bevorzugten mitnichten einen Vielvölkerstaat.

Wo Flüchtlinge in Deutschland wohnen
Autobahnmeisterei Quelle: dpa
Deutschlands höchstgelegene Flüchtlingsunterkunft befindet sich im Alpenvorland Quelle: dpa
Container Quelle: dpa
Bischofswohnung und Priesterseminar Quelle: dpa
Eissporthalle Quelle: Screenshot
Ehemaliger Nachtclub als Flüchtlingsunterkunft Quelle: dpa
Jugendherberge Quelle: dpa

Nun aber Deutschland. Heute ist man hier stolz auf seine „Willkommenskultur“, lädt mit offenen Armen alle Mühseligen und Beladenen ein, zu uns zu kommen. Und ja, die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ist beispiellos. Was indes umso schmerzhafter fehlt, ist politischer Verstand, der Regeln und Grenzen setzt.

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    Ja, Grenzen: Der Schengenraum als grenzenloses  Paradies funktioniert nur, wenn seine Außengrenzen geschützt sind. Die Einführung von Grenzkontrollen in letzter Minute (oder schon danach?) ist ein mehr als notwendiger Versuch, seine Offenheit zu schützen. Wir alle müssen wissen, wer zu uns kommt. Bislang muss man davon ausgehen, dass die Mehrheit derjenigen, die sich nach „Germany“ aufmachen, illegale Einwanderer sind, die mit einer Politik der falschen Anreize und mit erschreckender Verantwortungslosigkeit hierher gelockt wurden.

    Deutscher Staatsbürger wird man nicht einfach nur, weil man da ist. Das hieße stupende Geringachtung dessen, was es heißt, Teil eines in langen Prozessen kultivierten und zivilisierten Staatswesens zu sein – was übrigens die am meisten zu würdigen verstehen, die unter Qualen und Opfern aus dem Machtbereich der Sowjetunion zu uns kamen. Sie gehören folgerichtig zu denen, die den beliebigen Zustrom ablehnen.

    Witz der Geschichte: Tatsächlich beschreitet Deutschland nicht nur in der Flüchtlingsfrage jenen „Sonderweg“ im Vergleich zu den Nachbarn, den man dem Land seit jeher (zu Unrecht) unterstellt. Unsere politische Elite formuliert weder eigene Interessen noch Mindeststandards, an denen sich ein Hinzukommender orientieren könnte. Wer kann den Machos aus anderen Kulturkreisen verdenken, dass sie die Deutschen für Weicheier halten?

    Deutschland



    Die Qualifikationen, die viele der jetzt Einreisenden mitbringen, dürften nur in wenigen Fällen ausreichend sein, damit sie die lingua franca der Nachkriegszeit teilen können: Arbeit. Umso wichtiger wäre das selbstbewusste Beharren der Deutschen auf dem, was sie sich in den vergangenen Jahrzehnten erkämpft haben: Zivilisiertheit. Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem Rechtsstaatlichkeit und Gewaltmonopol zerbröseln, in dem mühsam erkämpfte Werte wie die Gleichberechtigung der Frauen und der Respekt vor Minderheiten nicht mehr gelten und in dem sich Antisemitismus ungestört ausbreiten kann, sofern er zur „Kultur“ von Einwanderern gehört.

    Ob man sich wenigstens darauf mal endlich einigen könnte?

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