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Stephans Spitzen

Neue Narren braucht das Land

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Tsipras und Varoufakis, die Narren Griechenlands

Ein Wurmfortsatz des Hofnarren ins Heute sind die Fastnachtszüge, in denen die Narren gut organisiert und staatlicherseits anerkannt wenigstens einmal im Jahr den Straßenverkehr zum Erliegen bringen dürfen. Müssen die Narren nun kuschen, weil Irgendjemandem ohne Sinn für deutsche Bräuche ein Witz, eine Karikatur, ein Motiv oder die ganze Chose nicht gefällt? Das spräche nicht für die Macht des Souveräns, der in unserem Fall kein benevolenter Monarch mehr ist, sondern das Volk.

Doch nicht nur der Islam, obwohl er doch zu Deutschland gehört, hält von dänischen oder französischen Karikaturen oder Umzügen außerhalb der Karnevalszeit wenig. Auch die heute Mächtigen sind keineswegs dankbar für den Hinweis auf ihre Fehlbarkeit, sondern werden rabiat, wenn Narren und anderer „Pöbel“ ins Politikergewölk pieksen und ehrliche Antworten fordern.
Ein echter Narr findet das natürlich verdächtig. Haben die da oben etwas zu verbergen? Helau?

Tatsächlich scheinen die Goldenen Zeiten der Narretei vorbei zu sein. Heute wird allenthalben übelgenommen, werden Abweichler mit Hinweis auf den „allgemeinen demokratischen Konsens“ stillgestellt, gilt nur eine Wahrheit: dass Kanzlerin Merkel alternativ los ist. Und Tusch.

Weiß man eigentlich, was aus dem vorlauten Knaben geworden ist, der bei der prunkvollen Vorstellung von des Kaisers neuen Kleidern gerufen hat: „Der ist ja nackt?“ Schwert? Henkers Seil? Oder brachte er es, dank nachdrücklich harter Hand der Erziehungsberechtigten, zur Selbstzensur? Dann könnte aus ihm ein erfolgreicher Öffentlichkeitsmensch geworden sein, der weiß, wie man die Botschaft so verpackt, dass niemand sie versteht. Heile heile Gänsje.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei und dann wird uns etwas anderes beschäftigen: andere Narren, die eine Wahrheit aussprechen, die niemand hören will.

In Arbeit
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Gemeint sind die beiden griechischen Obernarren Alexis Tsipras, Ministerpräsident, und Yanis Varoufakis, Finanzminister Griechenlands, die kühn mit angelegter Lanze in die Eiterbeulen Euroeuropas stechen. Wer sonst hätte so elegant den Schleier von Merkels Satz reißen können: „Fällt der Euro, fällt Europa“?

Nach griechischer Lesart heißt das nichts anderes, als dass man Angela Merkel mit der Drohung erpressen kann, den Euro scheitern zu lassen. Der Narr hat die hehren Worte auf ihren schlichten Sinn heruntergebrochen: ein Europa, das sich von Griechenland an der Nase herumführen lässt, ist nicht Tiger, sondern Bettvorleger.

PS: Wussten Sie schon, was „Tifkat“ ist? Weil die Griechen das Wort Troika nicht mehr hören können, heißt sie neuerdings „The institutions formerly known as Troika“. Das kann nur ein Narr empfohlen haben. Ein Tusch!

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