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Steuern Steuerabkommen mit der Schweiz naht

Die Verhandlungen mit den Eidgenossen stehen vor dem Abschluss. Die einmalige Nachbesteuerung von deutschen Vermögen in der Schweiz wird wohl höher ausfallen als zunächst vereinbart.

Nachbesserung gefordert - Für Bundesfinanzminister Schäuble ist das deutsch-schweizerische Steuerabkommen längst Herzensangelegenheit. Quelle: dapd

Für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) geht es um eine Herzensangelegenheit, für die Schweiz um ihren Bankenstandort und für die SPD-geführten Bundesländer um Gerechtigkeit und – Geld. Hinter verschlossenen Türen verhandeln die drei Parteien intensiv, um das deutsch-schweizerische Steuerabkommen noch rasch in trockene Tücher zu bekommen. Denn während sich die Finanzministerien beider Staaten schon seit Herbst 2011 handelseinig sind, fordern die SPD-regierten Bundesländer Nachbesserungen.

Die deutschen Milliardäre in der Schweiz
Sebastian VettelRegelmäßig listet das Schweizer Wirtschaftsmagazin "Bilanz" die reichsten Eidgenossen auf. Unter den Top 300 sind in schöner Regelmäßigkeit viele Schweizer mit ausländischem Pass. Jeder fünfte der Multimillionäre hat deutsche Wurzeln. So auch der jüngste deutscher Neueinsteiger in der Schweizer „Bilanz“-Reichenliste: Der vierfache Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel (27) kommt auf ein geschätztes Vermögen von 100 bis 150 Millionen Franken. Quelle: dpa
Hans-Peter WildDen größten Schnitt hat 2013 Hans-Peter Wild (73) gemacht, der Erfinder der Capri-Sonne: Für 2,3 Milliarden Euro schluckte der US-Riese Archer Daniels Midland (ADM) den Aromahersteller Wild Flavors, an dem Wild noch mit zwei Dritteln beteiligt war. Quelle: dpa
Georg BauNach amerikanischem Vorbild errichtete Heinz Georg Baus (80) 1960 den ersten deutschen Baumarkt. Seither klingeln die Kassen und das Unternehmen expandiert mit oft riesigen Baumärkten, inzwischen auch in seiner Wahlheimat Schweiz. Oft sind die Immobilien der Bauhaus-Filialen mit bis zu 29.000 Quadratmetern im Eigentum des medienscheuen Unternehmers. In der Bilanz-Rangliste wird Baus mit einem Vermögen zwischen 3,5 und vier Milliarden Franken geführt. Quelle: Pressebild
Familie Theo MüllerTheo Müller (74) ist alleiniger Inhaber der "Unternehmensgruppe Theo Müller". Begonnen hatte alles mit einer kleinen Dorfmolkerei, die 1896 in Bayern von Ludwig Müller gegründet wurde. Zwei Generationen später übernahm Theo Müller den Betrieb und baute ihn von vier Mitarbeitern bis zum heutigen Konzern aus. Das Gesamtvermögen der Familie wird auf zwei bis drei Milliarden Schweizer Franken geschätzt. Müllers Nahrungsmittelkonzern soll jedoch noch im auslaufenden Jahr mehr als fünf Milliarden Euro Verkaufserlöse schaffen. Quelle: dpa/dpaweb
Karl-Heinz KippDer Bau-Guru und deutsche Milliardär Karl-Heinz Kipp besitzt neben diversen Schweizer Nobelhotels wie dem Carlton in St. Moritz oder dem Eden Roc in Ascona einige Wolkenkratzer in New York. Aber auch der zweitgrößte Handelskonzern Europas, die Metro Group, ist Pächter von diversen Warenhäusern aus der Immobilienlandschaft des Tycoon. Das Vermögen seiner Familie wird auf vier bis fünf Milliarden Franken taxiert. Quelle: PR
Die Wella-ErbenImmo Ströher ist der Urenkel des Friseurmeisters und Gründers von Wella Franz Ströher. Er gilt als derjenige, der gegen den Strom schwimmt, da er sich durch den Abtritt des Wella-Konzerns an Procter & Gamble, sowie seine zahlreichen Investitionen in erneuerbare Energien, komplett aus der Haarpflege-Sparte zurückgezogen hat. Das Gesamtvermögen der Wella-Erben wird auf knapp unter fünf Milliarden Franken geschätzt. Quelle: dpa/dpaweb
Familie August von FinckDie Familie, bestehend aus August Baron von Finck mit seiner Gattin Francine Baronin von Finck sowie drei Söhnen und einer Tochter verwaltet ihr Vermögen durch diverse Beteiligungen und Immobilien. Sohn Luitpold Ferdinand von Finck ist Präsident im Verwaltungsrat der Mövenpick Hotels & Resorts. Das Gesamtvermögen der Familie wird auf fünf bis sechs Milliarden Schweizer Franken geschätzt. Quelle: dpa

Höhere Nachbesteuerung und pauschale Erbschaftsteuer

Das Bundesfinanzministerium geht intern von einer Einigung aus. Schäuble verhandelt aber unter größter Geheimhaltung, um die heiklen Gespräche nicht scheitern zu lassen. Wie aus Verhandlungskreisen zu erfahren ist, soll die einmalige Nachbesteuerung von deutschen Vermögen in der Schweiz nun höher ausfallen als die bereits vereinbarten 19 bis 34 Prozent. Im Gespräch sind nun 21 bis 41 Prozent. Erbschaften sollen pauschal mit 50 Prozent versteuert werden, wenn sich Erben nicht offenbaren.

Übersicht der Profiteure von Nachbesteuerungen deutscher Vermögen in der Schweiz (zum Vergrößern bitte Bild anklicken).

Ferner soll die ursprünglich vereinbarte Begrenzung für Kontoabfragen wegfallen. Erlaubt sind bisher höchstens 999 Abfragen binnen zwei Jahren. Doch den USA räumt die Schweiz in einem bilateralen Steuerabkommen nun weitgehende Zugriffsrechte ein. „Dahinter können wir nicht zurückstecken“, sagt ein Schäuble-Vertrauter, „und die Schweizer sehen das ein.“ Damit gäbe es faktisch unbegrenzte Kontrollmöglichkeiten von deutschen Finanzbehörden auf die Konten, die Bundesbürger in der Schweiz unterhalten. Auch diese wichtige Forderung der SPD-Länder wäre somit erfüllt.

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Die Bundesländer würden von dem Steuerabkommen kräftig profitieren. So sei schon durch die Einmal-Nachzahlung aus der Schweiz mit „mindestens zehn Milliarden Euro zu rechnen“, heißt es im Schäuble-Ressort. Davon würden die Bundesländer mehr als zwei Drittel erhalten, geht aus einem internen Tableau hervor.

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