WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Steuerpolitik Walter-Borjans: Firmenerben und Top-Verdiener stärker besteuern

Der neue SPD-Vorsitzende fordert einen höheren Steuersatz für Spitzenverdiener. Für Erben von Unternehmen soll es in Zukunft keine Ausnahmen mehr geben.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Der SPD-Vorsitzende will den Steuersatz für Spitzenverdiener auf knapp 50 Prozent erhöhen. Quelle: dpa

Spitzenverdiener und Erben von Unternehmen sollten aus Sicht des neuen SPD-Chefs Norbert Walter-Borjans mehr Steuern zahlen. Bei Spitzenverdienern sei es angemessen, wenn der Staat knapp die Hälfte ihres Einkommens einbehielte, sagte der frühere nordrhein-westfälische Finanzminister dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Wer als Single 750.000 Euro im Jahr verdient, wird nicht arm, wenn er die Hälfte seines Gehaltes zur Finanzierung unseres Gemeinwesens abgeben muss.“

Der Spitzensteuersatz beträgt zurzeit 42 Prozent und gilt für alle Steuerzahler, die mehr als 54.950 Euro im Jahr verdienen. Erst ab einem deutlich höheren Einkommen fallen wieder mehr Steuern an, nämlich die sogenannte Reichensteuer: Alles über einem Jahresverdienst von 260.533 Euro wird mit 45 Prozent besteuert.

Walter-Borjans sprach sich überdies dafür aus, Ausnahmen für Firmenerben zu streichen. „Es gibt keinen Grund, warum ein hohes Erbe nicht versteuert werden soll. Das gilt auch für vererbte Unternehmen. Mit jeder Ausnahme und jedem Sondersachverhalt ist in der Vergangenheit Schindluder getrieben worden – zu Lasten der Allgemeinheit“, sagte er. „Deshalb sage ich: Der Staat sollte auch bei Unternehmenserbschaften die Steuer nicht erlassen, sondern betriebsfreundlich strecken.“

Zurzeit gilt die Regel: Wird die Firma im Grunde unverändert mehrere Jahre lang fortgeführt, wird der Löwenanteil des Betriebsvermögens von der Erbschaftsteuer verschont. Wirtschaftsverbände verteidigen die Ausnahmen für Unternehmenserben damit, dass Arbeitsplätze vor allem im Mittelstand gesichert werden.

Kürzlich hatte die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken berichtet, dass auf Erbschaften oder Schenkungen über zehn Millionen Euro 2018 in Deutschland kaum Steuern gezahlt werden mussten. Demnach erhielten gut 600 Deutsche zusammen 31 Milliarden Euro, auf die im Schnitt nur fünf Prozent Steuern fällig wurden.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%