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Stiftung für Social Entrepreneurship Das Vermächtnis des Klaus Schwab

Der Gründer des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, betreibt eine Stiftung für Social Entrepreneurship – sein Vermächtnis.

Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums in Davos, rtr

Die Finsternis im Saal des Sunstar-Hotels war total. Blinde geleiteten die hilflosen Top-Manager an die Bar, um dort über Gott und die Welt, über Macht und Machtlosigkeit zu philosophieren. Der „Dialog im Dunkeln“, so das Projekt des Hamburger Unternehmers Andreas Heinecke, fand vorige Woche in Davos statt. Klaus Schwab, 68, Gründer und Organisator des Weltwirtschaftsforums, hatte höchstselbst um den Dialog im Dunkeln gebeten: um Heinecke in sein unternehmerisches Netzwerk einzuführen, ihm die Tür zu Kunden und Kreditgebern zu öffnen – und um für sein Vermächtnis zu werben. Zusammen mit Ehefrau Hilde hat Schwab schon vor acht Jahren die Schwab Foundation for Social Entrepreneurship gegründet und das eigene Vermögen dort eingebracht. Ziel ist die Unterstützung engagierter Menschen, die gesellschaftliche Probleme auf unternehmerische Weise lösen. So wie Heinecke, der mit Dialog im Dunkeln 40 Blinde dauerhaft beschäftigt, Mitbürgern die Augen für die Probleme von Behinderten öffnet und über die Grenzerfahrung von Hilflosigkeit für Verständnis wirbt. Dutzende solcher Social Entrepreneurs hatten die Schwabs in der vergangenen Woche zum Jahrestreffen ihrer Stiftung nach Zürich geladen, unmittelbar vor Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos. Zum „Networking“ kamen Unternehmensberater von McKinsey, der Boston Consulting Group und Ernst & Young genauso wie Repräsentanten milliardenschwerer Stiftungen wie etwa von Ebay-Mitbegründer Jeff Skoll, von Goldman Sachs und Google. Prominente Freunde der Schwabs, darunter der brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho („Der Alchimist“) oder die Frau des südafrikanischen Präsidenten, Zanele Mbeki, bereicherten nach bewährtem Davos-Muster die illustre Runde, die in ihren Reihen inzwischen auch einen Nobelpreisträger führt: Mohammed Yunus, Gründer der Grameen Bank in Bangladesch. Yunus ist das Idol der Szene, er war es auch, der die Schwabs zu ihrer Stiftung inspirierte. Der Wirtschaftswissenschaftler hatte Anfang der Siebzigerjahre festgestellt, dass die Landbevölkerung in Bangladesch vor allem deshalb in bitterster Armut verharrte, weil ihnen der Zugang zum Kapitalmarkt verwehrt war. 1976 begann Yunus mit der Vergabe von Kleinstdarlehen, später gründete er die Grameen-Bank, wobei in den Dörfern kleine Gruppen füreinander bürgen und so das Kreditausfallrisiko äußerst niedrig halten. Manchem Deutschen dürfte die Idee bekannt vorkommen. Schließlich hatte Friedrich Wilhelm Raiffeisen vor rund 140 Jahren hierzulande genossenschaftliche Darlehenskassen gegründet, um mittellose Landwirte mit Geld für Betriebsmittel zu versorgen. „Raiffeisen war sicherlich ein Social Entrepreneur“, sagt die Münchner Professorin Ann-Kristin Achleitner, die an der Technischen Universität München den KfW-Stiftungslehrstuhl für Entrepreneurial Finance bekleidet, sich seit zwei Jahren für Social Entrepreneurship engagiert und dafür, wie sie sagt, anfangs von Kollegen „für verrückt erklärt wurde“. Das mag damit zusammenhängen, dass es für den Anglizismus „im Deutschen keine passende Übersetzung gibt“, bedauert Achleitner, „soziales Unternehmertum“ sei jedenfalls missverständlich. Dass der Gedanke des Social Entrepreneurship in Deutschland in Vergessenheit geraten konnte, erklärt Achleitner mit der in vielen Jahren gewachsenen Dominanz der Wohlfahrtsverbände und des Sozialstaates. Diese unterliegen dank der steten öffentlichen Finanzzuflüsse nicht dem Zwang zu ständiger Effizienz und Innovation, sondern konnten sich den Sozialsektor wie ein Kartell untereinander aufteilen und den Sozialsektor zu einer unternehmerfreien Zone machen. „Sozial wird leider zu oft mit Charity, mit Wohltätigkeit, gleichgesetzt“, kritisiert der Amerikaner Bill Drayton, den die Schwabs ehrfürchtig „Godfather of Social Entrepreneurship“ nennen. Der 63-Jährige hatte vor 25 Jahren seine McKinsey-Karriere an den Nagel gehängt und die Ashoka-Stiftung gegründet, die seither rund 2000 Social Entrepreneurs in 70 Ländern mit Stipendien und Know-how unterstützt. „Wir investieren nicht in Projekte und Organisationen, sondern in Menschen“, erläutert Drayton, „in Changemaker, die beseelt sind von einer Idee und diese – wie richtige Unternehmer – mit aller Macht in die Praxis umsetzen.“

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  • Das Vermächtnis des Klaus Schwab
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